Der Wirrwarr nach dem Widerspruch

Ein Mann sperrt sich gegen einen Neubau aus Holz: Bürgermeister Andreas Breitner gestern an der maroden Weißen Brücke.  Foto: höfer
Ein Mann sperrt sich gegen einen Neubau aus Holz: Bürgermeister Andreas Breitner gestern an der maroden Weißen Brücke. Foto: höfer

Breitner untermauert sein Machtwort gegen den Holzbrücken-Beschluss / Karten für Benefizkonzert von Charly Beutin ab sofort erhältlich

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17. Dezember 2011, 08:10 Uhr

Rendsburg | Der Widerspruch wurde Bürgervorsteherin Karin Wiemer-Hinz per Boten zugestellt. Am Tag nach der turbulenten Ratsversammlung setzte Bürgermeister Andreas Breitner damit formell den Beschluss für den Bau einer Weißen Brücke aus Holz außer Kraft.

Seinen außergewöhnlichen Schritt begründete Breitner nochmals mit der prekären Haushaltslage der Stadt. Eine Brücke aus Stahl und Holz in Verbindung mit einer Veloroute sei die eindeutig günstigere Lösung. "136 000 Euro Differenz zwischen beiden Varianten sind viel Geld." Aus diesem Grund sei er gemäß Paragraf 43 der Gemeindeordnung (GO) gezwungen gewesen, dem Beschluss der Ratsversammlung in Sachen Weißer Brücke aus Holz zu widersprechen.

Auf die Frage, ob er damit nicht mögliche Spender für eine Holzbrücke verprelle, antwortete der Bürgermeister: "Ich vertrete eine Rechtsauffassung. Meine Entscheidung hat nichts mit Spendern oder Spendensammlungen zu tun." Für eine Stahllösung gebe es möglicherweise auch zahlreiche Sympathisanten. Jenseits der Rechtslage legte Breitner seine persönliche Meinung dar: "In Rendsburg haben wir wahrhaft andere Probleme als eine Brücke", meinte er. "Und es gibt viele andere Projekte, wo wir das Geld dringend brauchen, zum Beispiel im Schul- und Bildungsbereich oder im Kampf gegen die Kinderarmut in Rendsburg."

Wie geht es jetzt weiter? Selbst Jochen Kraft, der Vorsitzende des Bauausschusses, klang gestern ein wenig ratlos. Eine Sondersitzung seines Gremiums noch in diesem Jahr werde es nicht geben, sagte er. Anfang nächster Woche werde er das Gespräch mit dem Bürgermeister suchen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Möglicherweise werde sich der Hauptausschuss mit dem Thema "Weiße Brücke" befassen. Fest steht für Kraft, dass sich die Fronten im Sinne der Sache nicht weiter verhärten dürfen. "Wenn wir uns treffen, muss die Holzbrücken-Fraktion bereit sein, auf die andere Seite zuzugehen." Der Widerspruch des Chefs der Verwaltung sei zu akzeptieren. "Er ist ja nicht seiner Fantasie entsprungen, sondern rechtlich begründet worden."

Rock- und Bluesmusiker Charly Beutin, der am 4. Februar im Bullentempel ein Brückenkonzert geben will, lässt sich durch den kommunalpolitischen Wirrwarr nicht stören. "Ich bin noch immer für eine Brücke aus Holz", sagte Beutin. "In erster Linie zählt jedoch, dass es überhaupt wieder eine Weiße Brücke geben wird." Ab heute werden Karten für das Brückenkonzert verkauft. Von jeder Eintrittskarte (15 Euro) sollen fünf Euro in den Neubau fließen.

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