Immer mehr Autos : Das Dilemma auf den Straßen

Die Zahl der Autos wächst, ein Gegenmittel ist nicht in Sicht. Aber kann ein Bundesland am Rande der Pleite überhaupt ein Nahverkehrsparadies werden? Ein Kommentar von Frank Albrecht.

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27. März 2013, 10:24 Uhr

Tankstelle, Werkstatt, Versicherung, Finanzamt - Autofahren ist teuer. Es schadet der Umwelt, ist häufig nervenaufreibend und obendrein nicht ungefährlich. Rund 3600 Verkehrstote pro Jahr in Deutschland sprechen eine deutliche Sprache. Vieles spricht dagegen, sich ein Auto anzuschaffen. Und dennoch werden es immer mehr. In Schleswig-Holstein liegen die Zuwachsraten sogar über dem Durchschnitt im Rest der Republik. Das Land zwischen den Meeren eine Hochburg der Autonarren?

Ganz sicher nicht. Natürlich fahren auch in Schleswig-Holstein viele Menschen ein Auto, weil sie es wollen. Die Mehrheit aber muss - vor allem auf dem platten Land geht es kaum ohne. Busse und Bahnen fahren auch im Norden, aber eine echte Alternative zum Auto bieten sie nicht. Wer abseits der Hauptverkehrsrouten wohnt, kennt Linienbusse oder Bahnhöfe nur aus Erzählungen.

Was verständlich ist. Ein dichtes Nahverkehrsnetz wäre in unserem dünn besiedelten Flächenland nur unter großen Mühen finanzierbar - leere Busse bringen keinen Umsatz, geschweige denn Gewinn. Daran wird wohl auch die Strategie der Landesregierung so schnell nichts ändern. Die Küsten-Koalition will langfristig ihren Verkehrsetat umschichten: In den Ausbau der Bus- und Bahnverbindungen soll mehr Geld fließen, in den Straßenbau weniger. Ein nobles Ziel, denn die weiter anschwellende Autoflut ist auf Dauer nicht zu verkraften. Schon jetzt gibt es auf den 533 Autobahn-Kilometern in Schleswig-Holstein jährlich Staus in einer Länge von mehr als etwa 17.000 Kilometern.

Aber kann ein Bundesland am Rande der Pleite tatsächlich ein Nahverkehrsparadies werden? Wohl kaum. Was bleibt, ist die Kreativität und Bereitschaft der Bürger, ihren Alltag anders zu organisieren. Carsharing, Bürgerbusse und Fahrgemeinschaften sind da schon mal ein Anfang.

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