Nationale Maritime Konferenz in Kiel : Der Norden kämpft für seinen Kanal

Der Kanal wurde lange von der Politik vernachlässigt. Foto: grafikfoto.de
Der Kanal wurde lange von der Politik vernachlässigt. Foto: grafikfoto.de

Der Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals wird zum zentralen Thema der Nationalen Maritimen Konferenz in Kiel. Hier kann Merkel zeigen, ob sie tatsächlich "mit dem Rücken zur Küste regiert", wie Wirtschaftsminister Meyer mutmaßte.

shz.de von
31. März 2013, 09:29 Uhr

Kiel | Ganz Deutschland wird nach Kiel schauen, wenn sich dort am 8. April alles trifft, was in Politik, Verwaltung und maritimer Wirtschaft Rang und Namen hat. Mit von der Partie wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)sein - mit gleich drei Ministern im Schlepptau: Umweltminister Peter Altmaier (CDU), Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und den in Norddeutschland so umstrittenen Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).

Rund 830 Teilnehmer wollen auf der Nationalen Maritimen Konferenz in Kiel Themen wie den Umweltschutz und die Werften- und Schifffahrtskrise beraten - im Mittelpunkt des Interesses wird jedoch der künftige Umgang der Bundesregierung mit dem maroden Nord-Ostsee-Kanal sein. Hier kann Merkel zeigen, ob sie tatsächlich "mit dem Rücken zur Küste regiert", wie Kiels Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) kürzlich mutmaßte. Im Vorfeld der wichtigen Konferenz - die übrigens fast nahtlos übergeht in die Verkehrsministerkonferenz vom 10. bis 11. April in Flensburg - haben am Donnerstag in Kiel Meyer und der Hamburger Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) geschworen, mit einer Stimme die Interessen des Nordens zu vertreten. Was kürzlich zwischen Regierung und Opposition im Landtag wegen kleinlicher parteipolitischer Wichtigtuerei nicht funktioniert, wurde nun auf der Ebene Kiel-Hamburg besiegelt: Gemeinsam traten die beiden Küstenländer dem Verein "Initiative Kiel-Canal" bei. Sie war Ende 2012 von Lotsen, Maklern und Reedern sowie der Industrie und Handelskammer Schleswig-Holstein (IHK) gegründet worden. Inzwischen gehören dem Bündnis auch die Handelskammer Hamburg und die Häfen Kiel, Hamburg und Brunsbüttel an.

Für Industriestandort Deutschland unverzichtbar

Ziel ist es, auf Bundesebene deutlich zu machen, dass der NOK für den Industriestandort Deutschland unverzichtbar ist und der Investitionsstau von 1,3 Milliarden Euro schleunigst behoben werden muss. Dabei betonten sowohl Horch und Meyer als auch Vereinsgründer Jens Broder Knudsen, dass die vom Berliner Verkehrsministerium angedeutete zeitliche Abfolge - erst die Schleuse in Brunsbüttel und anschließend - also ab 2021 - die Kanalbegradigung und die Schleusensanierung in Kiel-Holtenau, nicht akzeptabel ist. "Wir brauchen nicht nur ein gezieltes Management, damit wir die Jahre bis zur Fertigstellung der neuen Schleuse in Brunsbüttel überstehen, sondern auch schleunigst den Ausbau der NOK-Ost strecke", sagte Horch, der mehrfach betonte, der Kanal sei Teil der Hamburger Hafenstrategie.

Schon jetzt beträgt laut Horch die Durchfahrtszeit für große Schiffe deutlich mehr als die üblichen sieben Stunden, weil vor engen Kurven, die keinen Gegenverkehr mehr zulassen, erhebliche Wartezeiten in den Weichen ent stehen. "Das ist nicht mehr zeitgemäß, die Schiffe brauchen dadurch teilweise zehn Stunden. Das ist viel zu lang", so Horch. Er habe auch deshalb ein gesteigertes Interesse an der Funktionsfähigkeit des NOK, weil wöchentlich rund 125 Feederschiffe Container von Hamburg via Kanal gen Osten transportieren. Dass zusätzlich zu den Problemen mit der Elbvertiefung und der schwächelnden Weltkonjunktur - " die Lage ist nicht mehr so komfortabel, und die Schifffahrtskrise wird noch zwei Jahr andauern" - jetzt auch der Kanal Probleme bereitet, sei mehr als misslich, so Horch.

"Dummerweise liegen alle Schäden unter Wasser"

IHK-Geschäftsführer Jörn Biel erinnerte daran, seine Institution habe schon seit 20 Jahren vor dem Kanalkollaps gewarnt. Wohl auch, weil die Mängel nicht sichtbar sind - "dummerweise liegen alle Schäden unter Wasser" - , und weil der Kanal in Berlin keine Lobby hat, sei zu spät reagiert worden. Kaiser Wilhelm II. habe die künstliche Wasserstraße vor 100 Jahren samt Schleusen in sieben Jahren erbaut - daran sollten sich die Verantwortlichen messen. Allein, denen fehlt laut Meyer das Personal. Durch die ständigen Reformen der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sind Planer und Ingenieure in der Behörde inzwischen Mangelware.

Untergehen wird das Thema Kanalsanierung auf der maritimen Konferenz mit seinen Workshops auf keinen Fall, versicherten Horch und Meyer. Stand dieses Tête-à-Tête bislang im Verdacht, nur eine Quasselbude zu sein, bei der kaum etwas Substanzielles herauskommt, so will man dieses Mal Dampf machen. Wohl wissend, dass die entscheidenden Weichen nicht auf der Konferenz in Kiel, sondern im Berliner Kabinett und im Bundestag gestellt werden, hängte Horch die Messlatte für den künftigen Investitionsplan schon mal höher: "Der Lackmustest für die Politik wird der Haushalt 2014 sein, in dem ein Sonderprogramm von 100 Millionen Euro pro Jahr zur Sanierung des NOK stehen muss".

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