Ein ganz großes Herz für Tiere

Das Bennett-Känguru 'CJ' lässt sich das von Gitta und Hannes Grünberg gereichte Futter schmecken. Foto: Bandixen
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Das Bennett-Känguru "CJ" lässt sich das von Gitta und Hannes Grünberg gereichte Futter schmecken. Foto: Bandixen

Bauchstreifenhörnchen, Sumpfbiber oder Känguru - Gitta und Hannes Grünberg leben für ihre kleine "Farm" in Drelsdorf

shz.de von
24. Dezember 2011, 07:55 Uhr

Drelsdorf | Weihnachten unter Palmen am Südsee-Strand? Für Gitta und Hannes Grünberg aus Drelsdorf undenkbar. Sie haben ihr eigenes, kleines Paradies und gehen darin völlig auf. Idyllisch am Ortsrand gelegen, mit Blick ins Grüne - und auf ihre vielen, vielen Tiere.

Bei der Geburt Christi vor über 2000 Jahren hatten Ochs und Esel das Jesuskind mit ihrem Atem warm gehalten. Einen Ochsen könnten heute die Grünbergs dem Christkind zwar nicht bieten, dafür aber jede Menge anderer Vierbeiner: zwei Esel, fünf Ponys und ein Pferd, aber auch sieben Lamas, zwei Alpakas, drei Nandus und vier Kängurus, außerdem 27 Schafe, 22 Ziegen, fünf Waschbären, 18 Katzen und 40 Meerschweinchen.

Im Laufe der vergangenen neun Jahre hat sich das Ehepaar eine private Tierfarm aufgebaut. "Angefangen hat es mit einem Hund, zwei Katzen und zwei Chinchillas", erzählt Gitta Grünberg (43). "Eigentlich wollten wir dazu nur ein paar Hühner für frische Frühstückseier haben. Aber dann wurde es immer verrückter." Inzwischen tummeln sich mehr als 270 Tiere auf der Weide, in den Ställen, Gehegen und Volieren - Bodenständiges wie Gänse, Enten, Pfauen und Kaninchen ebenso wie Exotisches. Da lugen Richardsonziesel aus ihrer Deckung hervor, asiatische Streifenhörnchen turnen durchs Geäst, Präriehunde balgen sich. Auch zwei Stinktiere gehören zum Bestand, fünf Degus und vier Weißfußmäuse. Gitta Grünberg hat den gesamten Tierbestand im Kopf abgespeichert und zählt ihn so fix auf wie das Einmaleins. Es versteht sich von selbst, dass auch jeder Vierbeiner einen Namen hat und Gitta Grünberg sie damit anspricht.

Wer einmal die Chance hat, das Refugium besuchen zu dürfen, der staunt nur. Denn die gesamte Anlage mit ihren Stallungen und Gehegen ist so gepflegt wie andernorts der Vorgarten. "Ich brauch’ das immer ordentlich", sagt die Hausherrin. Und entsprechend hat sie auch Zug drauf. Ob Werktag oder Feiertag, jeden Morgen düst sie erst einmal mit dem Staubsauger durch das Haus, bevor sie nach draußen geht, um die Tiere zu versorgen. Duschen, Frühstücken, die Kinder zur Schule bringen, Essen kochen. Der Nachmittag gehört dann den Kindern Caya (11), Dana (15) und Denny (17). Der Älteste, Timon (24), steht schon auf eigenen Füßen. Am Spätnachmittag startet sie die zweite Runde durch die Tierbehausungen und zur Koppel. Die Schlussrunde gegen 22 Uhr übernimmt dann ihr Mann Hannes (48). Er ist gelernter Kfz-Mechaniker und arbeitet als Ausbilder im Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk in Husum. Als Sohn eines Landwirts - die junge Familie wohnt in seinem Elternhaus auf Drelsdorf-Morgenstern - ist er mit Tieren aufgewachsen. Ihn zieht es vor allem zu "großen" Tieren. Rennmaus, chinesisches Bauchstreifenhörnchen und Sumpfbiber sagt ihm weniger. "Da kümmert sich Gitta drum", lacht er. Seine große Liebe gehört vor allem den Lamas. Vor denen hatte aber seine Frau zunächst gehörige "Manschetten". Nichtsdestotrotz überraschte sie ihren Hannes zu Weihnachten mit einer Stute samt Fohlen - und ist inzwischen zum absoluten Lama-Fan geworden. "Die sind einfach so toll", schwärmt Gitta Grünberg. Und sie gesteht: "Ich muss der Züchterin Recht geben. Die hat mir nämlich prophezeit: ,Wenn Du einmal einem Lama tief in die Augen geschaut hast, hat Dich der Will-Haben-Bazillus gepackt."

Vergangene Weihnachten schenkte Hannes Grünberg seiner Frau zwei Alpakas, die aussehen wie Teddys. "Mein Traum wäre ja noch ein Greyface-Dartmoor-Schaf", so die 43-Jährige. Auch die haben ein Fell wie Plüsch. Aber - so stellt sie im gleichen Atemzug klar: "Alle Tiere hier sind mein Traum." Zur Hälfte sind es welche, die das Ehepaar ausgesucht hat, zur Hälfte welche, die Menschen aus verschiedenen Gründen nicht mehr halten konnten. "Wir sind aber kein Gnadenhof", ist es den beiden wichtig, klarzustellen.

Bei dem derzeitigen Tierbestand soll es eigentlich bleiben. "So, wie es jetzt ist, ist es für uns zu schaffen. Auch für mich allein, wenn Hannes nicht mithelfen kann", erzählt die Drelsdorferin. Schon für 2011 hatten sich die Eheleute vorgenommen, keine neuen Tiere mehr aufzunehmen. "Das hat aber irgendwie nicht geklappt", grinst Gitta Grünberg. Welch ein Glück für sie. Denn sonst wäre Yannis nicht da - ein zauberhafter Friese. Weil der Züchter Kleinwuchs bei ihm vermutete, hatte er überlegt, ihn einzuschläfern. Seit September tollt der inzwischen neun Monate alte Hengst auf der Koppel umher und freut sich sichtlich seines Lebens. "Er hat meine Seele ganz tief berührt", sagt Gitta Grünberg schlicht.

Wenn sie und ihr Mann heute, am Heiligabend, nach ihrem letzten Rundgang noch bei Yannis im Stall verweilen, sein Fell riechen, seinen Hals streicheln und ihm zusehen, wie er genüsslich sein Heu zermalmt, dann fällt der Alltagsstress ab und Stille kehrt ein. Dann - ja dann - beginnt für die Grünbergs Weihnachten.

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