"Erster Rotwein schon 2003"

Dörte und Martin Haß präsentieren eine Flasche ihres Rotweins, Jahrgang 2009. Foto: Schröder
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Dörte und Martin Haß präsentieren eine Flasche ihres Rotweins, Jahrgang 2009. Foto: Schröder

Rentner Martin Haß aus Krummsee ist den professionellen Winzern in Schleswig-Holstein um einige Jahre voraus

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29. Dezember 2011, 08:31 Uhr

Krummsee | Als in diesem Jahr der erste in Schleswig-Holstein angebaute Wein in den Handel ging, musste Martin Haß aus Krummsee doch ein wenig schmunzeln. Wein aus Schleswig-Holstein? Für ihn ist das längst keine Neuigkeit mehr: "Im Jahr 2000 haben wir schon Weinreben gehabt", erinnert sich der 70-jährige Rentner. Seit 2003 stehen hinter seinem Haus in der Waldstraße 40 Rebstöcke der Rotwein-Sorte "Muscat Bleu". 2003 war auch das Jahr, in dem er seinen ersten Rotwein gekeltert hat.

Die Bedingungen für erfolgreichen Weinanbau auf seinem Grundstück sind nicht schlecht. Sieht Haß aus dem Fenster seiner Wohnstube, fällt der Blick des gelernten Fliesenlegers auf einen Südhang, der für den Weinanbau wie geschaffen ist. Dort stehen seine 40 Rotwein-Rebstöcke, an einer Mauer auf seinem Grundstück hat er auch noch etwas Weißwein der Sorte "Phönix".

Verwandtschaftliche Beziehungen in die Pfalz brachten Martin Haß und seine Frau Dörte eines Tages auf die Idee, es zu Hause auch einmal mit dem Weinanbau zu versuchen. Der inzwischen verstorbene Cousin von Martin Haß lebte in Grünstadt, gelegen an der Deutschen Weinstraße im Norden der Pfalz. "Als der Cousin in einer Winzergenossenschaft von unserer Idee erzählte, wollten die sich totlachen", erinnert sich Dörte Haß, und gesteht: "Ich wusste gar nicht, was ein Wingert (Weinberg) ist."

Doch das Ehepaar ließ sich nicht beirren. Von einer pfälzischen Rebschule ließen sie sich Reben kommen und legten los. Das nötige Wissen eignete sich Martin Haß in Eigenregie aus einem Fachbuch an. Er kaufte sich eine Presse und andere Gerätschaften, gekeltert wird in der Waschküche. 65 Liter Wein erntete Martin Haß 2006, überwiegend Rotwein. Angesichts der geringen Menge kann es sich das Ehepaar leisten, bei der Lese auf Qualität zu achten - faule Trauben werden sofort aussortiert. "Ich darf mich nicht davor ekeln, es muss sauber sein", sagt Dörte Haß über die Verarbeitung des Weins und ihr Mann fügt hinzu: "Ich kann mir teuren Wein, der mir schmeckt, nicht leisten, deshalb habe ich damit angefangen." Haß ist auch davon überzeugt, dass sich maßvoller Weingenuss positiv auf die Gesundheit auswirkt.

Ein Spitzenjahrgang war 2006. Da erreichte das Mostgewicht des Muscat Bleu immerhin 78 Grad Oechsle - was den Rotwein zu einem Qualitätswein mit Prädikat stempelt. "Leider habe ich von dem Rotwein nur noch ganz wenige Flaschen", bedauert Martin Haß. Bevor er wieder ernten kann, hat er erst einmal viel Arbeit vor sich. Krankheitsbedingt konnte er sich in diesem Jahr nicht um den Wein kümmern. Nun gab es ohnehin zu wenig Sonne, doch bei der Pflege der Rebstöcke gilt es einiges nachzuholen. "Jetzt muss ich sie neu aufbauen und verliere zwei Jahre", sagt Haß. Wenig Probleme hätten ihm dagegen die strengen Winter der beiden vergangenen Jahre gemacht. "Die Spitzen sind verfroren, aber sonst nichts", berichtet der Hobby-Weinbauer.

Auf dem Trockenen wird das Ehepaar aber so schnell nicht sitzen. Noch lagern bei ihm zu Hause etwa 25 Liter Rotwein aus dem Jahr 2009. Ob die beiden den Wein selbst trinken, ist allerdings noch nicht ausgemacht. Martin Haß träumt davon, den Vorrat als Basis für ein kleines Weinfest in Krummsee zu nutzen.

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