Geburtstag mit dem Christkind

Finja Hunger zeigt im Familienkalender auf ihren Geburtstag: Sie feiert ihn an Heiligabend. Foto: Moritzen (3)
1 von 3
Finja Hunger zeigt im Familienkalender auf ihren Geburtstag: Sie feiert ihn an Heiligabend. Foto: Moritzen (3)

177 Neumünsteraner sind am 24. Dezember zur Welt gekommen / Drei von ihnen erzählen, wie sie mit der Doppelfeier umgehen

Avatar_shz von
17. Dezember 2011, 07:42 Uhr

Neumünster | Sie sind nicht allein. Und doch ist ihr Geburtstag alle Jahre wieder etwas Besonderes: 177 Christkinder gibt es laut Stadtsprecher Stephan Beitz zurzeit in Neumünster. An ein und demselben Tag müssen sie ihr Wiegenfest und Weihnachten unter einen Hut bringen. Wie sie das gemeinsam mit ihren Familien und Freunden arrangieren, haben drei Christkinder verschiedenen Alters dem Courier erzählt.

Wilfried Rose aus der Innenstadt wird in diesem Jahr 67 Jahre alt. Verlegt hat er seine Geburtstagsfeier noch nie. Doch er gibt zu: "Besonders als Kind habe ich alle anderen immer beneidet. Viel lieber hätte ich wenigstens einen Tag vor Heiligabend oder am ersten Weihnachtsfeiertag Geburtstag gehabt", sagt er. Als er klein war, gab es morgens das Geburtstagsgeschenk und abends das Weihnachtsgeschenk. "Mehr kriegte man damals ja ohnehin nicht", so der Rentner, der früher als Maschinenschlosser arbeitete und vielen als VfR-Schiedsrichter bekannt ist.

Während seine Kindergeburtstage immer schnell vorbei waren, weil "an Weihnachten ja keiner lange Zeit hat", vergaßen die Sportfreunde später durchaus mal die Zeit. "Es kamen immer so zehn bis 15 Kumpel und Kollegen. Einer blieb nach Bierchen und Schnaps immer zu lange, da rief dann seine Frau verärgert an", erinnert sich Wilfried Rose. Als Familienvater war für ihn um 18 Uhr Schluss mit der Geburtstagsparty. "Dann war Weihnachten, dann kamen die Kinder mit ihrer Bescherung an die Reihe", erinnert er sich.

"Mittlerweile ist alles viel ruhiger", sagt der gebürtige Niedersachse, der in der Innenstadt wohnt. In diesem Jahr kommen vormittags erst die vier Kinder und die Enkel zum Geburtstag. Abends ist er dann bei seinen Kindern eingeladen. Mit der Doppelfeier hat er sich mittlerweile abgefunden. "Das gehört halt zu mir", sagt er augenzwinkernd.

Ähnlich sieht es auch Christiane Hilgert, die am 24.Dezember 47 Jahre alt wird. "Für mich ist dieses Geburtsdatum ganz normal. Aber ich bin sowieso nicht so ein Geburtstagsmensch. Weihnachten ist mir lieber", sagt die Falderanerin, die in der Firma ihres Mannes als Schädlingsbekämpferin arbeitet. Schon als Kind hieß es in ihrer Familie: Bis mittags ist Geburtstag, danach kommt Weihnachten. Daran hat sie bis heute nichts geändert. Auch in diesem Jahr möchte sie von 11 bis 13 Uhr mit Familie und Freunden zusammensitzen. "Später haben dann ja ohnehin alle was vor", weiß sie. Ungerecht behandelt fühlte sie sich mit dem Datum nie. "Früher haben meine Eltern dafür gesorgt, dass die Geburtstagsparty im Frühjahr nachgeholt wurde. Auch Geschenke gab es genug", erzählt Christiane Hilgert.

Nur ihrem kleinen Bruder war schwer zu vermitteln, warum die Schwester am 24. Dezember zwei Mal auspacken durfte. Dass Christiane Hilgert ihren besonderen Geburtstag auch im Namen trägt, ist übrigens kein Zufall. "Meine Eltern passten den Namen ganz bewusst dem Datum an. So ist es zumindest überliefert", erzählt sie lachend.

Finja Hunger ist mit ihrem Geburtsdatum seit jeher unzufrieden. "Ich fand das noch nie gut. Nur einmal im Jahr Geschenke", meint die Holstenschülerin, die an Heiligabend 15 Jahre alt wird. Doch noch etwas stört die junge Ruthenbergerin: "Die meisten Erwachsenen nennen mich Christkind, wenn sie davon hören. Das geht einem irgendwann schon auf die Nerven", sagt sie. Gleichaltrige staunen eher, wenn sie davon hören. "Die glauben das erst gar nicht", erzählt Finja Hunger.

Den 24. Dezember gestaltet die Familie immer gleich. Morgens feiert Finja mit ihren Eltern und zwei älteren Brüdern Geburtstag und bekommt auch ihre Geschenke. Nachmittags geht es in die Kirche, und abends ist dann Weihnachten bei den Hungers.

Auf Weihnachten waren Finjas Eltern offenbar auch am Tag der Geburt voll und ganz eingestellt. Aus Erzählungen weiß die Tochter, dass sie "fast in der Kirche zur Welt gekommen" ist. "Um 15 Uhr war meine Mutter noch im Gottesdienst, kurz nach 16 Uhr war ich da", erzählt die Schülerin.

Ihre Geburtstagsfeier mit den Freundinnen folgte in den vergangenen Jahren übrigens meist im Januar. "Irgendwann nach den Ferien, wenn alle wieder Zeit für so was haben", sagt Finja. Doch diesmal bricht sie mit dieser Tradition. "Wahrscheinlich feier ich im Sommer", erklärt sie. "Sommer ist sowieso besser. Da kann man viel mehr machen. Kanufahren oder so."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen