Radfahr-Streifen : Für Frieden auf den Straßen

Ein neues Verkehrsprojekt könnte den Krieg zwischen Auto- und Radfahrern beenden. Ein Kommentar von Sven Bohde.

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13. Juli 2013, 10:45 Uhr

Der Krieg zwischen Auto- und Radfahrern hat eine neue Front. Sie zieht sich durch den Kreis Stormarn, wo auf drei Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften ein Schutzstreifen für Radfahrer getestet wird. Die einen bezeichnen dies als Blödsinn, die anderen als gute Lösung, um alle Verkehrsteilnehmer aufmerksamer zu machen.
Ob der "Straßenstrich" in genau der Weise, wie er hier ausprobiert wird, richtig ist, wird sich zeigen. Ein gut ausgebautes Radwegenetz neben Landstraßen ist sinnvoller. Dennoch ist bereits das Signal an die Radler erfreulich, dass sie als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer erwünscht sind. Es ist eine Bewegung zu einer Versöhnung der zerstrittenen Lager.
Dafür wird es Zeit. Denn kein Tag vergeht, an dem Auto- oder Radfahrer nicht heftig über den jeweils anderen schimpfen. Immer sind die anderen schuld. Schnell wird verallgemeinert.
Aber wer verhält sich denn stets korrekt? Mal sind es Autofahrer, die am Steuer telefonieren, mal Radfahrer. Also: Zunächst sollte jeder sein eigenes Fahrverhalten überprüfen, bevor er andere kritisiert. Dann fällt es mit der Versöhnung umso leichter. Wie entspannt wäre es auf den Straßen?
Das Stormarner Schutzstreifen-Projekt verunsichert zwar im ersten Moment überraschte Autofahrer, weil sie nicht wissen, wie sie fahren sollen. Aber es könnte bewirken, dass sowohl Auto- als auch Radfahrer vorausschauend fahren und somit vorsichtiger unterwegs sind.
Sollte es nur zu einem Waffenstillstand auf den Straßen reichen, könnte der Blick nach Dänemark zu einem Frieden führen: Wer einmal in Kopenhagen mit dem Drahtesel unterwegs war, weiß, wie angenehm Radfahren sein kann. Fährt man anschließend wieder in Deutschland, vergeht einem dieser Spaß schnell wieder. Weil Autofahren im Nachbarland teuer ist, fahren viele Dänen Rad. Damit es nicht zum Chaos kommt, müssen sich alle an Regeln halten und zum Beispiel Handzeichen geben, wenn sie anhalten oder abbiegen. Jeder hält sich daran. Auto- und Radfahrer nehmen aufeinander Rücksicht. Es kann also auch entspannt zugehen.

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