Handball-EM : Deutschland steht im Halbfinale

Bundestrainer Heiner Brand (v-r), bejubelt mit seinen deutschen Handballspielern Dominik Klein, Pascal Hens, Holger Glandorf, Lars Kaufmann und Florian Kehrmann den Sieg. Deutschland gewinnt 31:29. Foto: Jens Wolf dpa
Bundestrainer Heiner Brand (v-r), bejubelt mit seinen deutschen Handballspielern Dominik Klein, Pascal Hens, Holger Glandorf, Lars Kaufmann und Florian Kehrmann den Sieg. Deutschland gewinnt 31:29. Foto: Jens Wolf dpa

Der größere Siegeswille triumphierte. Mit einem 31:29 (16:18) über Schweden hat Weltmeister Deutschland das Halbfinale der Europameisterschaft erreicht. Der Gegner am Samstag in Lillehammer heißt Dänemark.

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25. Januar 2008, 08:52 Uhr

Als die serbischen Schiedsrichter Slobodan Visekruna und Zoran Stanojevic gestern um 20.51 Uhr im Trondheim Spektrum die Partie zwischen Deutschland und Schweden abpfiffen, gab es auf der deutschen Bank kein Halten. Auswechselspieler und Betreuer stürmten aufs Feld und feierten ausgelassen mit den Akteuren auf dem Parkett ihren bisher wichtigsten Sieg bei der Handball-Europameisterschaft in Norwegen. 31:29 (16:18) hieß es am Ende einer packenden Partie, die dem Weltmeister den Einzug in die Vorschlussrunde bescherte. Dort trifft Deutschland am Sonnabend (15.30 Uhr) auf Dänemark.
"Einfach nur geil", jubelte Mannschaftskapitän Markus Baur. "Wir haben alle Kritiker widerlegt, die gesagt haben, dass der Weltmeistertitel im vergangenen Jahr nur Zufall war. Wir stehen im Halbfinale der Europameisterschaft. Das sagt alles." Doch der Weg dahin war beschwerlich. Das deutsche und das schwedische Team boten den 2915 Zuschauern einen leidenschaftlichen Fight. Hochgeschwindigkeitshandball vom Feinsten, keine unansehnliche Abwehrschlacht wie noch am Tag zuvor bei der 23:26-Niederlage der DHB-Auswahl gegen Frankreich. Vor der schwedischen 6:0-Deckung zog Spielmacher Markus Baur den deutschen Angriffswirbel auf und brachte die Rückraumschützen Pascal Hens und Holger Glandorf immer wieder in gute Wurfpositionen. Mit acht Treffern erzielten sie zusammen die Hälfte aller deutschen Tore bis zum Seitenwechsel. Das gab es im bisherigen Turnierverlauf noch nie.
Ein "gebrauchter Tag" in der Anfangsphase
Unter so viel Offensivgeist litt allerdings die Konzentration in der Abwehr. Oliver Roggisch gelang es nicht, den 6:0-Verbund zu einer kompakten Einheit zusammen zu schweißen. Ein ums andere mal ließen sich Roggisch und Co. von den Skandinaviern düpieren. Zudem hatte man Johannes Bitter in der Anfangsphase einen "gebrauchten Tag" angedreht. Bis zur seiner Auswechselung in der 14. Minute parierte der Torhüter des Hamburger SV einen Wurf, ließ aber acht passieren. Zu diesem Zeitpunkt führte die DHB-Auswahl noch mit 9:8, und obwohl Fritz etwas besser hielt als Bitter, nahmen die Schweden vor allem dank eines überragenden Kim Andersson vom Bundesligisten THW Kiel nach Ende der ersten 30 Minuten ein 18:16 mit in die Kabinen.
Die zweite Halbzeit begann mit einer Hiobsbotschaft für die DHB-Auswahl. Nach einer Angriffsaktion der Schweden humpelte Roggisch mit Schmerz verzerrtem Gesicht zur deutschen Auswechselbank. Erste Diagnose: Muskelfaserriss in der rechten Wade. Ohne Roggisch ging es Schlag auf Schlag weiter. Tor für Deutschland, Tor für Schweden. Jedem Treffer folgte fast postwendend ein Gegentreffer. Hinter Dan Beutler auf schwedischer und Bitter, der ab der 39. Minute wieder das Tor hütete, auf deutscher Seite schlugen die Bälle nur so ein.
Markus Baur beseitigte alle Zweifel am Sieg
Doch ausgerechnet Bitter sollte in der Schlussphase noch seinen großen Auftritt haben. Beim Stand von 30:28 zwei Minuten vor dem Abpfiff parierte Der HSV-Keeper einen Siebenmeter von Hendrik Lundström. Jan Lennartsson verkürzte 40 Sekunden vor dem Abpfiff zwar noch einmal auf 30:29, doch in Unterzahl mit der letzten Aktion des Spiels zum 31:29 beseitige Markus Baur alle Zweifel am deutschen Sieg.
„Das war unsere beste Angriffsleistung bisher in dem Turnier. Es wäre bitter, wenn wir verloren hätten“, meinte Bundestrainer Heiner Brand. Für Rechtsaußen Florian Kehrmann hatte die größere Erfahrung am Ende die Partie zu Gunsten der Deutschen kippen lassen. „Wir haben im Gegensatz zu den Schweden in den vergangenen Jahren schon viele entscheidende Spiele gewonnen.“ Und schon oft gefeiert.

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