Regionalschule : Die neue "Restschule"

Die CDU muss erkennen, dass sie in der Schulpolitik aufs falsche Pferd gesetzt hat: Ihre Regionalschule ist ein Auslaufmodell - noch bevor sie an den Start geht.

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29. April 2008, 09:47 Uhr

So ist sie - Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave. Tapfer stellt sie sich hinter die mit der Union beschlossenen Schulreformen. Schützend hält die SPD-Ministerin ihre Hand auch über die Regionalschulen, die nach den Sommerferien an den Start gehen werden. Loyalität (auch) gegenüber dem Koalitionspartner ist ihr Credo. Die CDU nämlich war es, die auf diese Schulart gepocht hatte - um der Gesichtswahrung willen. Eigentlich wollte sie das dreigliedrige Schulsystem nur "weiterentwickeln".

Diese CDU muss nun erkennen, dass sie aufs falsche Pferd gesetzt hat. Das Rennen macht die (SPD-)Gemeinschaftsschule, wo Kinder bis Klasse neun gemeinsam lernen. Die Eltern wollen es so und lassen bei der Schulwahl für ihre Kinder die Regionalschule rechts liegen. Sie tun es aus Sorge, aus Haupt- und Realschulen gebildete Regionalschulen könnten sich zur neuen "Restschule" entwickeln.

Immerhin gibt es erste Stimmen in der Union, die nüchtern konstatieren, dass "ihre" Regionalschule ein Auslaufmodell ist, noch bevor es in der Bildungslandschaft platziert ist. Dass die Schar solcher Einsichtigen aktuell keine schulpolitische Debatte eröffnen wollen, ist noch mit der Kommunalwahl erklärbar. An der Auseinandersetzung um ein zweigliedriges Schulsystem aus Gemeinschaftsschulen und Gymnasien führt gleichwohl kein Weg vorbei. Hamburgs schwarz-grüne Koalition hat genau dieses Zwei-Säulen-Modell verabredet - vor allem die Union an der Elbe will es so.

Die gestern präsentierte Bilanz der Bildungsministerin ist kaum mehr als eine allerdings aufschlussreiche Zwischenbilanz. Die Reform hier ist nur ein erster Schritt zur "neuen Schule". Es reicht zudem nicht, das System "von außen" zu renovieren, ihm gleichsam einen neuen Anstrich zu verpassen. Was fehlt, ist eine neue "Innenarchitektur". Die fängt bei einer Reform der Lehrerbildung an und hört bei einer Revision der Lehrpläne nicht auf. Dass die Koalition dazu noch die Kraft aufbringt, ist zwei Jahre vor der Landtagswahl zweifelhaft.

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