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Dänemark im Tier-Shitstorm : Die Legende von Marius aus Jylland

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Eine Giraffe wurde schon getötet, jetzt kommt vielleicht eine zweite an die Reihe. shz.de hat fünf Gründe gefunden, warum Dänemark beim Thema „Tier“ irgendwie auf Abwege gerät.

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erstellt am 14.Feb.2014 | 15:47 Uhr

Videbæk | Dänemark gilt in der Welt als liberal, sympathisch und gemütlich. Und so machen wir Deutschen auch gerne Urlaub bei unserem nördlichen Nachbarn. Nur dieser Tage scheint sich eine Frage einzubrennen: Fehlt es den Dänen etwa an Feingefühl in der Kommunikation, wenn es um das Thema „Tiere“ geht?

Wir haben fünf Gründe gefunden, warum die Dänen immer wieder in einen Shitstorm geraten:  

Grund 1: Giraffen gehören einfach nicht in den Norden!

Foto: dpa

Wie abstrus ist die Globalisierung eigentlich, dass ein Löwe in einem Kopenhagener Zoo eine Giraffe frisst? Das dachten sich wohl auch einige Dänen und haben trotz Petition entschieden: Marius kommt weg und wir zeigen es öffentlich vor Kindern. Zu Bildungszwecken natürlich. Kaum legt sich der Shitstorm aus aller Welt, hört man jetzt von einem Marius aus Jylland. Langer Hals, lange Beine, Giraffenmuster, gleicher Name. Auch er soll getötet werden, wenn’s sein muss, berichtet der „Guardian“ aus Großbritannien. Die siebenjährige Giraffe muss bald einem Weibchen Platz machen, denn zwei Jungs und ein Mädel in einem Gehege vertragen sich nicht, erklärt Tierpfleger Janni Løjtved Poulsen: „Wenn wir Marius töten müssen, werden wir das selbstverständlich tun.“ Eine Geschichte, die zum falschen Zeitpunkt kommuniziert wird.

 

 

Grund 2: Ein Urlaub ohne Hund ist doch viel schöner, oder?

Foto: dpa

1800 Hunde sind seit März 2010 in Dänemark eingeschläfert worden, berichtet die Tierschutzorganisation „Fair Dog“. Das neue Hundegesetz listet 13 Rassen, die ohne juristische Prüfung eingeschläfert werden können. Auch Hunde, die einer der Rassen ähnlich sehen, leben gefährlich. Die Beweispflicht hat der Hundehalter. Zusätzlich gilt Leinenpflicht, auch an Stränden. Ein Verstoß kostet das Herrchen umgerechnet 270 Euro. Viele Urlauber verzichten seither auf das Ferienhaus in Dänemark. Inzwischen rudert das Land zurück und wirbt wieder um Hundehalter, denn die Tourismusbranche hat gelitten. Bis dahin sollte Herrchen also zweimal überlegen, ob es in den Urlaub nach Dänemark reisen will, vor allem, wenn der Vierbeiner Marius heißt. 

 

 

Grund 3: Aus Angst vor einer Epidemie sollten wir Robben töten!

Foto: dpa

2012 meldete sich der dänische Seehundexperte Thyge Jensen zu Wort. Seiner Meinung nach könne man wieder mit der Seehundjagd beginnen. Die Population im Wattenmeer sei nach der Staupe-Epidemie 2006 wieder gestiegen und gesund. Die Argumentation damals: Die Gefahr einer erneuten Seuche ist groß und die Gefahr bestünde, dass 100 Tonnen ausgezeichnetes Fleisch nicht gegessen werden, sondern am Strand verrotten könnten. Außerdem könnten die Kadaver die Touristen stören, so Jensen. Seine Ansicht wurde zunächst geteilt, an anderer Stelle aber auch scharf kritisiert. Die staatliche dänische Naturbehörde „Naturstyrelsen“ reagierte und erklärte, dass es sich bei dem Aufruf Thyge Jensens zur Jagd auf Seehunde um „rein private Äußerungen“ handele. Der Staat habe keinerlei Pläne für eine Wiederaufnahme Jagd. Der Seehund? Süß, aber stört eigentlich. Lieber wieder mehr Fisch.

 

 

Grund 4: Bei 30 Millionen Schweinen gibt es immer etwas Ausschuss!

Foto: dpa

Eine weitere Diskussion stößt der neue Landwirtschaftsminister Dan Jørgensen an. Laut dem dänischen Internetportal „landbrugsavisen“ sieht Jørgensen große Tierschutzprobleme in der dänischen Schweineproduktion, wo Tiere bisher ohne Betäubung kastriert und deren Schwänze abgeschnitten werden können. Die Ferkelsterblichkeit ist mit 25.000 Tieren pro Tag sehr hoch. Ethisch und moralisch nicht korrekt, meint der Landwirtschaftsminister. Martin Merrild, der Vorsitzende von „Landbrug og Fødevarer“, bedauert den negativen Ton des neuen Ministers: „Der ist nicht fair gegenüber den dänischen Bauern, denn die Zahl toter Ferkel müsse vor dem Hintergrund gesehen wären, dass in Dänemark jährlich rund 30 Millionen Schweine produziert werden.“ Na, dann sind 25.000 tote Ferkel pro Tag natürlich in Ordnung.

 

 

Grund 5: Mehr Grönländer, mehr Walfang, ist doch logisch!

Foto: Imago

Die Faröer-Inseln gehören zu Dänemark, sind aber weitestgehend autonom. Auch Grönland ist Teil des Königreiches. Wenn es um die grausame Tötung von hunderten Meerestieren geht, geraten Grönland und Faröer jedes Jahr erneut in die Schlagzeilen und damit zwangsläufig auch Dänemark. Die „Tradition“, dass ganze Familien im Motorboot mit Haken und Messern Wale an Land ziehen, um diese dann nicht ganz tierschutzgerecht zu töten, liegt außerhalb dänischer Kontrolle. Dabei hätte das Königreich mit gutem Beispiel vorangehen können. Mitte 2012 wollte Dänemark vor dem Treffen der Internationalen Walfangkommission (IWC) jedoch höhere Fanquoten für Grönland durchsetzen und damit sein Außengebiet unterstützen. Begründung: Es gibt heute mehr Grönländer und die essen traditionell Walfleisch. Fünf Prozent mehr Fanquote wären da doch nicht schlimm. Der dänische IWC-Bevollmächtigte Ole Samsing forderte seitens der EU Unterstützung für seinen Antrag. Wieder hagelte es Kritik: „Es ist ein schlechtes Signal, dass ausgerechnet aus Europa das Moratorium aufgebrochen wird“, erklärte der Europaabgeordnete Jo Leinen. Der Walfang ist seit 1986 weltweit verboten. 

 

Fazit:

Bei den ganzen Fettnäpfchen wird es schwierig werden, in der Google Suche mit den Stichwörtern „Tier“ und „Dänemark“ ein positives Ergebnis zu erzielen. Das Internet macht den „Dänen“ bis dahin erstmal nicht zu einem Freund der Tiere, dabei mag die Mehrheit Hasso, Kitty, Bello und Co ganz bestimmt.

 

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