Ein Dorfclub schmeißt den VfR raus

Wie ein alter Fuchs hält sich hier der in den Ligakader des VfR aufgerückte A-Jugendliche Paul Falk (li.) den Hartenholmer Christian Jaacks vom Leib. Der in diesem Zweikampf unterlegene Segeberger sollte später das Siegtor im Finale gegen den VfB Lübeck schießen.
Wie ein alter Fuchs hält sich hier der in den Ligakader des VfR aufgerückte A-Jugendliche Paul Falk (li.) den Hartenholmer Christian Jaacks vom Leib. Der in diesem Zweikampf unterlegene Segeberger sollte später das Siegtor im Finale gegen den VfB Lübeck schießen.

17. SHFV-Hallenmasters in Kiel: Sensationssieger Hartenholm blamiert auch Neumünsters Rasensportler / Ein Kramer allein reicht nicht

shz.de von
12. Januar 2015, 13:00 Uhr

Kein Sieg und dazu noch Gruppenschlusslicht: Auch im zwölften Anlauf hintereinander gelang es dem VfR nicht, an die einstige Erfolgsstory beim SHFV-Hallenmasters anzuknüpfen. Neumünsters Fußball-Regionalligist holte bei der 17. Auflage der Hallenlandesmeisterschaft zwar zumindest zwei Unentschieden, trug aber ansonsten nicht allzu viel zu einer unfassbar genialen Gänsehaut-Atmosphäre im Kieler Handballtempel bei. Dies gelang vielmehr dem krassen, ja vor dem Turnier als völlig chancenlos eingestuften SH-Ligisten TuS Hartenholm, der auf seinem Weg zum sensationellen Titelgewinn auch die Lila-Weißen eliminierte und spätestens im Finale gegen den Regionalligisten VfB Lübeck (2:1) nicht nur die 800 (!) mitgereisten eigenen Anhänger, sondern auch die restlichen 7800 Besucher in der ausverkauften Ostseehalle stimmgewaltig hinter sich wusste.

Als wegweisend für den VfR erwies sich das Auftaktspiel gegen Eutin 08. Christopher Kramer brachte die „Veilchen“ gegen den traditionsreichen SH-Ligisten in Führung, alles schien nach Plan zu laufen. Doch die von 700 Schlachtenbummlern begleiteten Ostholsteiner schlugen zurück, drehten durch Lasse Bork (nach leichtfertigem Ballverlust von Rasensport-Kapitän Patrick Nagel), Sebastian Witt und Tim Brunner den Spieß zum 3:1 um. „Das darf uns gegen einen Fünftligisten nicht passieren. Wir waren zu blauäugig“, stöhnte VfR-Trainer Uwe Erkenbrecher. Kramer, der beim Stand von 1:2 aus Sicht der Lila-Weißen nur die Unterkante des Quergestänges getroffen hatte, verkürzte noch auf 2:3 – das war’s. Zu allem Überfluss knickte Nagel in dieser Begegnung um und musste seinen Dienst in der Ostseehalle gleich nach der Auftaktpartie schon wieder quittieren.

Im Duell mit dem Ligarivalen und Titelverteidiger ETSV Weiche lief es zunächst nicht besser. Erneut leisteten sich die „Veilchen“ Patzer im Defensivverhalten, die der Kontrahent zu nutzen verstand: Marcel Cornils und Florian Meyer, mit fünf Treffern Torschützenkönig beim 17. Hallenmasters, sorgten für eine 2:0-Führung der Flensburger. Es sprach für den VfR, dass Kevin Ingreso und Kramer wenigstens noch zum 2:2 egalisierten und so das elende Zeitspiel der Flensburger bestraften, die zuvor immer wieder quer und zurück zu ihrem Torwart André Hagge gepasst hatten.

Die gute Moral der Lila-Weißen und die anderen Resultate (Hartenholm schlug Eutin mit 3:0, Weiche die Ostholsteiner gar mit 6:0) sorgten dafür, dass der VfR in der letzten Gruppenpartie noch aufs Halbfinale hoffen durfte. Ein knapper Pflichtsieg über Hartenholm hätte bereits gereicht, aber daraus wurde nichts. Tilo Quinting brachte den Außenseiter schnell in Führung (2.), immerhin glich Kramer aus (9.). Nun entwickelte sich ein Krimi, in dem Rasensport die Zeit weglief. Als dann auch noch Hartenholms Torwart Felix Rathjen nach einem Zweikampf mit Reio Laabus den sterbenden Schwan markierte und der Este im VfR-Dress für zwei Minuten vom Platz gestellt wurde, war die Entscheidung gefallen. „Diese Zeitstrafe war völlig überzogen“, urteilte Erkenbrecher. Der SH-Ligist spielte die letzten Sekunden clever herunter und pflasterte mit diesem Remis den Weg zum größten Erfolg in der Geschichte des Segeberger Dorfclubs. „Wir waren in dieser Begegnung klar überlegen, nur ein einziges Tor fehlte uns zum Weiterkommen. Dass dann am Ende Hartenholm das Turnier gewinnt, belegt doch nur, wie eng das Feld zusammenlag“, bilanzierte Erkenbrecher, der nach eigenem Bekunden „überhaupt nicht enttäuscht“ war. Der 60-Jährige konstatierte: „Wir können mit unserer Vorstellung leben. Dass wir in der Vorrunde ausgeschieden sind, ist kein Drama. Nur die Defensivleistung war nicht gut genug. Es hat sich gezeigt, dass wir keinen etatmäßigen Innenverteidiger dabei hatten. Wir haben nach Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung zu oft in Unterzahl agiert. Erfreulich war dagegen die gute Vorstellung unseres zweiten Torhüters Marc Aaron Kassler im Spiel gegen Hartenholm.“

Beim neutralen Beobachter entstand der Eindruck, dass es der VfR-Mannschaft in Kiel an echten Siegertypen fehlte. Ein (überragender) Kramer allein reichte nicht. Wenigstens kann die (kurze) Hallentournee der Lila-Weißen nun abgehakt werden, heute geht es mit dem ersten Training unter freiem Himmel richtig wieder los. Ihr erstes Testspiel im Jahr 2015 bestreiten die „Veilchen“ am kommenden Mittwoch um 19 Uhr in Norderstedt gegen die Bundesliga-A-Junioren (U 19) des Hamburger SV.


VfR Neumünster (Tore in Klammern): Kassler, Springer - Abou-Khalil, Alioua, Falk, Ingreso (1), Kramer (4), Laabus, Nagel, Pino Tellez, Tenno, Zekjiri.

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