Rachel Pashley und Matthias Hummel : Fußball-Paar des Jahres steht schon fest

Ein Lieblingsplatz für die wenige Freizeit: Matthias Hummel und Rachel Pashley auf dem einladenden Sofa in ihrer gemeinsamen Wohnung in Kronshagen. Foto: Jessen
Ein Lieblingsplatz für die wenige Freizeit: Matthias Hummel und Rachel Pashley auf dem einladenden Sofa in ihrer gemeinsamen Wohnung in Kronshagen. Foto: Jessen

Rachel Pashley und Matthias Hummel sind Schleswig-Holsteins Fußball-Paar des Jahres. Sie ist Defensivallrounderin des FFC Oldesloe und der Innenverteidiger des ETSV Weiche.

Avatar_shz von
04. Dezember 2011, 06:55 Uhr

Gewählt werden wollen sie beide noch. Doch eine Rubrik haben Rachel Pashley und Matthias Hummel bereits gewonnen. Sie sind Schleswig-Holsteins Fußball-Paar des Jahres. Die Defensivallrounderin des Zweitligisten FFC Oldesloe und der Innenverteidiger des SH-Ligisten ETSV Weiche sind nicht nur seit nunmehr acht Jahren ein Pärchen, sondern - und das ist eine Premiere - sie sind auch beide für die Wahl zum Fußballer des Jahres nominiert. Grund genug für Nord Sport, die beiden einmal in ihrer gemeinsamen Wohnung in Kronshagen zu besuchen.
Dass zwei der besten Fußballer des Landes hier daheim sind, ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Weder hängen Bilder aus der Karriere an den Wänden noch liegt ein Ball zum Kicken bereit. "Es wird bei uns zu Hause auch eher wenig über Fußball gesprochen", sagt sie. Und er bestätigt: "Das habe ich erst lernen müssen. Früher habe ich die schlechte Laune schon mal mit nach Hause genommen. Das ist heute nicht mehr so, da sehe ich vieles gelassener." Obwohl beide mit 27 bzw. 26 Jahren erst am Anfang des besten Fußballalters stehen, sind sie auch in ihren neuen Teams Führungsspieler. "Wir haben einfach beide den Ehrgeiz, unbedingt gewinnen zu wollen und immer an die Leistungsgrenze zu gehen", sagt Hummel. Kein Zufall, dass beide in ihren Mannschaften auch mal für den rustikaleren Part zuständig sind.
Wechsel nach Oldesloe
Für sie ist das - wie schon in den letzten Jahren - der Abstiegskampf in der 2. Bundesliga. Einziger Unterschied: Pashley trägt nicht mehr das Trikot von Holstein Kiel, sondern das des FFC Oldesloe. "Natürlich hatten wir nicht erwartet, dass wir da so tief unten drin stecken. Einige müssen sich erst mal daran gewöhnen, was Abstiegskampf wirklich heißt", sagt die Engländerin, deren Eltern vor knapp 30 Jahren aus beruflichen Gründen nach Kiel kamen. Den Wechsel bereut sie bislang nicht. "Bei Holstein hat sich einiges verändert, ich hatte einfach Lust auf die neue Herausforderung, das hatte nicht nur mit dem Abstieg zu tun." Dass nicht alles rund läuft, kommt nicht völlig überraschend. "Ein wenig Eingewöhnungszeit war wohl normal, schließlich war das Spiel ganz auf Gaitana zugeschnitten, und die ist jetzt nicht mehr da."
Es fehlt keine geringere als die Fußballerin des Jahres 2008 und 2010, Gaitana Lippert, die eine Schwangerschaftspause einlegt und im übrigen bei allen drei Wahlen einen Platz vor Pashley landete. "Natürlich wäre es schön, selbst mal ganz oben zu stehen", bekennt die gebürtige Kielerin. "Aber es rücken auch immer junge Talente nach." Selbst hat sie den Eindruck gewonnen: "Bei einem Zweitligisten Holstein wäre ich sicher die Favoritin. Jetzt in Lübeck (wo der FFC seine Heimspiele austrägt, Anm. d. Red.) muss ich mir vieles neu erarbeiten."
"Aushängeschild des Frauenfußballs"
Ihr Freund sieht das etwas anders. "Sie ist durch ihre Leistungen und durch ihren Job so etwas wie ein Aushängeschild des Frauenfußballs im Land geworden", weiß Hummel. Die tägliche Arbeit beinhaltet für die gelernte Veranstaltungskauffrau vor allem eines: Fußball. Seit 2008 ist die 26-Jährige beim SHFV angestellt, für den Bereich Frauen- und Mädchenfußball zuständig. "Ich könnte mir keine andere Arbeit vorstellen. Das passt einfach optimal." Eines ist ihr wichtig. "Ich habe durch den Job bei der Wahl keinen Vorteil, das wird alles von mir fern gehalten", sagt sie. Auch vor den Ehrungsveranstaltungen wusste sie nie, welchen Platz sie belegte.
"Diese Ehrungen kenne ich ja schon", lacht Hummel, der überrascht ist, diesmal selbst unter den Nominierten zu sein. "Damit hatte ich nicht gerechnet." Dass er bei der Ehrung im Februar wieder dabei ist, gilt als sicher. Doch wohl auch diesmal "nur" als die "bessere Hälfte" einer Medaillengewinnerin. "Unter die ersten drei zu kommen - da mache ich mir keine Illusionen. Da sind die Regionalliga-Spieler natürlich favorisiert", weiß er.
Auf Sylter nicht gut zu sprechen
Selbst spielt der von der Außenbahn längst in die Defensivzentrale gerückte 27-Jährige inzwischen eine Klasse tiefer. Zu Beginn des Jahres noch beim FC Sylt, jetzt beim ETSV Weiche. Auf die Sylter ist er nicht gut zu sprechen. "Natürlich hätte ich noch einiges Geld zu bekommen", bestätigt er. "Aber das verfolge ich nicht weiter. Für mich ist Volker Koppelt erledigt. Es war eine Genugtuung, vor einigen Wochen zwei Tore zu unserem Sieg gegen Sylt beizutragen."
Nach Weiche holte ihn Daniel Jurgeleit, wie Hummel früher bei Holstein Kiel. "Wir haben aber nur im Training noch ein paar mal zusammen gespielt, als ich damals als junger Spieler hochrückte und er gerade aufgehört hatte, aber noch ab und zu mittrainierte", erinnert er sich. "Er hat mir dann als Sportlicher Leiter bei Holstein auch meinen ersten Vertrag im Herrenbereich gegeben." Die gute Meinung blieb. "Er ist der Schlüsselspieler für unsere Defensive, hat nicht nur die richtige Einstellung, sondern ist auch noch schnell. So einer fehlte uns noch", erklärt der Weiche-Trainer.
Im Rampenlicht
So schließt sich vielleicht der Kreis. Im Optimalfall könnten Hummel, Jurgeleit und der ETSV Weiche im kommenden Jahr als Gegner im Holstein-Stadion auflaufen. "Es wird immer mehr darüber geredet, dass es mit der Regionalliga klappen könnte", sagt der Verteidiger, weiß aber: "Es ist für einige neu, da oben mitzuspielen, den Druck zu haben und mehr im Rampenlicht zu stehen. Das hat man zuletzt gemerkt, da fehlte teilweise die Souveränität." Dennoch ist er sicher: "Wir haben das Zeug, um am Ende mindestens mal um den zweiten Platz mitzuspielen." Das Pokal-Endspiel auf der Lübecker Lohmühle kommt als schon sicheres Bonbon auch noch hinzu.
Hummel gehört zu den Weichern, die die Regionalliga kennen. Will er da wieder hin? "Natürlich müsste ich überlegen", sagt er und blickt zu seiner Freundin hinüber. "Schließlich hätten wir dann noch weniger Zeit füreinander." Diese Momente sind ohnehin rar gesät. "Es gibt Wochen, da haben wir bei unterschiedlichen Trainings- und Spieltagen gar keinen gemeinsamen Abend", erklärt Pashley. Gegen die sportliche Chance würde sie aber nie votieren. "Ich habe es selbst ja auch so gehalten. So lange die Fitness da ist, möchte ich die Herausforderung annehmen." Und das gilt auch für den Mann an ihrer Seite. "Am Ende würde ich es sehr wahrscheinlich machen", sagt Hummel. "Den Ehrgeiz habe ich, und Spaß macht es auch." Beides ist für ihn auch wichtiger als die finanzielle Seite. "Natürlich ist es schön, wenn auch die Aufwandsentschädigung stimmt", gibt er zu. "Aber wenn ich keine Lust mehr spüren würde, spiele ich eben nur noch zum Spaß mit Freunden eine Klasse tiefer."
Frauenfußball mit Idealismus
Das Geld - oder besser gesagt: das fehlende Geld - ist eine der Sachen, die ihm großen Respekt für den Frauenfußball abnötigt. "Ich hatte zu Beginn unserer Beziehung auch nicht die beste Meinung und schaue mir die Spiele auch heute vor allem deshalb an, weil meine Freundin mitspielt." Eines aber hat auch für den Männerfußball Vorbildcharakter. "Wenn ich sehe, wie viel Rachel investiert, ohne einen Cent zu bekommen, aus reinem Idealismus - da könnten sich einige Männer etwas von abschneiden. Da meckern ja schon manche Verbandsliga-Spieler, wenn sie nicht mindestens 300 Euro bekommen." In Bad Oldesloe gibt es nichts außer Erstattung der Benzinkosten. "Ich käme nie auf die Idee, Geld zu verlangen, weil ich es gar nicht anders gewöhnt bin", sagt Pashley.
Wenig Zeit füreinander
Dabei ist der Aufwand vergleichbar. Beide trainieren mindestens drei Mal wöchentlich, die Fahrten in der 2. Frauen-Bundesliga sind sogar deutlich weiter und auch die Anreise zum Training ist für Pashley ("Ich fahre etwa 75 Minuten") auch weiter als für Hummel, der von Kronshagen bis Flensburg-Weiche eine Dreiviertelstunde braucht.
Kein Wunder, dass da wenig Zeit füreinander übrig bleibt. "Die wenigen Abende, die wir haben, sind dann aber auch wirklich für uns", betont sie. Andere Hobbys haben beide nicht. "Wenn mal Zeit ist, versuchen wir Freundschaften zu pflegen, die sonst zu kurz kommen. Und natürlich die Familie." Derzeit sind damit noch die Eltern gemeint. "Natürlich wollen wir mal heiraten und gemeinsam Kinder haben", sagt Hummel. Und seine Freundin ergänzt: "Einen Zeitplan haben wir uns dafür aber nicht gesetzt."
Freie Tage fürs Holstein-Spiel
Und so ertappen sich beide dabei, dass am Ende der Fußball doch auch im Privatleben eine Rolle spielt. "Wenn es zeitlich passt, nutzen wir einen freien Tag schon mal, um ein Holstein-Spiel anzuschauen", sagt Hummel. "Elf Jahre in einem Verein prägen doch, auch wenn ich mir den Abschied anders vorgestellt hatte." Das gemeinsame Hobby Leistungssport hält die Beziehung zudem zusammen. "Man hat einfach mehr Verständnis für den anderen", betont sie. Und er ergänzt schmunzelnd: "Es ist auch ein Vorteil, dass wir beide Fußball im Fernsehen anschauen und ich nicht noch die Abseitsregel erklären muss."
Stattdessen steht da immer öfter eine Flasche Wein auf dem Tisch. "Ich bin ein Genussmensch geworden", sagt Hummel, der auch für das Kochen zuständig ist (dafür wäscht sie größere Mengen an Sportkleidung). Mit Wein hat er, der bei Holstein einige Jahre drittklassig als Quasi-Profi spielte, inzwischen auch beruflich zu tun. Der Großhandelskaufmann ist für den Online-Handel beim "Schneekloth Weindepot" zuständig. "Experte ist vielleicht zu viel, aber den einen oder anderen Unterschied erschmecke ich schon." Gelegenheit, um gemeinsam anzustoßen, könnte schon das Ergebnis der Wahl der Fußballer des Jahres bringen...

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen