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19. Oktober 2017 | 20:33 Uhr

„Enttäuscht bin ich auf jeden Fall“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Fußball-Verbandsliga: Ex-VfR-Spieler Daniel Michalowski steckt mit Neuling FC Torpedo tief im Abstiegssumpf / Vater Thomas ist gleichzeitig sein Trainer

Im vergangenen Sommer kehrte der FC Torpedo 76 nach 19 Jahren in eine Spielklasse oberhalb der Kreisebene zurück. 1995 waren die Neumünsteraner nach einem einjährigen Kult-Intermezzo in der Eiderstaffel wieder abgestiegen. Der Aufstieg der „Taubenträger“ in die Fußball-Verbandsliga Süd-West war eine kleine Sensation, schließlich hatte vor Beginn der Spielzeit 2013/14 wohl niemand damit gerechnet. Eher zu erwarten war es, dass der amtierende Vizemeister der Kreisliga Neumünster in der laufenden Spielzeit um den Verbleib in der Sechstklassigkeit bangen muss. Und so ist es. Torpedo überwinterte mit der schmalen Punktausbeute von nur neun Zählern aus 17 Partien auf dem 15. und somit vorletzten Rang.

Daran konnte auch der im Sommer vom Regionalligisten VfR Neumünster gekommene Daniel Michalowski nichts ändern. Der 23-jährige Mittelfeld-Allrounder, in seinen 24 Regionalligaspielen auch häufig als Linksverteidiger aufgeboten, lernte das Fußballspielen in der Jugend bei der SG Padenstedt von seinem Vater und jetzigen Trainer bei Torpedo, Thomas Michalowski. Der Courier unterhielt sich kurz vor dem Restrundenauftakt gegen den VfR Horst (Sonntag, 15 Uhr) mit dem Immobilienkaufmann.

Es war vor der Saison sicher zu erwarten, dass Ihr Team gegen den Abstieg kämpfen würde. Sind Sie dennoch enttäuscht vom Verlauf der Hinrunde und der Ausbeute?

Michalowski: Enttäuscht bin ich auf jeden Fall. Ich habe mir zu Beginn der Saison, als auch die Trainingsbeteiligung und die Personalsituation besser waren, mehr erwartet. Es war auch mehr drin für uns.

Was fehlte Torpedo in der Hinrunde, um in der Verbandsliga richtig Fuß zu fassen?

Uns fehlten die nötige Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit. Wir haben viele Punkte unnötig liegen gelassen. Einigen in unserer Mannschaft fehlt auch die richtige Einstellung. Vor dem Aufstieg wurde das Team gefragt, ob es aufsteigen will. Das wurde bejaht. Einigen war offenbar nicht bewusst, dass man für die Verbandsliga auch mehr tun muss.

Haben die schweren Verletzungen von Torwart Christoph Rasch und Kapitän Fred Borgert eine Rolle gespielt?

Die Verletzung von Rasch ist im Spiel passiert, und das haben wir alle direkt mitbekommen. Das war schon heftig, und auch ich hatte einen Schock. Das hat sicher viele belastet. Den Verkehrsunfall von Borgert haben wir nach außen hin heruntergespielt. Eigentlich war das Ganze doch schlimmer, denn es sind praktisch alle mit ihm befreundet und kennen ihn schon lange. Er fehlt natürlich als Kreativspieler und Kapitän. Doch das alles würde ich nicht als Ausrede für das bisherige sportliche Abschneiden nehmen wollen.

Gibt es dennoch Grund zur Hoffnung, dass es in der Restrunde besser laufen wird?

Hoffnung gibt es immer. Natürlich wird es schwierig, weil unser Kader mittlerweile sehr klein ist und andere Teams in der Breite besser besetzt sind. Man kann nur über den Kampf bestehen. Aber dann ist das auch machbar, denn so stark ist die Verbandsliga nicht.

Also halten Sie den Klassenerhalt für realistisch?

Ich glaube nicht, dass wir absteigen. Wenn wir alle Gas geben, sind wir nicht so schlecht. Wir werden unsere Punkte holen. Vor allem in den Derbys ist viel drin.

War Ihr Vater der Hauptgrund für den Wechsel zu Torpedo?

Ja. Aber unter den Spielern und im Umfeld befinden sich viele Freunde von mir. Ich wollte der Mannschaft weiterhelfen.

Wie ist es, den eigenen Vater zum Trainer zu haben?

Mal Fluch, mal Segen. Er geht mit mir natürlich etwas anders um als mit dem Rest. Schon in der Jugend sind wir das eine oder andere Mal aneinander geraten. Aber wir tauschen uns auch viel aus und, ich freue mich über dieses gemeinsame Jahr.

Können Sie verstehen, weshalb er im Sommer bei Torpedo Schluss machen wird?

Ja, seine Gründe sind absolut verständlich. Ich glaube aber weniger, dass es zu kumpelhaft ist, wie er kundtat. Vielmehr liegt es an der Einstellung und dem Charakter einiger Spieler, die ihn etwa durch Absagen enttäuschen.

Sie hatten im Winter die Möglichkeit, zum VfR zurückzukehren. Wie kam der Kontakt nach nur einem halben Jahr zu Stande, und warum haben Sie abgesagt?

Ich kenne die Verantwortlichen vom VfR ja ganz gut. Und als wir an einem Tisch saßen, uns unterhielten und ich sagte, dass ich bei Torpedo nicht ganz so zufrieden bin, hieß es, die Tür stehe mir beim VfR offen. Doch ich habe Gadeland damals (im Januar 2012, Anm. d. Red.) im Winter verlassen und dafür viel Kritik bekommen, weil Gadeland ebenfalls im Abstiegskampf steckte. Ich bin aus Loyalität zu Torpedo nicht zum VfR zurückgegangen, obwohl ich gerne noch ein halbes Jahr Regionalliga gespielt hätte.

Stattdessen wechseln Sie im Sommer zum PSV. Was gab den Ausschlag dafür?

Ich stehe schon lange mit dem PSV in gutem Kontakt und kenne viele Spieler. Dort wird für die Verhältnisse in der SH-Liga in vielerlei Hinsicht sehr professionell gearbeitet. Mit Danilo Blank kommt im Sommer zudem ein guter Trainer.

 

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