zur Navigation springen

Lufthansa-Streik aktuell : Flughafen Hamburg: Fast alle Lufthansa-Flüge gestrichen, Entspannung in Sicht

vom

Die Kabinengewerkschaft Ufo weitet ihre Streiks am Montag noch aus. In Hamburg soll es am Dienstag besser aussehen.

shz.de von
erstellt am 09.Nov.2015 | 07:03 Uhr

Frankfurt/Main | Wegen des Streiks der Flugbegleiter sind am Hamburger Flughafen am Montag nahezu alle Flüge der Lufthansa ausgefallen. Die Stewardessen und Stewards hatten zuvor ihren Streik auf den Flughafen München ausgeweitet, neben Frankfurt die zweite Lufthansa-Verbindung ab Hamburg.

Die Tarifverhandlungen für die Stewardessen und Stewards der Lufthansa ziehen sich bereits seit zwei Jahren hin. Strittig sind vor allem die Regelungen zu Betriebs- und Übergangsrenten von rund 19.000 Flugbegleitern. Es ist der erste Ausstand der Flugbegleiter in der aktuellen Tarifrunde. Die Piloten der Lufthansa haben schon 13 Mal gestreikt.

Somit wurden am Montag 30 von 31 Lufthansa-Flügen zwischen Hamburg und Frankfurt sowie München gestrichen. Nur eine Verbindung zwischen Hamburg und München wurde bedient. Damit waren rund 15 Prozent der Flüge vom und zum Hamburger Flughafen betroffen. Wären die Flugzeuge voll besetzt, so hätten mehr als 4000 Passagiere nicht ab Hamburg fliegen können und weitere 4000 nicht nach Hamburg kommen.

Am Dienstag könnte sich die Lage für die Hamburger Lufthansa-Passagiere entspannen. Die Gewerkschaft Ufo hat angekündigt, am Dienstag ab Frankfurt und München nur Langstreckenflüge zu bestreiken. Die Kurz- und Mittelstrecke werde hingegen vom Streik ausgenommen. „Gegenwärtig rechnen wir damit, dass wir den Hamburger Flugplan weitestgehend erfüllen können“, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Planmäßig fliegt Lufthansa am Dienstag ab Hamburg 16 Mal von und nach Frankfurt und 15 Mal von und nach München.

Frankfurt wird von keiner weiteren Fluglinie ab Hamburg bedient; den Passagieren bleibt nur der Umstieg auf die Bahn oder das Auto. Nach München fliegt neben Lufthansa auch Air Berlin.

Informationen zu Sonderflugplänen, Erstattungen oder Umbuchungen finden Sie auf den Seiten der Lufthansa.

Wie können Reisende herausfinden, ob sie betroffen sind?

Auf der Lufthansa-Webseite finden Fluggäste eine Liste mit allen gestrichenen Flügen. Reisende können auf der Seite auch unter „Meine Buchungen“ prüfen, ob sie betroffen sind und nachschauen, ob sich bei ihrer Buchung etwas getan hat, erklärt eine Lufthansa-Sprecherin. Generell sollten Reisende vor dem Abflug den Status ihrer Flüge überprüfen.

Was gilt, wenn Reisende auf eigene Faust eine Alternative buchen?

Fällt der Flug definitiv aus, kann der Kunde seinen Vertrag kündigen und bekommt sein Geld zurück. Dann kann er sich auf eigene Faust und eigene Kosten um eine Ersatzbeförderung kümmern. Bleibt er im Vertrag und kontaktiert die Airline, ist diese verantwortlich. Unter „Meine Buchungen“ auf der Lufthansa-Seite können Kunden ihr Ticket zum Beispiel in eine Fahrkarte der Deutsche Bahn umwandeln. Wenn sie selbst ein Zugticket kaufen, das teurer als der eigentliche Flug ist, zahlen sie den Differenzbetrag aus eigener Tasche.

Wie sieht die Ersatzbeförderung aus?

Das kann zum Beispiel ein Ersatzflug oder - wenn möglich - eine Bahnfahrt sein. Diese muss zum frühstmöglichen Zeitpunkt stattfinden, wie der Reiserechtler Prof. Ernst Führich erklärt. Auch hier steht dem Reisenden Verpflegung während der Wartezeit zu. Wer bereits unterwegs ist, hat Anspruch auf einen möglicherweise notwendigen Rückflug zum ersten Abflugort.

Können Reisende umbuchen, wenn ihr Flug nicht gestrichen wurde?

Ja. Die Airline bietet Fluggästen im Besitz eines Lufthansa-, Swiss-, Austrian-Airlines- oder Brussels-Airlines-Tickets für Flüge vom 6. November bis 9. November 2015 von, nach oder über Frankfurt, München oder Düsseldorf eine kostenlose Umbuchung an.

Das Ticket muss allerdings vor dem 5. November ausgestellt worden sein. Das neue Reisedatum muss spätestens der 28. Februar 2016 sein.

Außerdem müssen Abflugs- und Ankunftsort, Serviceklasse sowie alle weiteren Ticketkonditionen beibehalten werden. Reisende können die Umbuchung online unter „Meine Buchungen“ vornehmen.

Was passiert, wenn sich der Flug verspätet?

Die Airline muss den Fluggast während der Wartezeit betreuen, abhängig von Wartezeit und Flugentfernung. Das gilt laut der EU-Fluggastrechteverordnung, auch wenn die Airline für den Streik gar nichts kann. Laut der Verordnung müssen diese Leistungen „in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit“ bereitgestellt werden.

Passagiere erhalten meist Gutscheine. Außerdem stehen ihnen zwei Telefonate, Faxe oder E-Mails zu. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline oder der Veranstalter die Übernachtung in einem Hotel zahlen. Wenn sich ein Flug um fünf Stunden oder mehr verspätet, kann der Reisende sein Ticket zurückgeben.

Haben Reisende Anspruch auf eine Entschädigung?

Nein. Zwar steht Reisenden bei Flugausfall oder Verspätungen von mehr als drei Stunden eigentlich eine Entschädigung zu. Das gilt nach aktueller Rechtsprechung aber nicht, wenn höhere Gewalt vorliegt - und das ist bei einem Streik der Fall.

Lässt sich bei einer Pauschalreise der Preis mindern?

Das ist oft möglich. Hier stellt sich die Frage, ob der Veranstalter seine Leistungspflichten erfüllt hat. Sitzen Reisende zum Beispiel zwei Tage am Flughafen fest statt am Strand zu liegen, können sie den Reisepreis entsprechend mindern. Handelt es sich um eine Kurzreise, können sie sogar von der Reise kostenlos zurücktreten und den Reisepreis zurückfordern. Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit gibt es jedoch nicht.

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen