Interview : "Eine Rundum-Sicherung gibt es nicht"

Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf
Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf

Im Zuge des Dioxin-Skandals rufe Verbraucher nach strengeren Kontrollen. Doch Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf sagt, dass sich vorsätzliches Handeln auch dann nicht verhindern lasse.

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06. Januar 2011, 07:24 Uhr

Immer wieder schaden Skandale der Lebensmittelindustrie, aber in erster Linie dem Image der Landwirtschaft. Kann das wiederhergestellt werden?
Durch den aktuellen Fall wird aus hiesiger Sicht das Image der Landwirtschaft nicht geschädigt, da hinreichende Informationen darüber vorliegen, dass die Landwirte nicht Verursacher des Problems sind. Durch die Medien erfolgt eine starke Beeinflussung des Ver braucherverhaltens, daher ist eine objektive Berichterstattung mir besonders wichtig.
Mit welchen Mitteln kann der Kontrollweg absolut sicher gemacht werden, um die Verbraucher vor Dioxin, Gammelfleisch oder weiteren künftigen Skandalen zu schützen?
Grundsätzlich haben als erstes die Futtermittel- und Lebensmittelunternehmer die Verpflichtung, unter anderem mit Eigenkontrollen dafür Sorge zu tragen, dass die Erzeugnisse den rechtlichen Anforderungen entsprechen und sicher sind. Auch eine stärkere amtliche Überwachung der Eigenkontrollen wird vorsätzliches Handeln kaum verhindern können. Eine absolute Sicherheit wird daher auch bei deutlicher Erhöhung der Kontrolldichte leider nicht zu erzielen sein.
Die Politik reagiert immer nur partiell auf den gerade aktuellen Skandal. Die Menschen verlangen eine Rundum-Sicherung, die zur Not über den Preis zu regeln ist.
Die Politik beschäftigt sich laufend mit der Optimierung der Lebensmittel- und Futtermittelüberwachung; diese Tätigkeit wird in der Öffentlichkeit nicht im selben Umfang wahrgenommen, wie es dann bei aktuellen Geschehen der Fall ist. Im Laufe der letzten zwei Jahre wurde zum Beispiel eine risikobasierte Probenahme erarbeitet und die Grundlage dafür geschaffen, dass alle Lebensmittelüberwachungs behörden in Schleswig-Holstein eine auf einheitlichen Kriterien basierende Risikobewertung der Betriebe durchführen, an der sich die Kontrollhäufigkeit ausrichtet. Eine Rundum-Sicherung ist wie gesagt gar nicht möglich.

Glauben Sie, dass eine drastische Erhöhung von Strafmaßen helfen könnte gegen offenbar gut organisierte, kriminelle und verkommene Machenschaften anzugehen?

Entscheidend ist die Ausschöpfung des vorhandenen Strafmaßes in Verbindung mit einer Gewinnabschöpfung.

Es gibt Stimmen, die behaupten, dass das Gewinnstreben der Futtermittelwirtschaft die Zulieferer zu immer waghalsigeren Panschereien motiviert. Trifft das zu, oder ist das eine Schutzbehauptung mafiöser Strukturen?

Durch die Verbraucher, die verstärkt nach preiswerten Lebensmitteln greifen, wird der durch die Handelsketten auf die Landwirtschaft und deren vor- und nachgelagerte Bereiche ausgeübte Druck kostengünstig zu produzieren immer größer. Dass dadurch waghalsige Panschereien entstehen, ist ein Vorwurf, der möglicherweise für Einzelfälle zutrifft, jedoch sicher nicht für die gesamte Wirtschaft.

Bei allem, was dem Verbraucher schon zugemutet wurde, ist zu erwarten, dass der aktuelle Fall nur die Spitze des Eisberges ist. Wie geht es jetzt weiter?

Grundsätzlich zeigen die Ergebnisse unserer Lebens- und Futtermitteluntersuchungen, dass wir in unserem Land Produkte von höchster Qualität erzeugen. Auch der vorliegende Fall zeigt, dass Verstöße eingrenzbar sind und es sich wirklich nur um Einzelfälle handelt. Dennoch werden wir aufgrund des aktuellen Problems eine genaue Schwachstellenanalyse vornehmen, um das bestehende Kontrollsystem weiter zu optimieren.

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