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Flugzeugunglück : Ermittler: Germanwings-Opfer konnten von normalem Sinkflug ausgehen

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Fragen zum Unglücksflug 4U9525 werden wohl immer bleiben. Für einige Angehörige wohl etwas beruhigend: Die Passagiere konnten laut den französischen Ermittlern vor der Katastrophe von einem normalen Sinkflug ausgehen.

Was geschah während des Germanwings-Flugs in den Tod? Die französische Untersuchungsbehörde BEA hat auf 124 Seiten zahlreiche Details zusammengetragen. Sie wirft Fragen auf, gibt Empfehlungen an Flugaufsicht und zuständige Länder. Angehörige der 150 Opfer informierte die BEA bereits einen Tag vor Veröffentlichung des Abschlussberichtes am Sonntag. In Bonn und Barcelona - schließlich kamen die meisten Opfer aus Deutschland und Spanien.

Bei dem Absturz im März 2015 starben alle 150 Passagiere. Der Co-Pilot, der das Unglück herbeiführte, war nach Erkenntnissen der Ermittler psychisch krank und hatte mehrere Ärzte aufgesucht. Seitdem wird über Ausnahmen von der ärztlichen Schweigepflicht und weitere Maßnahmen diskutiert.

Für viele Familien und Bekannte bleiben auch nach dem Bericht wichtige Fragen offen. Ein Verwandter formuliert am Wochenende den für ihn entscheidenden Punkt so: „Wie kann ein Mensch mit schweren Depressionen als Berufspilot tätig werden?“

Andere Angehörige berichten auch von Aussagen, die für sie „beruhigend“ gewirkt hätten: Der Autopilot war nach den Erkenntnissen so eingestellt, „dass die Passagiere das als normalen Sinkflug empfinden mussten“. Copilot Andreas Lubitz (27), bei dem die BEA von einem Suizid mit „bewusster und geplanter Handlung“ ausgeht, hatte den Autopiloten auf Crashkurs gebracht, nachdem der ohne den Piloten allein im Cockpit war.

Möglicherweise hat der überwiegende Teil der Flugpassagiere also nicht oder zunächst nicht mitbekommen, welches Drama sich im vordersten Teil des Airbus A320 abspielte. Ein weiteres Indiz dafür wird von Verwandten genannt: „Das fünfmalige, heftige Klopfen an die Cockpittür kam nicht von der Bordaxt.“ Es ist also gut möglich, dass die Geräusche in den Sitzreihen gar nicht oder nicht sehr laut zu hören. Zudem habe der Kapitän auch nicht in Richtung des Copiloten geschrien, berichteten Betroffene aus den Gesprächen mit der BEA.

Copilot Lubitz war zum Zeitpunkt der Katastrophe krankgeschrieben und stand unter Medikamenteneinfluss. Ein Allgemeinmediziner hatte sogar eine mögliche Psychose diagnostiziert und ihn in eine psychiatrische Klinik überwiesen, so steht es im Abschlussbericht. Doch nicht alle Krankmeldungen kamen beim Arbeitgeber an.

Was für Verwandte nach eigenen Angaben besonders schwer wiegt: „Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, die eingingen, wurden nicht an den flugmedizinischen Dienst der Lufthansa weitergeleitet.“ Damit habe es keine Möglichkeiten für Fragen nach dem Grund gegeben. „Hier scheint ein Systemfehler bei Germanwings vorzuliegen“, folgern Opfer-Angehörige, die ungenannt bleiben wollen.

Die BEA hatte als Termin für die Präsentation ihres abschließenden Berichts den Tag nach der Information für die Angehörigen gewählt.

Behördenchef Rémi Jouty trat vor den Journalisten internationaler Medien gewohnt zurückhaltend auf. Gemeinsam mit Arnaud Desjardin, der die Untersuchungen zum Germanwings-Absturz bei der BEA leitete, gab Jouty knapp 90 Minuten lang einen Einblick in die wichtigsten Erkentnisse nach dem Absturz.

Und formulierte Forderungen: So fordert die BEA jetzt routinemäßige Überprüfungen bei Ausfällen von Piloten und klare Regeln für die ärztliche Schweigepflicht. Die sei in vielen Ländern sehr unterschiedlich geregelt, heißt es bei der BEA. Die Behörde betonte am Sonntag erneut, sie gebe nur Empfehlungen ab - für juristische Fragen oder gar Schadenersatzregelungen ist die BEA nicht zuständig.

Ihre Hinweise schickten die Franzosen direkt an die in Europa entscheidenden Stellen: an die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) und die EU-Mitgliedsstaaten.

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erstellt am 13.Mär.2016 | 14:32 Uhr

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