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Unglück vor Helgoland : Der Funkverkehr aus dem Orkan - Aufzeichnungen aus dem Jahrbuch der DGzRS von 1968

vom
Aus der Onlineredaktion

Meterhohe Wellen, Wind in Orkanstärke und tosende See. Der Funkverkehr zwischen den Rettern und den Havaristen.

Der Funkverkehr - Aufzeichnungen aus dem Jahrbuch 1968

Der Funkverkehr, der zwischen dem Seenotkreuzer, der Küstenfunkstelle Norddeich Radio und dem holländischen Fischkutter geführt wurde, während beide Schiffe im Orkan und bei einsetzender Dunkelheit versuchten die Rettung durchzuführen, ist auf Tonband aufgezeichnet worden. Der Wortlaut, vom Zeitpunkt des Eintreffens des Rettungskreuzers, ist wie folgt:

Bermpohl: Ja, Norddeich, wir sind jetzt bei dem Kutter, ich habe ihn gerufen, aber er antwortet nicht – nun wissen wir nicht, ob die Leute von Bord wollen oder ob wir versuchen sollen, ihn zu schleppen – nicht? Weiß nicht, ob wir zu dicht dran sind, dass er uns deshalb nicht hört – oder wir ihn nicht hören. – Können Sie mal mit ihm sprechen? Vielleicht hört er Sie besser.

Norddeich: Er hat Sie bereits gesehen, er sagte mir zum Schluss, er hat Sie bereits gesehen – Sie sind ganz nahe – aber ich werde ihn mal fragen – Hallo – Bürgermeister van Kampen – hören Sie mich?

Kampen: Wir verstehen Sie.

Norddeich: Bitte wiederholen Sie.

Kampen: Wir verstehen Sie.

Norddeich: Ja, das ist das Rettungsboot – das ist das lifeboat – wollen Sie von Bord oder soll das Boot schleppen – schleppen – towed or would you leave the ship?

Kampen: Das weiß ich niet, das weiß ich noch niet – wir können auch … (Störung) … biet mehr ver …(Störung) … nach Helgoland.

Norddeich: Bitte wiederholen Sie, wollen Sie von Bord geholt werden oder wollen Sie nach Helgoland geschleppt werden – did you want to tow to Helgoland?

Kampen: Bermpohl schleppen … wir haben … voll Wasser und der muß raus …

Norddeich: Bitte wiederholen Sie.

Kampen: … (unverständlich) …

Norddeich: Ja, Bermpohl, also ich kann den guten Mann nicht verstehen – haben Sie was verstanden?

Bermpohl: Nein, Norddeich Radio, ich hab´da nichts verstanden.

Kampen: Dat ist möglich, dat de Rettungsboot Bermpohl – dat he vorausdampft – habt das verstanden?

Norddeich: Verstanden – Achtung Bermpohl – ich glaube, er will, dass Sie vorausdampfen – er will hinterherkommen.

Bermpohl: Ja, das haben wir gut verstanden, hinterherdampfen … (Störung) … ja, wir sollen ihn nach Helgoland reinbringen. Ja, das ist in Ordnung – wie ist das mit dem anderen Kutter, mit J.C. Wrieden, ist da was unterwegs?

Norddeich: Bürgermeister van Kampen– einen Moment bitte – ja Bermpohl – da haben eben beide gesprochen – der Kutter und Sie – aber ich habe ungefähr beide verstanden – also Sie würden ihm jetzt vorausdampfen – ich sage ihm Bescheid, dass er Ihnen folgen soll – ja? Wenn Schwierigkeiten sind, dann höre ich ja hier mit – Bürgermeister van Kampen – Adolph Bermpohl hat verstanden – er dampft Ihnen voraus – er fährt vor Ihnen nach Helgoland – Bermpohl – noch mal Frage ob verstanden?

Kampen: Ich dampfe hinterher … (Störung) … ich dampfe genau – haben Sie gut verstanden.

Norddeich: Jawohl, gut verstanden. Bermpohl, er hat gut verstanden – er dampft hinterher.

Bermpohl: Ja, in Ordnung … ja, und wenn was ist, dann rufen Sie uns – falls die von Bord wollen, ja?

Norddeich: Ja, ich verstehe – hier läuft gerade noch ein anderer Fall an – ja, also, wenn was ist, ich höre ja mit – schönen Dank – also dann viel Erfolg.

Kampen: Hallo Norddeich, hören Sie mich?

Norddeich: Ich höre – bitte!

Kampen: … umdrehen können wir nicht – dat lifeboat …

Norddeich: Adolph Bermpohl – bitte mal kommen.

Kampen: … (Störung) … die Lotsenboot - … umdrehen können wir nicht … Wind …

Norddeich: Ich habe verstanden – Sie können nicht drehen – einen Moment – ich werde Bermpohl rufen. Bermpohl von Norddeich Radio. Bermpohl von Norddeich Radio. Bermpohl von Norddeich Radio. Bermpohl bitte melden.

Bermpohl: Norddeich – hier Bermpohl – bitte kommen.

Norddeich: Er sagt mir eben, er kann nicht wenden, er kann nicht drehen - es geht nicht.

Bermpohl: Jawohl, wo was Ähnliches hab ích mir wohl gedacht, er ist nicht hinter uns hergekommen – wir fahren jetzt wieder ran an den Kutter.

Norddeich: Was schlagen Sie denn vor?

Bermpohl: Ja – wir können ihn ja auch nicht in Schlepp nehmen, wenn er nicht drehen kann – er kann nicht drehen – ja – dann können wir ihn nicht in Schlepp nehmen.

Norddeich: Ja – verstanden, dann gibt’s also nur: die Leute runterzunehmen. – Dann ist also die einzige Möglichkeit, die Leute herunterzuholen, wenn sie wollen – ja.

Bermpohl: Ja – wenn sie wollen, dann nehmen wir sie mit – und wenn sie nicht wollen? Dann sollen wir nicht (oder dicht) bei liegen bleiben? – Erst mal sehen, wollen erstmal ranfahren.

Norddeich: Ja, verstanden – ich sage ihm Bescheid – Bürgermeister van Kampen: Bermpohl hat verstanden – er kann Sie aber auch nicht in Schlepp nehmen – er wird erstmal zu Ihnen ranfahren – er kommt jetzt auf Sie zu, um die Situation zu klären – over ob verstanden.

Kampen: … (Störung) … over.

Norddeich: Ja, verstanden -  Bermpohl … ich muß mich erst mal um einen anderen Fall kümmern – das geht erstmal so, ja?

Bermpohl: Es geht so – wir sind gleich ran – wir sind auf 200 Meter ran – tschüss dann. –

Norddeich: Ja, tschüss – ja. Wenn´s kritisch wird, ruft man ruhig dazwischen – aber nur wenn´s kritisch wird.

Bermpohl: Bürgermeister van Kampen – wollen Sie das Schiff verlassen? Do you want to leave the ship – or what … to do? Please come.

Kampen: Wir wollen das Schiff verlassen.

Bermpohl: Haben wir verstanden – Sie wollen das Schiff verlassen – ist das richtig so? over.

Kampen: Ja – wir wollen das Schiff verlassen – wir wollen das Schiff verlassen – over.

Bermpohl: Ja – ist in Ordnung – wir werden eine Leine rübergeben – wir werden achtern rankommen und – ich melde mich gleich wieder – wir besprechen eben die Lage – wir besprechen eben die Lage – und dann melde ich mich wieder – hören Sie?

Kampen: Ja – das ist gut gehört – Sie melden sich wieder.

Bermpohl: Ja – wir melden uns gleich wieder.

Bermpohl: Bürgermeister van Kampen – hören Sie mich?

Kampen: Gut verstanden – over.

Bermpohl: Ja – wir setzen unser Tochterboot aus – wir setzen unser kleines Tochterboot aus und kommen damit achtern ran – nicht? – binden Sie bitte Schwimmwesten um und dann nehmen wir Sie von Bord mit unserem Tochterboot – mit unserem kleinen Boot vom Achterdeck kommen wir an Sie heran – achtern – haben Sie verstanden?

Kampen: Ja, dat hab ich gut verstanden – Sie kommen mit de kleine Boot – holen uns ab - … mit kleene Boot holt Sie uns ab – hab ich dat gut verstanden?

Bermpohl: Ja – haben Sie richtig verstanden – seien Sie vorsichtig und nehmen Sie Schwimmwesten um – binden Sie Schwimmwesten um.

Danach haben die Seenotretter offensichtlich die Bergung eingeleitet.  

 
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erstellt am 22.Feb.2017 | 14:29 Uhr

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