Ein Begriff hat Hochkonjunktur

'Stresstest' ist zum Wort des Jahres gewählt worden. Foto: dpa
"Stresstest" ist zum Wort des Jahres gewählt worden. Foto: dpa

"Stresstest" ist das Wort des Jahres / "Sprachlich äußerst produktiv"

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17. Dezember 2011, 03:59 Uhr

Wiesbaden/Stuttgart | Stresstests für Atomkraftwerke, Stresstests für Banken, Stresstests für Schüler - ein Wort hat Hochkonjunktur. Nun hat es der aus zwei englischen Wörtern zusammengesetzte Begriff sogar geschafft, in Deutschland zum Wort des Jahres gekürt zu werden. Das Wort "Stresstest" sei "sprachlich äußerst produktiv", weil es auf immer neue Bereiche angewandt werde, sagt Prof. Armin Burkhardt, Vorsitzender der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden.

"Nicht nur Banken wurden auf ihre Belastbarkeit getestet, auch etwa das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg und deutsche Atomkraftwerke wurden Stresstests unterzogen", hieß es gestern in der offiziellen Mitteilung zum Wort des Jahres 2011. "Diese Praxis und somit das Wort erlangten dadurch politische, wirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Relevanz. So ist Stresstest mittlerweile als fester Bestandteil der Alltagssprache anzusehen."

Der einfache Begriff steht meist für komplizierte technische Vorgänge, die Laien kaum zu erklären sind. "Unter dem Wort ,Stresstest glaubt sich jeder etwas vorstellen zu können", hat Krück beobachtet. Im Fall der Banken bedeute es viel Rechnen, einen hohen Personalaufwand. "Im Prinzip ist das ein hochkomplexes, arbeitsintensives Thema."

Eigentlich stammt das Wort Stresstest aus der Medizin. Ärzte verstehen Stress als körperliche und/oder seelische Belastung. Ein Test soll ausloten, wie auf Stress reagiert wird und wie viel noch tolerabel ist. "Früher wurden Raucher und Diabetiker einem Stresstest ausgesetzt", sagt Doris Steffens vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. Sie datiert die Schöpfung des Begriffs in die 90er Jahre. Der Stresstest sei mit der Schlichtung zum umstrittenen Bahnprojekt Stuttgart 21 in den normalen Sprachgebrauch eingegangen.

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