Gefährliches Kohlenmonoxid : Genuss und Gefahr: Debatte über Shisha-Pfeifen bei Ordnungsämtern und im Landtag

Glühende Shisha-Kohle verursacht einen gesundheitsschädlichen Ausstoß an Kohlenmonoxid. /dpa
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Glühende Shisha-Kohle verursacht einen gesundheitsschädlichen Ausstoß an Kohlenmonoxid. /dpa

Fälle von Vergiftungen nehmen zu, verbindliche Regelungen gibt es nicht. Doch wie werden Bars überprüft und was macht Shisha-Rauchen gefährlich?

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08. Januar 2018, 17:54 Uhr

Die Meldungen über Kohlenmonoxid-Vergiftungen bei Besuchern sogenannter Shisha-Bars häufen sich. Anfang Dezember brach eine 19-Jährige nach dem Konsum einer Wasserpfeife in einem Lokal in Hamburg bewusstlos zusammen. In der Nacht zu Sonntag erlitten gleich 16 Personen in Bremerhaven eine Vergiftung. Auch in Kiel musste in derselben Nacht eine Shisha-Lounge an der Eckernförder Straße aufgrund bedenklicher Werte geschlossen werden. Nicht der erste Fall: In der Silvesternacht traf es einen 19-jährigen Mann in einer Bar in der Kirchhofallee.

Beim Verbrennen der Wasserpfeifenkohle entsteht Kohlenmonoxid. Besonders beim schnellen Rauchen ohne Absetzen der Pfeife in geschlossenen Räumen und geringer Luftzufuhr kann es passieren, dass nicht nicht mehr genug Sauerstoff in den Organismus gelangt.

Dass Handlungsbedarf besteht, scheint offensichtlich. In der vergangenen Woche meldete sich der drogen- und suchtpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion Bernd Heinemann zu Wort. Er forderte in einer Presseerklärung ein gesetzlich vorgeschriebenes Belüftungs- und Warnsystem für Shisha-Bars. Hinzu kämen zudem erhebliche Zusatzgefahren gegenüber Zigarettenrauchen wie zum Beispiel Herpes, Hepatitis, Chrom-, Nickel-, Kobalt- oder Bleivergiftungen.

Thema im Landtag

„Mit einer gesetzlichen Initiative werden wir nicht auf die Kriminalisierung der Konsumenten hinwirken, vielmehr muss der Gesundheitsschutz der Verbraucherinnen und Verbraucher, besonders in Shisha-Bars, im Vordergrund stehen“, so Heinemann. Das Thema solle in der ersten Landtagssitzung 2018 vom 24. bis 26. Januar erörtert werden.

Allgemein verbindliche Anforderungen, mit denen Shisha-Bars etwa von Gaststätten mit Raucherraum unterschieden werden könnten, gebe es bisher tatsächlich nämlich nicht, bestätigte der Sprecher der Stadt Kiel, Arne Ivers, gegenüber shz.de. „Die Shisha-Bar ist als eigene Betriebsart bauordnungsrechtlich und auch gaststättenrechtlich noch nicht eingeführt, weil es sich dabei immer noch um ein relativ neues Phänomen handelt.“

Ordnungsamt fordert verbindliche Regelung

Auch das Kieler Ordnungsamt sieht Nachholbedarf und will deshalb erneut mit dem Land in Kontakt treten. „Ziel ist es, eine verbindliche Regelung hinsichtlich der technischen Ausstattung und der Prüfverfahren für die Belüftungssituation einzuführen“, so Ivers. Es gelte zu prüfen, ob die Lüftungstechnik, die allgemein für Gaststätten als ausreichend gilt, auch bei den Shisha-Bars einen angemessenen Luftaustausch bietet.

Das Ordnungsamt werde in jedem Fall seinen Auflagenkatalog überarbeiten und sich dafür auch mit Experten aus dem Bereich Lüftungstechnik abstimmen. Neben einer Verbesserung der technischen Absicherung sei auch denkbar, dass im Einzelfall die Anzahl der im Betrieb möglichen Shishas begrenzt werden müssen.

Verbot derzeit kein Thema

Es komme aber auch auf die Gewissenhaftigkeit der Betreiber an, betont Ivers. „Wenn Kohlenmonoxid-Melder außer Funktion gesetzt, sehr viele Shishas gleichzeitig betrieben oder Lüftungen ausgeschaltet werden, kann die Sicherheit der Gäste nicht garantiert werden.“

Auch im Gesundheitsministerium des Landes ist man sich sicher: „Bei einem ordnungsgemäßen Betreiben der Shisha-Bars sollten Kohlenmonoxidvergiftungen ausgeschlossen sein“, sagt Pressesprecher Frank Strutz-Pindor. „Mit einem Verbot von Shisha-Bars habe man sich aber bisher nicht befasst, zumal fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse zu nicht-nikotinhaltigen E-Produkten noch nicht vorliegen.“

Informationen zu den Risiken, Auflagen und Kontrollen:

Wie gefährlich ist Kohlenmonoxid?

Kohlenmonoxid (CO) entsteht bei der unvollständigen Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Stoffen bei unzureichender Sauerstoffzufuhr. Es ist ein farb- geruchs- und geschmackloses Gas. Die akute Folge erhöhter CO-Konzentration besteht in Sauerstoffmangel in den Körpergeweben infolge partieller Blockade des Sauerstofftransportes im Blut. Folge können insbesondere Herz-Kreislaufstörungen und neurologische Effekte sowie Stoffwechselstörungen sein. Im schlimmsten Fall führt eine Vergiftung zum Ersticken.

Frühe Anzeichen einer Vergiftung sind Müdigkeit, Benommenheit, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und grippeähnliche Symptome.

Welche Grenzwerte sind erlaubt?

Für Beschäftigte, die Umgang mit Kohlenmonoxid (CO) haben oder Tätigkeiten mit CO-Freisetzung durchführen gilt der Arbeitsplatzgrenzwert von 30 ml/m³ bzw. 35 mg/m³.

Für Innenraumluftgrenzwerte hat das Bundesumweltamt folgende zeitlich gewichtete Beurteilungsleitwerte festgelegt:

Viertelstunde: 100 mg/m³

Eine Stunde: 35 mg/m³

Acht Stunden: 10 mg/m³

24 Stunden: 7 mg/m³

Welche Auflagen gibt es für Shisha-Bars?

Die Auflagen werden von den Ordnungsämtern im Rahmen der gaststättenrechtlichen Genehmigung festgelegt und können insofern örtlich variieren.

Beispiel Kiel und Flensburg: Shisha-Bars benötigen im Raum, in dem die Kohlewürfel vorbereitet werden, eine Zu- und Abluftanlage und einen Kohlenmonoxid-Melder. Dieser Vorbereitungsraum muss durch eine geschlossene Tür vom Gastraum abgetrennt sein. In den Gasträumen müssen zusätzliche Kohlenmonoxid-Melder und ebenfalls eine Lüftungsanlage betrieben werden.

Wie werden die Bars kontrolliert?

In Kiel und auch Flensburg werden alle der Stadt bekannten Shisha-Bars vor Aufnahme des Betriebes von der Berufsfeuerwehr gemeinsam mit der Gaststättenaufsicht des Ordnungsamtes abgenommen. Nach der Erstabnahme erfolgen unangemeldete Kontrollen durch die Gaststättenaufsicht.

Bei hartnäckigen oder besonders leichtfertigen Verstößen gegen Auflagen kann und wird die Gaststättenerlaubnis entzogen bzw. das Gewerbe untersagt.

Wie viele Shisha-Bars gibt es in SH?

Genaue Zahlen können nur über die jeweiligen örtlichen Gewerbeämter in Erfahrung gebracht werden. In Kiel gibt es derzeit beispielsweise rund ein Dutzend Betriebe, die explizit als Shisha-Bars angemeldet sind. In Lübeck gibt es insgesamt sieben dieser Bars, in Flensburg drei, wobei eine weitere in Planung ist. In Itzehoe ist eine Shisha-Bar ansässig.

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