Erst entschuldigt, dann Rechtsmittel eingelegt

Fordert längere Verjährungsfristen bei Missbrauch: Michael Lehmann protestiert vor dem Husumer Amtsgericht. Foto: hn
Fordert längere Verjährungsfristen bei Missbrauch: Michael Lehmann protestiert vor dem Husumer Amtsgericht. Foto: hn

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29. Dezember 2011, 08:34 Uhr

Nordfriesland | "Es reicht nicht, sich mit einem Satz aus der Affäre zu ziehen. Das ist zu wenig." Die Worte der Richterin am Amtsgericht Husum waren deutlich. Doch bis zur Pause der Verhandlung wegen Missbrauchs blieb der Verteidiger des angeklagten Gastronomen bei der knappen Aussage: Sein Klient räume alle Vorwürfe vollständig ein. Er bezog sich damit auf zwei Taten zwischen 1991 und 1993 an der damals neun bis elf Jahre alten Stieftochter des Angeklagten. Sein Hinweis, dass nur diese Taten verhandelt würden und nicht die vielen Handlungen nach dem 14. Lebensjahr der heute 29-Jährigen, überzeugten das Schöffen-Gericht nicht. Und so wurde der 53-Jährige zu 18 Monaten auf Bewährung und einer Schadenswiedergutmachung in Höhe von 12 000 Euro verurteilt. Er hat die Kosten des Verfahrens und der Nebenklage zu tragen und muss mit einem Bewährungshelfer arbeiten.

Erst nach der Pause, als die junge Frau schon ihre schlimmen und folgenreichen Erlebnisse hatte schildern müssen, die Lebensgefährtin von ihr befragt worden war und auch die frühere Lehrerin den Zeugenstand bereits verlassen hatte, hatte der Mann ein Einsehen und entschuldigte sich beim Opfer: "Tut mir leid, dass wollte ich nicht." Eine Aussage, die dem Opfer sehr wichtig war, wie der Staatsanwalt in seinem Plädoyer ausführte: "Die Entschuldigung nimmt der jungen Frau den Druck, sich weiter schuldig zu fühlen." Verbunden mit der Hoffnung, den nächsten Schritt auf dem langen Weg zur Genesung machen zu können. Eine Woche nach Urteilsspruch hat der Täter beim Landgericht Flensburg Rechtsmittel eingelegt. Der Termin ist für die dritte Januarwoche vorgesehen.

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