Schwere Untreue : Gefängnis für Lauenburger Bank-Manager

Verurteilt nach Absprache: Ex-Bankchef Carsten H. (links) und Ex-Aufsichtsratsmitglied Hauke H.
Verurteilt nach Absprache: Ex-Bankchef Carsten H. (links) und Ex-Aufsichtsratsmitglied Hauke H.

Zwei ehemalige Manager der Volksbank Lauenburg haben gestanden, vier Jahre lang ihre Stellung missbraucht zu haben, um sich Kredite zu verschaffen. Sie wurden zu mehreren Jahren Haft verurteilt.

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27. November 2007, 05:55 Uhr

Wegen schwerer Untreue hat das Lübecker Landgericht zwei ehemalige Manager der Lauenburger Volksbank am Dienstag zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Der ehemalige Direktor des Geldinstituts muss für vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Der zweite Angeklagte, ein Ex-Aufsichtsratsmitglied der Bank, wurde zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Zuvor hatten beide die Vorwürfe der Anklage eingeräumt. Sie gestanden, bei der Kreditvergabe nicht ausreichend Sicherheiten verlangt und damit die Gefährdung der Rückzahlungen in Kauf genommen zu haben. Wegen der Geständnisse und mangelnder Fluchtgefahr hob das Landgericht die Haftbefehle auf. Bis zum Strafantritt sind beide Männer damit auf freiem Fuß. Sie saßen seit März in Untersuchungshaft.
"Die Vorgänge seien existenzbedrohend für die Volksbank gewesen", sagte der Vorsitzende Richter Jörg Beer bei der Urteilsverkündung. Beide hätten ihre Pflichten verletzt, als sie ohne gewissenhafte Prüfung Kredite vergaben. Das Gericht sah eine "raffinierte Begehungsweise" bei den Taten, bei den "Strohmänner eingeschaltet" worden seien. Beide hätten sich auch persönlich bereichert. Laut Anklage ließen sich beide Angeklagten aus den Kreditgeschäften jeweils 415.000 Euro überweisen.
"Faule Geschäfte" zwischen 2002 und 2006
Der frühere Bankdirektor hat sich zudem laut Anklage aus dem Pensionsfonds fast drei Millionen Euro auszahlen lassen, als die Bank bereits in Schieflage war. Insgesamt hätten beide zwischen 2002 und 2006 "faule Geschäfte" bei einem Kreditvolumen von 17 Millionen Euro abgewickelt. Das Geld sei über ein Geflecht von Firmen und Strohmännern in Immobilien in Hamburg, Schleswig-Holstein und dem Balkan geflossen. Dadurch geriet die Bank in Existenznot und konnte nur durch eine Finanzspritze der Volksbanken gerettet werden.
Die Geständnisse des 64 Jahre alten Ex-Direktors aus Lauenburg sowie des 55-jährigen alten Geschäftsmannes aus Geesthacht (beide Kreis Herzogtum Lauenburg) waren Teil einer überraschenden Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Im Gegenzug wurden den Managern Haftstrafen von maximal vier Jahren und neun Monaten zugesagt. Beide räumten in ihren Geständnissen ein, bei der Kreditvergabe gegen das Kreditwesengesetz und Regeln der Bank verstoßen zu haben. Es seien Vorschriften umgangen und die Gefährdung des Vermögens der Bank gesehen worden. Zu Beginn des Wirtschaftstrafverfahrens hatten beide lediglich über ihre Verteidiger erklären lassen, ihr Vorgehen sei nie von externen Prüfern beanstandet worden und seither keine Aussagen gemacht.
Untersuchungshaft wird angerechnet
Gericht und Staatsanwaltschaft würdigten, dass mit den Geständnissen ein weiteres langwieriges Verfahren vermieden worden sei. Strafmildernd sei auch das Alter der Angeklagten berücksichtigt worden. Beide seien von der langen Untersuchungshaft gezeichnet. Der frühere Bankdirektor hatte jahrzehntelang die Geschäfte des kleinen Geldinstituts gesteuert. Staatsanwältin Claudia Wilking betonte am Rande des Verfahrens, es sei "kein normaler Fall der Bankenuntreue" gewesen. Beide Angeklagten seien "geschäftlich verbunden gewesen und hätten gezielt die Kredite genutzt, sich für ihre eigenen Geschäfte Liquidität zu verschaffen".

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