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11. Dezember 2017 | 05:41 Uhr

Rückenschmerzen : Das Kreuz mit dem Kreuz

vom

Rückenschmerzen werden zur Volkskrankheit. Doch in nur 20 Prozent der Fälle lässt sich eine körperliche Ursache finden. Ein Kommentar von Margret Kiosz.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2013 | 10:31 Uhr

Fast alle Deutschen kennen das Stechen im Kreuz.16 Millionen Menschen lassen sich jedes Jahr wegen ihrer Rückenschmerzen beim Arzt behandeln. Beim Orthopäden folgt dann oft Ernüchterung: Selbst teure Untersuchungen im MRT bringen keinen konkreten Befund. Man findet keinen eindeutigen körperlichen Defekt, der die Schmerzen erklären könnte. 80 Prozent aller Rückenleiden sind "unspezifisch", wie Fachleute sagen. Mechanistisches Denken hilft hier nicht weiter: Die Schmerzen lassen sich durch einen Eingriff an der Bandscheibe in der Regel nicht einfach wegoperieren.
Anders als bei Hüfte oder Knie ist nämlich bei Rückenbeschwerden oft die Psyche mit im Spiel. Schließlich wirkt das Gehirn via Rückenmark bis in die Wirbelsäule. Instinktiv wissen wir das längst. Begriffe wie "Haltung bewahren", "Rückgrat zeigen" und "sich nicht hängen lassen" gehören zum allgemeinen Sprachgebrauch. Der Rücken ist offensichtlich eine sehr sensible Gegend und zeichnet ein Bild der Seele. Wird deren Gleichgewicht durch Probleme in Beruf, Familie oder Partnerschaft gestört, reagiert oft das Kreuz. Wer zum Beispiel im Job ständig unter Zeit- und Erfolgsdruck steht, mit der Arbeit unzufrieden und überfordert ist und Ärger mit dem Chef oder Kollegen hat, kann ein Lied davon singen. Da helfen weder ergonomisch wertvolle Bürostühle noch besonders gefederte Lkw-Sitze - Anspannung und Verspannung bleiben.
Weitsichtige Chefs kümmern sich deshalb um ein gutes Betriebsklima und eine entspannte Arbeitsatmosphäre - wohlwissend, dass zufriedene Mitarbeiter körperliche Beschwerden besser wegstecken und sich seltener "wegen Rücken" krank melden. Unzufriedene hingegen - das hat die Wissenschaft längst bewiesen - nehmen Schmerzen sehr viel schneller wahr. Fazit: Lob, Rückendeckung und Aufmerksamkeit für Sorgen und Nöte ihrer Mitarbeiter kommt die Chefs allemal günstiger zu stehen als gelbe Scheine und viele teure Fehltage.

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