Internetwirtschaft : Das Geschäft mit den Gratis-Flirts

Ein fast schon klassisches Geschäftsmodell im Internet sind Partnerbörsen. Ein Start-Up aus Hamburg hält jetzt mit einem neuen Gratismodell dagegen.

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13. Dezember 2011, 10:45 Uhr

Hamburg | Millionen Deutsche suchen online nach der großen Liebe oder einer schnellen Nummer. Kuppel-Hilfe versprechen Partnerbörsen und Single-Treffs im Internet - meist gegen Gebühren, die durchaus 30 oder 50 Euro im Monat betragen können. Ein Start-up aus Hamburg will nun den Markt aufmischen. Mit Flirts, die zumindest auf den ersten Blick nichts kosten. Als Investor ist die Fernseh-Kette ProSiebenSat.1 an Bord.

Erst zahlen, dann flirten, heißt auf vielen Flirtportalen die Devise. Der Branche ist es gelungen, den Nutzern die oft im Netz vorherrschende Gratis-Mentalität auszutreiben. 175 Millionen Euro werde die Kuppel-Branche 2011 allein in Deutschland umsetzen, prognostiziert das Vergleichsportal online-partnersuche.de - ein lukratives Geschäft.

Doch neben den Singlebörsen, wo sich zahlende Nutzer mit Profil und Foto präsentieren, etablieren sich neue Anbieter mit anderen Geschäftsmodellen. Sie verlangen keine Abo-Gebühren und finanzieren sich nicht allein über Werbung, sondern nehmen stattdessen für bestimmte Sonderleistungen Geld.

Virtueller Diamantring vom Verehrer

Die Macher des Internet-Portals MeetOne aus Hamburg setzen ebenfalls auf so ein Gratis-Modell. Das Kalkül, auf das auch andere Portale setzen: Wenn aus der Masse der Nutzer nur ein paar Geld ausgeben, kommt eine stattliche Summe zusammen. Ein Modell, das sich in der Spielebranche längst bewährt hat. Und von dort kommt auch Geschäftsführerin Mila Sukhareva, die beim in Hamburg ansässigen Spieleanbieter Bigpoint tätig war.

Dabei versucht MeetOne nicht, als reine Baggerbörse dazustehen. "Es gibt Millionen Singles, die auf der Suche nach einem Partner das Internet nutzen. Aber noch mehr wollen einfach nur Leute kennenlernen", sagt Mitgründer Nils-Holger Henning, ebenfalls ein langjähriger Bigpoint-Manager. "Wir haben einen viel weiteren Markt im Blick." Also auch Leute, die nur einen Jogging-Partner suchen. Einen virtuellen Diamantring als Geschenk an den oder die Verehrte gibt es natürlich trotzdem.

Seit dem Start vor etwa sechs Monaten haben sich rund 200.000 Nutzer registriert, binnen zwölf Monaten will die Plattform zwei Millionen Mitglieder haben. Und ein neuer Geldgeber soll helfen, die Marke bekannter zu machen: Die TV-Kette ProSiebenSat.1 hat über ihre Tochter Seven Ventures 29 Prozent der Hamburger Firma übernommen. Das Investment dürfte im Millionenbereich liegen. Einen Teil davon bezahlt der Konzern mit Werbespots. Das soll MeetOne helfen, die kritische Masse zu erreichen - damit das Gratis-Modell Umsatz abwirft.

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