Der Teamgeist ist der große Trumpf

Wollen am Ende der Saison den Klassenerhalt bejubeln: Rotenhofs Harald Giese, Christer Reiser und Jacob Holten (von links).
Wollen am Ende der Saison den Klassenerhalt bejubeln: Rotenhofs Harald Giese, Christer Reiser und Jacob Holten (von links).

Fußball: Beim TuS Rotenhof hofft man weiter auf den Klassenerhalt in der Verbandsliga / Christopher Runde aus dem Kader gestrichen

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27. Dezember 2014, 06:06 Uhr

In sämtlichen Amateurklassen des Landes ruht bis Ende Februar des kommenden Jahres der Ball. Genug Zeit, um sich auch mit der aktuell schwierigen Situation des Fußball-Verbandsligisten TuS Rotenhof zu beschäftigen.

Die Lage: „Überaus angespannt, aber nicht hoffnungslos“, so umschreibt Coach Thomas Gosch Platz 15, mit einem Rückstand von fünf Punkten auf das rettende Ufer. Nach dem ersten Rotenhöfer Verbandsliga-Intermezzo in der Saison 2009/10, in der man das Ziel Klassenerhalt als Tabellenletzter deutlich verfehlte, war nicht nur dem Trainer klar, dass auch der zweite Versuch, in dieser Klasse Fuß zu fassen, erneut eine ganz große Herausforderung darstellen würde.

Die Schwächen: Die Abwehr kassiert eindeutig zu viele Gegentreffer. Sieht man vom sieglosen Tabellenschlusslicht SV Fortuna Bösdorf ab, sind die 55 Tore, die man in 19 Spielen hinnehmen musste, absoluter Spitzenwert. Gosch und Co-Trainer Frank Schütt mussten sich im Laufe der Hinserie häufig über die vielen individuellen Fehler, die zu vermeidbaren Toren führten, ärgern. „Wir machen es uns aber zu einfach, wenn wir die Schuld ausschließlich bei unserer Viererkette suchen, denn das gesamte Defensivverhalten ist verbesserungswürdig. Gerade in brenzligen Situationen muss das Spielgerät auch mal auf die Tribüne gebolzt werden“, vermisst Gosch bei seinem unerfahrenen Team (Durchschnittsalter 23 Jahre) eine gewisse Kompromisslosigkeit. In vorderster Front hat der Aufsteiger ebenfalls noch Luft nach oben. Gosch: „Wir haben etliche Hochkaräter versiebt, weil wir nicht konsequent den Torabschluss gesucht haben.“

Die Stärken: Auch wenn man beim Aufsteiger einen echten Torjäger vergeblich sucht, so verfügt die Offensive, die immerhin 31 Treffer erzielte, zumindest über das Potenzial, um im unteren Mittelfeld der Verbandsliga mithalten zu können. Ein großer Trumpf ist nach wie vor die mannschaftliche Geschlossenheit, die in den Augen der sportlichen Führung beispiellos ist. „Selbst in der Phase, in der wir viele Niederlagen hintereinander einstecken mussten, haben sich die Spieler nie auseinanderdividieren lassen. Zudem ließ auch die Trainingsbeteiligung ganz selten zu wünschen übrig“, schwärmt Gosch.

Die Neuen: Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft ist unumstritten Christer Reiser. Der Neuzugang von Rot-Schwarz Kiel hat die Erwartungen voll erfüllt, auch wenn er aufgrund seiner Bundeswehrzeit nur eingeschränkt zur Verfügung stand. „Er ist der Spieler, der von den anderen gesucht wird und auch verbal die Richtung vorgibt“, so Gosch. Im Offensivbereich hat sich der aus der A-Jugend hervorgegangene Harald Giese gleich einen Stammplatz erkämpft. Für Nils Hansen, der vom Kreisliga-Absteiger TSV Lütjenwestedt kam, war der Sprung in die Verbandsliga eine große Umstellung, so dass er bisher nicht über die Rolle eines Ergänzungsspielers hinaus kam. „Er ist überaus kopfballstark, hat aber noch Probleme beim Einleiten eines strukturierten Aufbaus“, erklärt Gosch die eher seltenen Spielanteile seines Verteidigers. Die größte Enttäuschung war für den Trainer die Personalie Christopher Runde, der trotz seiner Beteuerungen in ein altes Verhaltensmuster zurückfiel. „Wir hatten uns aufgrund seiner Erfahrung einiges von ihm versprochen, doch nach seiner Roten Karte gegen Eidertal Molfsee hat er sich nur noch per SMS vom Training abgemeldet und sich immer seltener blicken lassen. Wir sind deshalb übereingekommen, ihn für die Rückserie aus dem Kader zu streichen“, zogen Gosch und Co-Trainer Schütt die Konsequenzen.
Das Umfeld: Ligaobmann Stefan Schrum, Betreuer und Zeugwart Ralph Ecknig sowie das Trainerduo waren sich schon im Frühjahr, bei ihrer gemeinsamen „Herren-Tour“ nach Köln, im Klaren, dass der Erhalt der Klasse eine ganz schwere Aufgabe werden würde. Und so schätzen die sportlich Verantwortlichen der Weiß-Blauen die momentan angespannte Situation realistisch ein. Der Coach steht, trotz manch kritischer Töne aus dem Zuschauerumfeld, nicht zur Disposition und kann sich in Ruhe seiner Hauptarbeit widmen. „Es ist aber doch ganz klar, dass eine gewisse Unzufriedenheit herrscht, wenn man auf einem Abstiegsplatz steht. Man sollte jedoch die Augen vor dem, was mit dem jungen Kader möglich ist, nicht verschließen“, bittet Gosch um Verständnis.

Die Prognose: Das 3:3 gegen die TSG Concordia Schönkirchen und insbesondere das überzeugende 4:0-Erfolg gegen den MTV Dänischenhagen zum Jahresabschluss machen Mut für die Rückrunde. Allerdings ist der Fünf-Punkte-Rückstand auf den rettenden 13. Tabellenplatz eine nicht zu unterschätzende Hypothek, so dass der weitere Weg ganz entscheidend vom Start abhängen wird. Dieser beginnt voraussichtlich mit der Partie gegen das Schlusslicht aus Bösdorf. „Sie haben uns um eine Vorverlegung gebeten“, erklärt Gosch. Diese Begegnung muss natürlich unbedingt gewonnen werden, ansonsten kann der Rechenschieber schon vor den weiteren, schweren Spielen gegen den Tabellendritten TSV Klausdorf, beim unmittelbaren Konkurrenten Preetzer TSV II und dem anschließenden Heimspiel gegen den Zweiten Inter Türkspor Kiel in der Schublade verschwinden. „Die Welt würde durch einen Abstieg nicht untergehen, wir wussten ja von Beginn an, was auf uns zukommen würde“, beugt Rotenhofs Chef-Trainer schon vor dem 28. Februar 2015 einer zu hohen Erwartungshaltung vor. Allerdings will er seinen Spielern mit dieser Aussage kein Alibi liefern: „Ich erwarte von jedem, dass er sich weiter bedingungslos in den Dienst der Mannschaft stellt.“

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