Zweiter Verhandlungstag in Köln : Einsturz des Stadtarchivs: Zwei angeklagte Bauleiter beantworten technische Fragen

Wo am 3. März 2009 das Kölner Stadtarchiv einstürzte, ist heute immer noch eine Baustelle.
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Wo am 3. März 2009 das Kölner Stadtarchiv einstürzte, ist heute immer noch eine Baustelle.

Die Angeklagten erklären das Vorgehen beim U-Bahn-Bau. Die Tunnelarbeiten sollen zum Unglück geführt haben.

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19. Januar 2018, 15:35 Uhr

Köln | Im Prozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs haben zwei angeklagte Bauleiter Fragen zur Konstruktion der früheren U-Bahn-Baustelle vor dem Archivgebäude beantwortet. „Die meisten von uns hatten ja noch nie mit so einer Materie zu tun“, sagte der Vorsitzende Richter am Kölner Landgericht am Freitag, dem zweiten Verhandlungstag. Der komplizierte Bau eines U-Bahn-Tunnels ist auch für die Richter ein Fremdgebiet.

Am Montag waren die Verhandlungen gestartet. Fehler bei den Bauarbeiten sollen laut Anklage dazu geführt haben, dass das größte deutsche Kommunalarchiv und zwei Nachbarhäuser am 3. März 2009 zusammenbrachen. Zwei Anwohner kamen ums Leben, es entstand ein Milliardenschaden.

 

Unmittelbar vor dem Archiv sollte in fast 30 Metern Tiefe ein sogenanntes Gleiswechselbauwerk entstehen – ein riesiger unterirdischer Raum, in dem die Bahnen die Röhren wechseln können. „Das ist aus fachlicher Sicht nichts Waghalsiges, aber durchaus anspruchsvoll“, sagte einer der Bauleiter, ein 54 Jahre alter Ingenieur. Es sei von oben nach unten gebaut worden – also zunächst eine dicke Decke und dann der Aushub darunter. So habe die Straße während der unterirdischen Arbeiten weiter befahren werden können.

Bei derart tiefen Ausschachtungen gebe es immer das Problem, dass Grundwasser mit großem Druck gegen die Grube drücke, schilderte der damalige Bauleiter für Spezialtiefbau, ein 48-Jähriger aus Oberhausen. Deshalb sei die Grube seitlich durch sogenannte Schlitzwände gesichert worden. Zudem wurden Brunnen angelegt, um von unten eindringendes Wasser abzupumpen. Von der Alternative – dem Einbau einer Bodensohle – habe die Stadt damals wahrscheinlich aus Kostengründen abgesehen, meinte der 48-Jährige.

Insgesamt sind fünf Mitarbeiter von Baufirmen und den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung angeklagt. Die beiden Bauleiter, die die Vorwürfe bestreiten, sollen die Arbeiten nicht ausreichend kontrolliert und deshalb die Bau-Fehler nicht bemerkt haben.

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