Den Pokal im Visier – den HSV im Hinterkopf

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Im Kreispokal-Finale zwischen Gettorf und Rotenhof sind auch die Bundesliga-Profis ein Thema

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20. Mai 2015, 15:22 Uhr

Der Sonnabend ist für Dennis Bienwald in doppelter Hinsicht ein besonderer Tag. Um 15 Uhr trifft sein TuS Rotenhof im Finale des Kreispokals auf den Ligakonkurrenten Gettorfer SC, eine halbe Stunde später wird im Hamburger Volkspark das „Abstiegs-Endspiel“ des HSV gegen Schalke 04 angepfiffen. Wie so viele Amateurkicker Schleswig-Holsteins, ist auch der Rotenhöfer Mittelfeldspieler glühender Fan des Bundesliga-Dinos.

Die Frage, wo er denn am Sonnabendnachmittag mit seinen Gedanken sei, ist für den 21-Jährigen allerdings eine nicht ganz so brisante. Bienwald ist für das Pokalfinale aufgrund einer Roten Karte im Viertelfinale gesperrt. Die Freude darüber, dass er sich somit parallel über den aktuellen Stand in der Bundesliga informieren kann, hält sich jedoch in Grenzen. „Ich hätte lieber gespielt, um der Mannschaft auf dem Platz zu helfen“, sagt er. Es wäre sein letztes großes Spiel für den TuS Rotenhof gewesen. Nach 15 Jahren verlässt er den Verein im Sommer und wechselt zum Verbandsliga-Aufsteiger Büdelsdorfer TSV. „Dieser Schritt ist mir nicht leicht gefallen. Schließlich habe ich in Rotenhof mit dem Fußball angefangen“, verrät er.

Nach einigen vergeblichen Versuchen in der Vergangenheit hatte das Werben des BTSV in diesem Jahr Erfolg. „Ich wollte mal etwas Neues machen und gerne weiter in der Verbandsliga spielen“, begründet Bienwald seine Entscheidung. Umso enttäuschter ist er, dass er am Sonnabend zum Zuschauen verdammt ist. „Ich werde sicherlich öfter mal aufs Handy schauen“, gibt er indes zu. Aber der Fokus liege ganz klar auf dem Pokalspiel seines Teams. „Die HSV-Fans in unserer Mannschaft können die Bundesliga schon ausblenden. Wir wollen zum Abschluss diesen Titel holen“, zerstreut er Zweifel, ob der eine oder andere TuS-Akteur abgelenkt sein könnte.

Um den Traum vom Pokalgewinn Wirklichkeit werden zu lassen, bedürfe es einer konzentrierten Leistung, besonders vor dem Tor. „Wir müssen einfach unsere Chancen nutzen. Das war eines unserer Hauptprobleme in dieser Saison“, sagt Bienwald. Zudem müssen seine Mannschaftskameraden die Kreise von Gettorfs Top-Stürmer Yannick Wolf einengen und natürlich: „Kämpfen bis zum bitteren Ende.“ Vor einer Entscheidung im Elfmeterschießen hat Bienwald im Übrigen keine Angst und glaubt, dass auch seine Mitspieler mit starken Nerven ausgestattet sind: „Wir haben in den beiden letzten Runden ja gute Erfahrungen damit gemacht und mit Stefan Johannsen eine Katze im Tor (gegen Vineta Audorf und den Osterrönfelder TSV gewann Rotenhof jeweils nach Elfmeterschießen, d. Red.).“

Auf die „Lotterie vom Punkt“ will es Trainer Thomas Gosch aber gar nicht erst ankommen lassen. „Da ist auch immer eine Menge Glück im Spiel. Es wäre schön, wenn wir das vorher klar machen könnten.“ Die Generalprobe vor zwei Wochen misslang zwar, der TuS verlor das Punktspiel in Gettorf mit 1:3, dennoch sieht Gosch sein Team nicht chancenlos. „Wir haben trotz der Niederlage nicht schlecht gespielt. Lediglich vor dem Tor waren wir zu harmlos. Und bei den wenigen Chancen standen wir uns oft selbst im Weg. Das erinnerte teilweise schon an Slapstick-Einlagen.“ Doch anstatt sein Team schwach und den Gegner womöglich stark zu reden, verweist der Rotenhöfer Coach viel lieber auf den 2:0-Hinspielsieg Ende Oktober vergangenen Jahres. „Da hat man gesehen, dass Gettorf schlagbar ist. Der GSC verfügt zwar über die besseren Individualisten, aber wenn wir als Mannschaft dagegen halten, ist alles möglich. Dann können wir aus einer schlechten Saison mit dem Abstieg doch noch eine gute mit einem Pokalgewinn machen. Dafür müssen aber alle alles geben. Wenn auch nur einer nicht an seine Leistungsgrenze geht, haben wir keine Chance. Aber ich bin da ganz zuversichtlich.“

Und der jüngste Auftritt der Gettorfer, die morgen aller Voraussicht nach mit Boy Bröckler (Muskelverletzung) auf einen wichtigen Akteur verzichten müssen, sollte den Rotenhöfern zusätzlich als Mutmacher dienen. Mit einem 1:3 im Nachholspiel am Mittwoch beim Heikendorfer SV verspielte der GSC wohl seine letzte Chance auf die Vizemeisterschaft in der Verbandsliga. „Wenn wir gegen Rotenhof so spielen wie in Heikendorf, haben wir keine Chance“, sagt Gettorfs Coach Tim Rogge.

Ein Sieg des TuS im Kreispokalfinale, dazu noch der Klassenerhalt des HSV in der Bundesliga – das wäre dann ganz im Sinne von Dennis Bienwald. Damit dieser besondere Tag für ihn nicht zu einem traurigen wird.

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