Lange Haftstrafen im "Karibik-Verfahren" : Die Verlockung des schnellen Geldes

Lange Haftstrafen vor dem Flensburger Landgericht: Seit 2008 hatten die drei Angeklagten mit einer Segeljacht mehrfach Kokain von Südamerika nach Europa gebracht. Foto: dpa
Lange Haftstrafen vor dem Flensburger Landgericht: Seit 2008 hatten die drei Angeklagten mit einer Segeljacht mehrfach Kokain von Südamerika nach Europa gebracht. Foto: dpa

Tonnenweise Kokain schmuggelten drei Männer per Jacht aus der Karibik nach Europa. Nun wurden sie zu langjährigen Strafen verurteilt.

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20. Dezember 2012, 11:22 Uhr

Flensburg | Im sogenannten Karibik-Verfahren wegen Drogenhandels hat das Landgericht Flensburg am Mittwoch die drei Angeklagten zu langen Freiheitsstrafen verurteilt. Das teilte Gerichtssprecher Carsten Bockwoldt nach der Urteilsverkündung mit. Ein 47-Jähriger von der nordfriesischen Insel Föhr muss für sieben Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Seine Komplizen - ein 50 Jahre alter Mann aus den Niederlanden und ein 35-jähriger Südafrikaner - wurden zu zehn beziehungsweise fünf Jahren Haft verurteilt. Das Gericht befand das Trio für schuldig, seit 2008 in wechselnder Beteiligung mit einer Segeljacht mehrfach Kokain von Südamerika nach Europa gebracht zu haben.
Strafmildernd werteten die Richter unter anderem bei allen drei Angeklagten die umfangreichen Geständnisse: Sie führten zu einer Verkürzung des Verfahrens, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Strafmildernd beim Deutschen fasste außerdem die so genannte Kronzeugenregelung. Ohne seine Angaben bei der französischen Polizei wären die Taten aus den Jahren 2008 und 2009 vermutlich nicht aufgeflogen, sagte der Richter. Letztendlich seien alle drei Männer den Verlockungen des schnellen Geldes erlegen: Die Drogenschmuggler bekamen für jede Tour jeweils mehrere 100.000 Euro. Strafschärfend wertete das Gericht unter anderem die "außergewöhnlich große Menge" der Drogen.

Die Verurteilten müssen ihre Drogen-Gewinne abgeben

Ihre Strafen werden die Angeklagten nicht in voller Höhe im Gefängnis verbüßen müssen, da das Gericht ihnen jeden Tag in französische Untersuchungshaft als zwei Tage Haft anrechnet. Zusätzlich zu den Freiheitsstrafen müssen die Angeklagten auch ihre Gewinne aus dem Drogenschmuggel abgeben. Für den Niederländer sind das 1,2 Millionen sowie seine Jacht, der Deutsche muss 131.000 Euro zahlen, und der Südafrikaner 75.000 Euro.
Die Angeklagten hatten weitgehende Geständnisse abgelegt. Danach waren sie in den Jahren 2008, 2009, 2010 und 2011 mit weiteren Komplizen als Drogenkuriere unterwegs. Jedes Mal schmuggelten sie mit einem Schiff zwischen 500 und 1000 Kilogramm Kokain über den Atlantik nach Europa. Bei ihrer vierten Tour war Schluss: Im Juli 2011 brachte die französische Küstenwache die Jacht mit dem Namen "Moon Shadow" auf der Karibikinsel Sint Maarten (Kleine Antillen) auf. Versteckt hinter der Wandverkleidung entdeckten sie mehr als eine Tonne Kokain. Es hatte einen geschätzten Schwarzmarktwert von 42 Millionen Euro.
Der Prozess gegen das Trio hatte im Mai begonnen. Verfahren gegen weitere Komplizen waren abgetrennt worden. So waren mehrere Südafrikaner untergetaucht und ihr Aufenthaltsort zunächst unbekannt gewesen. Einer Begleiterin des Deutschen wurde nur Beihilfe vorgeworfen.

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