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Vorläufige amtliche Endergebnisse : Die Landtagswahlen im Überblick

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Die ersten Hochrechnungen sind da: Zahlen der Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt.

shz.de von
erstellt am 13.Mär.2016 | 20:28 Uhr

Schwere Niederlage für die CDU, Freude und Frust bei der SPD, sehr starke Grüne in Baden-Württemberg und eine triumphierende AfD: Die Landtagswahlen am Sonntag haben die Parteienlandschaft gehörig durcheinandergewirbelt. Der Einzug der Rechtspopulisten in die Landesparlamente von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt mit zweistelligen Ergebnissen macht die Regierungsbildung schwierig. Die Abstimmungen am „Super-Sonntag“, dem wichtigsten Wahltermin seit der Bundestagswahl, galten auch als Votum zur Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Alle Details und Neuigkeiten zu den drei Wahlen lesen Sie im Liveticker. Hier die Zahlen im Überblick:

Quelle: Vorläufiges amtliches Endergebnis

In Baden-Württemberg liegen die Grünen mit dem auch bei konservativen Wählern geschätzten Regierungschef Winfried Kretschmann bei 30,3 Prozent (2011: 24,2) - und damit in der einstigen CDU-Hochburg vor den Christdemokraten. Diese brechen mit dem blassen Spitzenkandidaten Guido Wolf völlig ein und sind mit 27,0 Prozent (39,0) erstmals seit Gründung des Bundeslandes nicht stärkste Partei. Die SPD wird auf 12,7 Prozent (23,1) halbiert - ihr mit Abstand schlechtestes Ergebnis im „Ländle“. Eine Zäsur für die Volksparteien: Selbst für beide zusammen reicht es nicht. Die AfD springt aus dem Stand auf 15,1 Prozent. Die lange schwächelnde FDP legt auf 8,3 Prozent (5,3) zu. Die Linke kommt mit 2,9 Prozent nicht in den Landtag. Die Sitzverteilung: Grüne 47, CDU 42, SPD 19, FDP 12, AfD 23.

Damit käme ein Bündnis von Grünen und CDU in Frage. Rechnerisch wären auch Dreierbündnisse mit der FDP möglich: Einer rot-gelb-grünen Ampel standen vor der Wahl aber die Liberalen skeptisch gegenüber, einer schwarz-rot-gelben „Deutschland-Koalition“ die Sozialdemokraten. Die unterlegene CDU erhob aber Anspruch auf den Chefposten: „Wir wollen den Politikwechsel, wir wollen den Ministerpräsidenten stellen“, sagte Landeschef Thomas Strobl. Spitzenkandidat Wolf sagte, man wolle mit SPD und FDP, aber auch mit den Grünen sprechen. Mit der im Zuge der Flüchtlingskrise aufgestiegenen AfD will in allen drei Ländern keine andere Partei koalieren.

Kretschmann erhob hat nach dem triumphalen Wahlsieg Anspruch auf die Regierungsbildung in Stuttgart. Seine Partei habe im Südwesten „Geschichte geschrieben und die Grünen zur stärksten Kraft im Lande gemacht“, sagte er am Sonntag. Er wurde bei seiner Wahlparty in Stuttgart mit frenetischem Applaus empfangen. Kretschmann will die Regierung weitere fünf Jahre führen.

 

Quelle: Vorläufiges amtliches Endergebnis

Die SPD von Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz gewonnen. Die seit 25 Jahren regierende SPD ist nach jahrelanger Umfrageschwäche mit 36,2 Prozent (2011: 35,7) doch wieder stärkste Partei. Klöckners CDU sackt auf 31,8 Prozent (35,2) ab. Die 2011 erstarkten Grünen stürzten auf 5,3 Prozent (15,4). Die FDP kehrt nach fünf Jahren Abwesenheit im Landtag mit 6,2 Prozent (4,2) zurück. Die AfD bekommt auf Anhieb 12,6 Prozent. Auch in Mainz bleibt die Linke mit 2,8 Prozent draußen. Daraus ergibt sich nach Hochrechnungen vom späten Abend folgende Sitzverteilung: SPD 39, CDU 35, Grüne 6, FDP 7, AfD 14.

Julia Klöckner äußerte sich am Wahlabend bei Twitter:

Malu Dreyer will das Gespräch mit den Grünen und der FDP suchen. Noch am Abend wolle sie dem bisherigen Koalitionspartner reden, sagte sie am Sonntagabend dem SWR-Fernsehen. „Weil wir sehr gute Partner immer waren. Und ich möchte natürlich auch weiter machen mit den Grünen.“ Eine Fortsetzung des rot-grünes Bündnisses in Rheinland-Pfalz wird allerdings wegen des schlechten Abschneidens der Grünen nicht möglich sein.

Dreyer will nun mit der FDP reden. „Wir haben auch gute Zeiten in Rheinland-Pfalz erlebt gemeinsam mit der FDP. Und wenn der Wähler jetzt so entscheidet, warum nicht? Wir werden Gespräche auf jeden Fall suchen“, sagte sie.

Nach ihrer Niederlage zeigte sich Julia Klöckner offen für Gespräche mit den Sozialdemokraten. Die SPD sei stärkste Partei geworden und habe nun die Aufgabe, eine Regierung zu bilden, sagte Klöckner auf der Wahlparty ihrer Partei in Mainz. Wie diese aussehen werde, sei noch nicht klar. „Wir sind wach, wir sind dabei und wir werden sehen, was am Ende dabei rauskommt“, sagte sie. Mit einer starken CDU sei weiter zu rechnen. Eine Kooperation mit der AfD schloss Klöckner aus.

Bei der Landtagswahl stimmten so viele Menschen ab wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr. Nach der Auszählung von rund 90 Prozent der Stimmbezirke im Land lag die Wahlbeteiligung bei knapp 70 Prozent, wie der Landeswahlleiter am Abend mitteilte. Dies ist deutlich mehr als bei den drei vorhergegangenen Landtagswahlen: 2011 lag die Beteiligung bei 61,8 Prozent, 2006 bei 58,2 Prozent und 2001 bei 62,1 Prozent. 1996 waren 70,8 der Stimmberechtigten zur Wahlurne gegangen.

 

Quelle: Hochrechnung von ARD/infratest dimap 21:30 Uhr

Die CDU mit Ministerpräsident Reiner Haseloff hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewonnen und wurde mit 29,8 Prozent (2011: 32,5) erneut stärkste Partei. Allerdings verlor die seit 2002 regierende CDU etwas - und ihr Juniorpartner SPD stürzte wie in Baden-Württemberg ab: 10,6 Prozent waren zum Weiterregieren zu wenig. Die Linke fiel mit nur noch 16,3 Prozent (23,7) hinter die AfD als neue Nummer zwei zurück. Die Grünen bangten am Abend um den Verbleib im Landtag - am Ende schafften sie den Sprung mit 5,2 Prozent (7,1). Die FDP scheiterte knapp mit 4,9 Prozess (3,8).

Eiine Neuauflage von Schwarz-Rot ist damit ausgeschlossen. Möglich wäre Schwarz-Rot-Grün.

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