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Rund 1000 Verdächtige : DNA-Test 31 Jahre nach Raubmord in Schleswig

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Vom 7. bis zum 9. Juni nimmt die Polizei in Schleswig freiwillige DNA-Proben von rund 1000 Männern. Damit soll ein Mord an einer Rentnerin aus dem Jahr 1982 aufgeklärt werden.

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2013 | 15:09 Uhr

Schleswig | Der Fall ist seit 31 Jahren ungelöst. Am 30. Juni 1982 wurde im Friedrichsberg die 73-jährige Erna Ganz getötet. Ein halbes Jahr später hatte die Polizei noch immer "nicht einmal eine lauwarme Spur", wie einer der ermittelnden Beamten damals gegenüber den Schleswiger Nachrichten sagte. Jetzt hat sich die Mordkommission die Akten noch einmal vorgenommen - und sich zu einem Aufsehen erregenden Schritt entschlossen: einen Massen-Gentest. Rund 1000 Männer, die als Täter in Frage kommen, werden in den nächsten Tagen einen Brief in der Post finden mit der Bitte, am kommenden Wochenende freiwillig eine DNA-Probe in der Bugenhagenschule abzugeben. Das teilte die Polizei am Sonntag mit. Die Einzelheiten sollen am Mittwoch auf einer Pressekonferenz bekanntgegeben werden.

Die alte Dame fiel damals offenbar einem Sexualmord zum Opfer. Die Polizei ging anschließend hunderten von Hinweisen nach - ohne Erfolg. Aufgrund der Spurenlage gingen die Beamten bald davon aus, dass es sich um zwei sehr junge Täter gehandelt haben muss, und zwar - wie es in einem Bericht der Schleswiger Nachrichten hieß - "jünger als Soldaten". Das schlossen die Beamten aus der Obduktion und aus der Rekonstruktion des Tathergangs. Der Sohn der Getöteten hatte seine Mutter in ihrer Wohnung in der Friedrichstraße tot aufgefunden. Ihre wertvolle Münzsammlung und drei Armbanduhren waren verschwunden.

Die Kripo sprach von einem "Zufallsmord". Die Täter hätten vermutlich an der Wohnungstür der vertrauensseligen und zurückgezogen lebenden Frau geklingelt. Wahrscheinlich sei Erna Ganz geschlagen worden und unglücklich gefallen. Erst dann seien die Täter auf die Idee gekommen, die Seniorin zu vergewaltigen. Dabei hätten sie sie mit einem Kissen erstickt und seien durch ein Fenster geflüchtet.

Der Mord geschah an einem Mittwochabend zwischen 18 und 23 Uhr. Die Friedrichstraße war damals eine belebtere Einkaufsstraße als heute. Erna Ganz wohnte in Sichtweite der Bugenhagenschule im Haus neben dem Friseursalon Freiberg im Erdgeschoss. Direkt gegenüber befand sich schon damals die Bäckerei Jaich. Die Polizei setzte vergeblich 3000 Mark Belohnung für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, aus.

Der noch heute tätige Friedrichsberger Pastor Norbert Wilckens hielt damals die Predigt auf der Trauerfeier. "Ich kannte die Frau persönlich nicht, sie war erst vor relativ kurzer Zeit hierher gezogen", erinnert er sich. Aber noch heute denke er jedes Mal an den Mord, wenn er am Haus Friedrichstraße 82 vorbeikommt.

Sollte die Annahme von damals zutreffen, dass es sich bei dem Täter - oder den Tätern - um Jugendliche handelte, wären sie heute zwischen 45 und 50 Jahre. Wahrscheinlich lebt der Mörder also noch. Möglicherweise in Schleswig, möglicherweise hat er die Stadt schon vor langer Zeit verlassen, ohne das jemals jemand einen Verdacht schöpfte.

30 Jahre später ist die Technik der Analyse von DNA-Spuren so weit fortgeschritten, dass die Polizei gute Chancen sieht, den Mordfall auf diesem Wege aufzuklären. Die Männer, die jetzt gebeten werden, über einen Abstrich aus der Mundschleimhaut ihr Genmaterial zur Verfügung zu stellen, sollen das auf freiwilliger Basis tun. Wer das nicht macht, könnte freilich allein dadurch in den Kreis der Verdächtigen geraten.

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