Handball-EM in Kroatien : DHB-Vizepräsident Bob Hanning: „Wir sind jetzt zum Siegen verdammt“

Bob Hanning stärkt Bundestrainer Christian Prokop den Rücken.
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Bob Hanning stärkt Bundestrainer Christian Prokop den Rücken.

Vor dem ersten Hauptrundenspiel gegen Teschechien sehen die deutschen Akteure noch Optimierungsbedarf.

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18. Januar 2018, 16:44 Uhr

Zagreb | Die Abwehr ist wieder ein Bollwerk, doch der Angriff kommt nicht auf Touren: Nach einer durchwachsenen EM-Vorrunde mit nur einem Sieg machten sich Deutschlands Handballer am Donnerstag mit gemischten Gefühlen auf den Weg von Zagreb nach Varazdin. „Wir sind jetzt zum Siegen verdammt“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning vor dem ersten Hauptrundenduell gegen Tschechien an diesem Freitag (18.15 Uhr/ZDF live).

„Es gibt keine Alibis mehr. Jetzt muss die Truppe liefern. Die Wahrheit liegt in diesen 60 Minuten.“ Es rumort bei den Bad Boys, die im bisherigen Turnierverlauf noch nicht ihr Potenzial abgerufen haben. Angesichts aufkommender Kritik fühlte sich Hanning vor dem Richtung weisenden Spiel daher berufen, Bundestrainer Christian Prokop demonstrativ den Rücken zu stärken. „Ich bin ja nicht sein Verteidigungsminister“, sagte Hanning. „Aber er versucht, zu korrigieren, zu helfen und der Truppe Stabilität zu geben.“

Bislang ist Prokop, der in Kroatien das erste Großturnier erlebt, mit seinen Ideen aber noch nicht zu all seinen Schützlingen durchgedrungen. „Jeder einzelne Spieler muss ein paar Prozentpunkte oben drauf legen, dann werden wir als Mannschaft auch wieder so auftreten, wie man sich das wünscht“, forderte Torwart Silvio Heinevetter.

Die deutsche Abwehr steht – unter anderem wegen Rückkehrer Finn Lemke (links) – wieder wie ein Bollwerk.
Foto: Monika Skolimowska/dpa

Die deutsche Abwehr steht – unter anderem wegen Rückkehrer Finn Lemke (links) – wieder wie ein Bollwerk.

 

Das ist bitter nötig, denn eine Niederlage würde wohl das vorzeitige Ende aller Medaillenträume bedeuten. Dann müsste sich der DHB unbequeme Fragen gefallen lassen. Das weiß auch Hanning: „Wenn wir das Spiel verlieren, haben wir Ziele nicht erreicht, dann haben Dinge nicht funktioniert.“ Prokop fordert deshalb, dass sich die Mannschaft endlich auf ihre Stärken besinnt. „Es ist wichtig, dass wir mit noch mehr Freude und Explosivität spielen“, sagte er.

Auch ihm ist die Anspannung nach der nicht überzeugenden Vorrunde deutlich anzumerken. Denn der Druck ist dadurch enorm groß geworden. „Wir haben einige Junge im Kader, die Erfahrungen sammeln müssen. Aber dafür ist keine Zeit“, sagte Prokop. „Wir brauchen das eine oder andere Erfolgserlebnis.“ Immerhin hat sich die Defensive dank des zurückgeholten Abwehrbosses Finn Lemke stabilisiert. Der 25-Jährige, der beim EM-Triumph in Polen zu den großen Stützen im DHB-Team zählte, gab der Deckung beim 25:25 im Gruppenfinale gegen Mazedonien mehr Stabilität und soll seine Mitspieler auch emotional aufrütteln. „Er wird auch in den kommenden Spielen einen entscheidenden Part einnehmen“, sagte Prokop.

 

In den bisherigen Spielen hat die DHB-Auswahl die Unbekümmertheit, mit der sie vor zwei Jahren sensationell zum Titel gestürmt war, vermissen lassen. Für Hanning kommt dies nicht überraschend. „Die Lockerheit und Leichtigkeit von damals kommen nicht wieder, die findest du als Titelverteidiger nicht mehr. Die wird auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Russland nicht finden“, sagte der DHB-Vizepräsident. „Aber das Selbstbewusstsein und die innere Stärke musst du wiederfinden.“

Daran mangelt es derzeit zu vielen Spielern. Vor allem im Rückraum. „Fäth, Kühn, Weber - die können noch mehr“, stellte Hanning kritisch fest. „Wir müssen wieder lockerer spielen. Die PS, die die Truppe hat, müssen auf die Straße.“ Möglichst schon gegen das Überraschungsteam aus Tschechien, das wie Deutschland, Olympiasieger Dänemark und Vize-Europameister Spanien 2:2 Punkte aus der Vor- in die Hauptrunde mitbringt und damit in Lauerstellung hinter Tabellenführer Mazedonien (3:1) liegt. „Die rocken bisher das Turnier, so wie wir das 2016 gemacht haben“, lobte Hanning den Rivalen.

Wie geht es jetzt für das deutsche Team weiter?

Die EM wird nach der Vorrunde mit der Hauptrunde fortgesetzt. Dabei nehmen die besten drei Teams jeder Gruppe die Ergebnisse aus den Spielen gegeneinander in die zweite Turnierphase mit. Im Falle der deutschen Mannschaft sind dies die beiden Unentschieden gegen Slowenien und Mazedonien, so dass die DHB-Auswahl mit 2:2 Punkten in die Hauptrunde startet.

Dort trifft der Titelverteidiger auf Tschechien, Olympiasieger Dänemark und Vize-Europameister Spanien, die sich in der Gruppe D die ersten drei Plätze gesichert hatten. Die jeweils zwei besten Teams der beiden Hauptrundengruppen erreichen das Halbfinale.

Steffen Weinhold warnt vor Tschechien.
Foto: Monika Skolimowska/dpa

Steffen Weinhold warnt vor Tschechien.

 

Am Freitag spielen die deutschen Handballer gegen Tschechien. Steffen Weinhold, gegen Mazedonien mit sieben Treffern bester DHB-Werfer, warnt vor den Tschechen. „Die haben von allen Mannschaften in der Hauptrunde am wenigsten zu verlieren und können ganz locker aufspielen“, sagte der Rückraumschütze vom deutschen Rekordmeister THW Kiel. „Das macht sie unberechenbarer und damit gefährlicher.“

Sollten nach Abschluss der Spiele zwei oder mehr Teams punktgleich sein, entscheiden folgende Kriterien über das Weiterkommen:

  • die bessere Tordifferenz zwischen den betreffenden Mannschaften
  • die größere Anzahl an Toren zwischen den betreffenden Teams, die in den Gruppenspielen gegeneinander erzielt wurden
  • die bessere Tordifferenz aus allen Gruppenspielen (Vor- und Hauptrunde)
  • die größere Anzahl an Toren, die in allen Gruppenspielen erzielt wurden
  • Auslosung durch die EHF
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