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19. Oktober 2017 | 02:37 Uhr

Das Fußballfeld der Inklusion

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schleswig-Holsteinischer Fußballverband gibt mit dem Angebot „Dribbeln ohne Limit“ einen Einblick in Sport mit behinderten Menschen

shz.de von
erstellt am 14.Mär.2015 | 13:44 Uhr

Die Zuwachsra-ten, die der Präsident des Rehabilitations- und Behindertensportverbandes (RBSV), Wolfgang Tenhagen, nennt, sind beeindruckend: „Im Jahr 2010 haben wir in Schleswig-Holstein die 10  000-Mitglieder-Marke geknackt, laut aktueller Mitgliederstatistik ist diese Zahl auf zurzeit 27  200 angewachsen.“ Es ist also höchste Zeit, dass sich Sportvereine stärker für diese neuen Mitglieder öffnen. So leistet das Seminar „Dribbeln ohne Limit“, eine Einführung in den Behindertenfußball, einen Beitrag, dass der Trend zur Inklusion, dem Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung, weiter wachsen kann. Rund 20 Fußballtrainer erfuhren im Uwe Seeler Fußball Park mehr über den Umgang mit behinderten Menschen im Sport.

Auch der Lehrwart des Kreisfußballverbandes Ostholstein, Klaus Bischoff, wollte mehr über das Thema wissen. „Wir wollen das Thema Inklusion auch in die Trainerausbildung aufnehmen“, sagte Bischoff, der sich auch beruflich mit körperlich und geistig behinderten Kindern beschäftigt. „Es gibt jedes Jahr Anfragen, ob nicht vielleicht ein Kind noch ein Jahr in der E-Jugend bleiben darf, obwohl es vom Alter her in die D-Jugend wechseln müsste“, gibt Bischoff einen Einblick in die Praxis. Konkrete Informationen gaben die Referentinnen Angelika Carstensen (Holländerhof Flensburg) und Maike Rotermund (Integrativer Sportverein Norderstedt), die einen Einführung in das Thema gaben.

Mehr über den alltäglichen Umgang mit Menschen mit Behinderung erfuhren die Teilnehmer in der Praxis, als Frank Lunau, Fußball-Abteilungsleiter der BSG Eutin, einige Spielerinnen und Spieler beim gemeinsamen Training vorstellte. „Frank Lunau hatte alles im Griff. Konzentriert und mit großer Leidenschaft führte er alle Sportler durch die Einheit“, meinte Teilnehmer Stergios Stavropoulos vom TSB Flensburg. ,,Wir sind hier, weil wir uns verbessern und viel Spaß haben wollen“, kündigte Lunau vor der Einheit an. Einfache Laufformen, Passspielübungen sowie Passspielvarianten, Kleinfeldfußball und das Spiel auf dem großen Feld bestimmten das Programm, das allen gerecht wurde.

Die BSG Eutin verfügt über viele Erfahrungen im Umgang mit behinderten Sportlern. So waren die B-Jugendfußballer der SG Eutin/Malente im vergangenen Jahr Testgegner für die Schleswig-Holstein-Auswahl der „Menschen mit geistiger Behinderung“, die bei den deutschen Meisterschaften auf Anhieb Vizemeister wurde. Im Erwachsenenbereich startete die BSG Eutin in der vergangegen Saison ein Projekt mit einer Inklusionsmannschaft im regulären Spielbetrieb.

Der Uwe Seeler Fußball Park ist nicht nur Verbandssportschule des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes, sondern auch Leistungsstützpunkt des RBSV. „Der Gesundheitssport wird zum größten Teil von den Krankenkassen finanziert. Wenn das Angebot passt, sind aber Reha-Maßnahmen der Ausgangspunkt für mehr, dann bleiben die Sportler auch nach der vorgegebenen Zahl der Anwendungen in der Gruppe und werden reguläre Vereinsmitglieder“, sagt Wolfgang Tenhagen. In Schleswig-Holstein sind etwa 200 Leistungssportler zu Hause, die bei deutschen, Europa- und Weltmeisterschaften oder Paralympics starten, schätzt Tenhagen. Neben Fußball sind die Athleten in den Sportarten Schwimmen, Leichtathletik, Tischtennis und Rollstuhlbasketball aktiv. Am 25. April soll es eine Premiere geben, ein Fuß-ball-Länderspiel zwischen Deutschland und Dänemark in Schleswig. „Obwohl wir dafür noch keine große Werbung gemacht haben, ist das Interesse schon jetzt beachtlich“, sagt Tenhagen.

„Es bleibt dabei: Inklusionsfußball ist ein immer größer werdendes Thema, das in Zukunft noch mehr Interessenten in den Uwe Seeler Fußball Park Malente ziehen wird. In gut einem Jahr wird man sehen, wie gut die primären Ziele der ersten Veranstaltung umgesetzt wurden“, sagte Teilnehmer Stergios Stavropoulos.

Wolfgang Tenhagen sieht die Inklusion als langfristiges Projekt: „Es kommt darauf an, die Übungsleiter und Betreuer für den Umgang mit behinderten Menschen zu sensibilisieren.“

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