Fernsehstar : Evelyn Hamann ist tot

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An der Seite von Loriot wurde sie berühmt, als Sekretärin Adelheid war sie eine der beliebtesten deutschen Seriendarstellerinnen: Die Schauspielerin Evelyn Hamann ist im Alter von 65 Jahren in der Nacht zum Montag nach kurzer schwerer Krankheit gestorben.

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29. Oktober 2007, 08:29 Uhr

Hamburg - Evelyn Hamann lebte zuletzt zurückgezogen in Hamburg. Über ihr Privatleben ist wenig bekannt. Sie war ein Mal verheiratet. Interviews gab sie kaum. Auch vor ihrem 65. Geburtstag am 6. August mied sie den Kontakt zur Öffentlichkeit. Altmeister Vicco von Bülow alias Loriot schwärmte noch vergangene Woche in Berlin von ihr: "Sie war tatsächlich fabelhaft."

Die berühmteste Szene mit Loriot und Hamann war der "Nudel-Sketch" im Restaurant: Als Fräulein Hildegard starrte Hamann gebannt und mit todernster Miene auf das Stück Pasta, das hartnäckig im Gesicht ihres Gegenübers klebte. Doch der achtete nicht auf ihre Hinweise und suchte stattdessen das intensive Gespräch mit ihr: "Bitte sagen Sie jetzt nichts, Hildegard."
"Ihr Markenzeichen war ihr hanseatisch-trockener Humor"
Im Fernsehen war Hamann in der populären ARD-Serie "Adelheid und ihre Mörder" zu sehen. In der Titelrolle als Sekretärin Adelheid spürte sie Mörder auf, die ihre Vorgesetzten nicht schnappen konnten. Die Serie startete 1993 und wurde im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks produziert. Sechs Staffeln wurden ausgestrahlt.
Betroffen reagierte die ARD auf die Nachricht von ihrem Tod. Programmdirektor Günter Struve erklärte: "Ihre Markenzeichen waren ihr hanseatisch-trockener Humor und ihr spröder Witz, mit dem sie in immer neuen Rollen ihr Publikum begeisterte." NDR-Intendant Jobst Plog sagte: "Sie war eine Darstellerin, die ihre Figuren mit größter Präzision und äußerst liebevoll gestaltet hat - und eine Kollegin, die trotz ihrer Bekanntheit nie viel Aufhebens um sich gemacht hat."
Auch Produktionsfirma bestürzt über Hamanns Tod
Die Geschäftsführung der neuen deutschen Filmgesellschaft (ndF), die die Serie "Adelheid und ihre Mörder" produziert hat, äußerte sich bestürzt über Hamanns Tod. "Der große Erfolg der Reihe war vor allem Frau Hamann mit ihrer unverwechselbaren Art und ihrem intensiven Spiel zu verdanken", hieß es in einer ndF-Erklärung. Im Mai 2006 sei die letzte Klappe gefallen. Danach habe die Künstlerin um eine Schaffenspause gebeten.
Evelyn Hamann stammte aus einer Hamburger Musikerfamilie. Der Vater Bernhard Hamann war Geiger, Konzertmeister des NDR- Sinfonieorchesters und Gründer des Hamann-Quartetts, die Mutter war Sängerin und Musikpädagogin. Nach der Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg begann Hamann ihre Karriere auf der Bühne. Sie übernahm kleinere Rollen am Hamburger Thalia Theater, ab 1968 wurde sie in Göttingen, Heidelberg und Bremen engagiert.
"Sie lernte ihr Handwerk in Hamburg" und erhielt viele Auszeichnungen
Der Hamburger Senat lobte das schauspielerische Talent der 65-Jährigen. "Unvergessen wird mir Evelyn Hamann als unerreichte Darstellerin an der Seite von Loriot bleiben. Es sind Sternstunden der deutschen Fernseh-Geschichte, die unvergänglich bleiben werden", teilte Bürgermeister Ole von Beust (CDU) am Montag mit. "Bei Millionen von Fans war sie äußerst beliebt und galt als einzigartige Frau, die weit über ihre Rollen hinaus als ebenso sensible wie starke Persönlichkeit wahrgenommen wurde", schrieb Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos). "Als Schauspielerin, die ihr Handwerk in Hamburg erlernte und am Thalia Theater ihre Karriere mit ersten Rollen begann, zeichnete sie eine bewundernswerte Perfektion, Gestik und Mimik aus, die sie als Künstlerin unverwechselbar erscheinen ließ", ergänzte die Senatorin.
Vicco von Bülow alias Loriot (83) sprach in der Aufzeichnung der ARD-Talkshow Beckmann seine Filmpartnerin direkt an: "Liebe Evelyn, Dein Timing war immer perfekt, nur heute hast Du die Reihenfolge nicht eingehalten." Mit der Hamann habe er "eine treue Partnerin - und wir alle eine wunderbare Schauspielerin verloren, der es immer gelang, die heiklen Seiten des Lebens durch Komik zu überwinden".
Evelyn Hamann wurde für ihre Leistungen mehrfach ausgezeichnet. Allein die Goldene Kamera der Illustrierten "Hörzu" erhielt sie drei Mal im Zehn-Jahres-Rhythmus: 1977, 1987 und 1997. Außerdem ehrte sie RTL 1997 mit dem Goldenen Löwen. Im gleichen Jahr bekam Hamann den Bayerischen Fernsehpreis als beste Seriendarstellerin - in "Adelheid und ihre Mörder".

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