"Es ist irgendwie romantisch"

Der Herr der Bäume: Jörg Brinckmann ...
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Der Herr der Bäume: Jörg Brinckmann ...

Für einige Stormarner gehört das Sägen des eigenen Weihnachtsbaumes tradtionell zum Fest dazu /Zu Besuch auf Gut Schönau

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10. Dezember 2011, 09:31 Uhr

Reinbek | Geschafft. Etwa eine Stunde haben Monika und Jürgen Schwarz suchend zwischen den Tannen verbracht. Der Aufwand hat sich aber gelohnt: Das Ehepaar hat einen schönen Weihnachtsbaum gefunden. Nicht nur das. Die Neuschönningstedter haben selbst Hand angelegt und ihn gefällt - oder besser gesagt: gesägt. Seit vielen Jahren schon sind Monika und Jürgen Schwarz Stammgäste auf dem Gut Schönau. Alle Jahre wieder kommen sie nach Reinbek, um sich eines der wichtigsten Utensilien des Festes zu sichern. Aber warum nicht einfach zum nächsten Händler und dort eine bereits geschlagene Tanne kaufen? "Das macht Spaß, den Baum selbst abzusägen. Wir mögen das einfach gerne", sagt der 70-jährige Jürgen Schwarz. "Und es ist irgendwie romantisch", fügt Ehefrau Monika hinzu. Früher kamen sie mit ihren Kindern - ein wahres Ereignis war das. Die Tradition wollen sie zu zweit beibehalten.

So wie Familie Schwarz ginge es vielen, meint Jörg Brinckmann. Er verwaltet den landwirtschaftlichen Betrieb des Gutes und somit auch das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen. "Das Sägen ist ein Event für die Leute", sagt er. Auf etwa 40 Hektar, umgerechnet 56 Fußballfeldern, wachsen mehr als 150 000 Bäume in die Höhe. Dabei handelt es sich ausschließlich um Nordmanntannen. Denn: "Sie nadeln nicht und harzen wenig", so Experte Brinckmann. Genau richtig also für das Weihnachtsfest.

Aber nicht alle Christbäume auf dem Gut sind schon "reif" fürs Fest. Jeweils sieben bis neun Jahre wachsen sie auf dem Areal, bevor sie groß genug für den Verkauf sind. Also wird nur ein Teil der Tannen zum Sägen freigegeben. Schließlich müssen die Bäume hoch genug sein, um den Vorstellungen der Kundschaft zu entsprechen: 1,80 bis 2,20 Meter sind die üblichen Maße. Manche mögen sie ausladend, andere favorisieren lichte und schmale Bäume. Etwa 2500 Tannen werden auf dem Gut in der Regel in der Vorweihnachtszeit von Privatkunden gesägt, viele weitere gehen an Wiederverkäufer.

Anders als seine Kundschaft muss sich Brinckmann das ganze Jahr Gedanken um die Tausenden von Nordmanntannen machen. Einmal im Jahr wird gedüngt, um den Pflanzenschutz kümmert er sich von Mai bis August.

Auch das Ehepaar Schweizer aus Steinbek ist sehr zufrieden mit ihrer Tannenwahl. "Das ist der schönste Baum, den wir seit Jahren haben", meint Doris Schweizer, als sie mit Ehemann Jürgen die kurz zuvor gesägte Tanne Richtung Verkaufsstand trägt. Ihr geht es vor allem um die Frische und die Gewissheit, dass der Baum mit der Region verwurzelt ist - im wahrsten Sinne. Die Augen der Schweizers sind geschult. Denn seit 20 Jahren schlagen oder sägen sie ihren Christbaum selbst. Auch ihre Ausstattung ist klug gewählt: Stiefel sind das A und O, gerade wenn der Boden nass und matschig ist. Jürgen Schweizer trägt sogar einen winterfesten Blaumann. Noch entscheidender für das Gelingen der Mission eigener Baum ist aber natürlich die Säge. Besucher bringen sie von zu Hause mit oder, wie die beiden Steinbeker, leihen sich eine vor Ort aus.

Den großen Ansturm erwartet Jörg Brinckmann erfahrungsgemäß am dritten und vierten Adventswochenende. "Natürlich ist das Interesse auch von der Witterung abhängig", sagt er. Viel Regen, wie in den vergangenen Wochen, locke weniger Besucher an, als wenn Schnee und leichter Frost dem vorweihnachtlichen Erlebnis noch mehr Atmosphäre verleihen. Ein bestimmtes Klientel bediene man nicht, meint der 31-jährige Brinckmann. "Von Jung bis Alt", sei alles dabei. Und alle Gäste haben letztlich das gleiche Ziel: ein besinnliches Weihnachtsfest unter dem selbst gesägten Baum verbringen.

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