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Eierkunst auf Sylt : Filigrane Malerei auf zartem Osterei

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Ob Fisch, Hummer oder Blüte: Wenn Maria Schierz weiße Eier in farbenfrohe Kunstwerke verwandelt, wird sie kreativ. Die Aquarellfarben pinselt sie dabei mit einer speziellen Technik auf die zerbrechlichen Schalen.

Unruhige Hände darf man nicht haben, wenn man ein Hobby hat wie Maria Schierz. Seit rund 30 Jahre bemalt die 70-Jährige Eier mit bunten Aquarellfarben. Dabei pinselt die Morsumerin nicht nur auf Hühnereier – auch Gänse, -Enten sowie Straußeneier werden von ihr mit filigranen Bildern verziert. „Es bedeutet für mich, mich komplett zu konzentrieren und zu disziplinieren“, sagt Schierz über ihre vorösterliche Freizeitbeschäftigung. Von Januar bis März pinselt sie unter anderem Hummer, Blüten und Vögel auf die zerbrechlichen Hüllen. Nur die Hand, die den Pinsel führt, bewegt sich dabei: Eine willkommene Abwechslung, denn bei ihrer Arbeit als Kräutergärtnerin ist statt feinmotorischer Fähigkeiten eher voller Körpereinsatz gefragt.

Bevor das Ei zu einem kleinen Kunstwerk werden kann, muss Schierz ihren Maluntergrund vorbereiten: Als erstes werden die Eier (obere Reihe, linkes Bild) ausgepustet und „ordentlich sauber gemacht, damit es später nicht stinkt oder sich Tierchen bilden“, sagt Schierz. Mit Essigessenz entfernt sie Reste von Eiweiß-und gelb im Inneren. Danach schrubbt sie die zarte Schale von außen mit einem Putzschwamm und Scheuermilch (obere Reihe, rechtes Bild): Dabei löst sich die Fettschicht, die verhindern würde, dass die Farbe auf dem Ei haftet. Bevor der künstlerische Malprozess beginnen kann, müssen schließlich noch die Löcher mit einem kleinen Bohrer fein ausgebohrt werden (mittlere Reihe, linkes Bild). Das ist wichtig, damit sich feine Haarrisse nicht weiter ausbreiten und die Eierschale stabil bleibt.

Anschließend zückt Schierz ihren Pinsel: Das Motiv hat sie zuvor aus einem Buch ausgesucht und die Vorlage vor sich ausgebreitet. Am liebsten malt sie Fische, weil „die so selten gemalt werden“ und symbolisch gut in die Osterzeit passen. „Außerdem muss ich sie malen, weil die Sammler sie jedes Jahr von mir wollen“, sagt sie und schmunzelt.

Mit einem feinen Pinsel trägt sie die Aquarellfarben (mittlere Reihe, rechtes Bild), aus der später ein Karpfen entstehen soll, schichtenweise auf die weiße Schale auf. Diese Technik ist ihr seit langem vertraut: Die Farben „schiebt“ die Hobby-Künstlerin mit ihrem Werkzeug an die richtigen Stellen. Damit eine deckende Fläche entstehen kann, müssen dazu rund drei bis fünf Lagen übereinander aufgetragen werden (unterste Reihe, linkes Bild). Die ersten beiden Schichten seien hier die schwierigsten, denn die Farbe sei noch empfindlich und dünn. „Auf diese Weise wird der Fisch nachher plastisch und die Töne intensiv“, erklärt sie die aufwändige Prozedur. Mit dieser Technik könne man sehr exakt malen. Allerdings sei es sehr wichtig, dass man sich gut mit Farben auskennt, denn nur so können zum Beispiel die Fischschuppen später real wirken.

Nachdem die Farbe auf den Eiern getrocknet ist, wird sie mit Speziallack fixiert. Ob matt oder glänzend ist Geschmackssache.

Der letzte Schritt ist für die Künstlerin ebenso wichtig wie jene zuvor: „Man muss sich freuen, dass man es geschafft hat und ein so schönes Ei vor sich liegen hat“, sagt sie zufrieden. Jedes Jahr sei es für sie eine enorme Herausforderung, sich wieder an den Tisch in ihr Atelier zu setzen und rund drei Monate lang diszipliniert Eier zu bemalen. Fest davon überzeugt, ist Schierz allerdings davon, dass sich diese Mühe lohnt.Die detailverliebte Arbeit hat ihren Preis: Rund 28 Euro kostet zum Beispiel ein Hühnerei mit einem Karpfen, für das die Malerin rund drei Stunden braucht. Jedes Jahr verkauft Schierz ihre Eier auf dem Ostereiermarkt in Tönning, der in diesem Jahr am vergangenen Wochenende stattfand. Künstler und Kunsthandwerker aus ganz Deutschland stellen hier ihre Werke zum Verkauf aus. Die Ei-Techniken sind vielfältig: Neben Wachsmuster und Ölfarbe, werden hier auch gebatikte Eier und mit Acrylfarbe verzierte dargeboten. Schierz hat sich in diesem Jahr ein besonderes Motto ausgedacht: Sie hat Liebeseier mit leuchtend roten Herzen, Gänseblümchen und Vergissmeinnicht, kreiert. „Ich wollte was für die Liebe tun, damit die Menschen daran denken und diese mehr praktizieren“, sagt Schierz und lacht laut.

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erstellt am 19.Mär.2016 | 05:00 Uhr

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