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Tag des Hotdogs : Das traumhafte „Enfant terrible“ der Frittenbude

vom
Aus der Onlineredaktion

Schnell gemacht und noch schneller als Junk Food abgestempelt. Zu Unrecht findet shz.de-Redakteur Soenke Schierer.

Ein Hotdog ist ein in ein aufgeschnittenes Brötchen gelegtes heißes Würstchen mit Ketchup oder Senf. Das sagt zumindest der Duden. Aber mal ehrlich – das trifft es doch überhaupt nicht. Wird doch diese schlichte, ja fast schon dröge Wortwahl zur Definition diesem wundervollen „Enfant terrible“ der Lebensmittelbranche nicht im Geringsten gerecht. Verschrien als Junk Food oder geliebt als Nationalgericht – dazwischen geht nämlich fast nichts.

Der 23. Juli 2017 ist in den USA der nationale Tag des Hotdogs. Auch hierzulande freut sich das schnelle Essen stets großer Beliebtheit. Egal, ob als Nationalgericht der Dänen oder in den Eingangshallen eines Möbelriesen aus Schweden. 

Für mich persönlich ist die Sache klar: Ein Hotdog ist so viel mehr, als nur die schnöden Zutaten. Ein Hot Dog ist schlicht alles. Erinnerungen an die Kindheit und zahlreiche Urlaube bei den Nachbarn im Norden. Wurde doch zumeist direkt nach dem Grenzübergang, kurz hinter Flensburg, irgendwo in Krusau die erste Pølser-Bude angesteuert. Schon beim Gedanken an die Zubereitung in den nach nicht mehr ganz frischem Frittenfett riechenden Buden, oft umbaut von durch die Sonne stumpf gewordenen Plastikfenstern als Windschutz, läuft mir noch heute das Wasser im Munde zusammen. Erst das Brot, darin die rød pølse - umschmeichelt von Remoulade, süßem Senf und Ketchup. Verfeinert mit Gurkenscheiben und ristede løg, vorbeigereicht an Eskimo- oder Frisko-Eistafeln.

Oder wie wäre es mit einem schnellen Fransk-Hotdog auf dem Weg an den Strand? Gut zu greifen und praktisch zu transportieren, umhüllt doch das fast rundum geschlossene Brötchen die Wurst, die im Brötcheninneren durch Remoulade oder das typische Fransk-Dressing weich gebettet darauf wartet, verzehrt zu werden.

Hotdogs – das sind für mich zahlreiche bekleckerte T-Shirts als Strafe für die Nichtbeachtung der 45 Grad-Regel. Kennen Sie nicht? Ich erkläre es kurz. Einen Hot-Dog isst man am besten leicht vornübergebeugt in einem Winkel von 45 Grad. Es lässt sich nun mal nicht vermeiden, dass sich Ketchup, Senf oder Gurkenscheiben verselbstständigen. Ein Vornüberbeugewinkel von mindestens 45 Grad verhindert Schlimmeres.

Das Wissen um diese Gefahren brachten mir auch noch Jahre später einen Vorsprung ein. Beim nächtlichen um die Häuser ziehen überkommt einen, wer kennt das nicht, irgendwann die Lust auf einen Nach-Mitternacht-Snack. Eines Tages eröffnete „am Eck“, einer weithin bekannten Straßenecke meiner Heimatstadt, im Herzen des dortigen Kneipenviertels, auch „das ¼“ genannt, ein Hot-Dog-Laden. Ein Euro – ein Hotdog. So schlicht die Rechnung. 24 Stunden, sieben Tage in der Woche. Und wen wundert es, der Laden, wenn auch ohne rote Würstchen und nicht ganz so charmant wie vielleicht eine Bude mit Ostseeblick am Hafen von Ærøskøbing, lief. Und das, obwohl in der Stadt einst mit dem Rollo (bitte nicht verwechseln mit einer türkischen Pizza) die nahezu perfekte Spätmahlzeit erfunden wurde. Nun waren also Hotdogs der heiße Sch***. Und ich beeindruckte auch zu später Stunde mit… Sie ahnen es schon … mit dem Wissen über die 45 Grad-Regel.

Und nicht zu vergessen all die Hotdogs, die jeden Tag in den zahlreichen Filialen einer weltweit bekannten Möbelkette aus Schweden über den Tresen gehen. Dass die Skandinavier stets mit der Zeit gehen, zeigen sie einmal mehr durch die Tatsache, dass es dort mittlerweile auch die vegetarische Variante des eigentlich dänischen Traditionsessens gibt.

Und dann sind da ja noch die Amerikaner mit ihren fuchsteufelswilden Hotdog-Kreationen. Sauerkraut, Chili,… you name it! Grad erst hat übrigens ein 32 Jahre alter Kalifornier namens Joey Chestnut, seines Zeichens Serien-Champion im Hotdog-Wettessen, einen neuen Rekord aufgestellt. 70 Hotdogs in zehn Minuten.

Ganz so gierig bin ich persönlich dann aber auch wieder nicht. Zwei hintereinander müssen es schon sein. Spätestens nach vieren ist dann aber Schluss. Man will sich ja schließlich nicht überessen und die Vorfreude auf den nächsten Ausflug mit dem Ziel Pølser-Bude vermiesen.

In diesem Sinne... guten Appetit.

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erstellt am 23.Jul.2017 | 11:42 Uhr

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