Kommentar : Danish Angst

Mit ihrem Beschluss, die Grenzkontrollen wieder einzuführen, haben die Dänen sich und vor allem Europa ein massives Problem eingehandelt, glaubt Redaktionsmitglied Michael Stitz.

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07. Mai 2011, 10:00 Uhr

Wenn es um absurde Ängste geht, hatten die Deutschen bisher immer die Nase vorn. "German Angst" ist zum stehenden Begriff dafür geworden. Nun versuchen unsere dänischen Nachbarn, uns den Rang abzulaufen im Wettstreit um aufgeblasene Befürchtungen. Mit dem Beschluss der dänischen Regierungsparteien, wieder Grenzkontrollen einzuführen, um sich vor Verbrechern zu schützen, haben die Dänen aber mehr erreicht, als nur Kopfschütteln über ihre schwer nachzuvollziehenden Ängste. Sie haben sich und vor allem Europa damit ein massives Problem eingehandelt. Die Kosten von rund 20 Millionen Euro für die Wiedereinführung der Grenzkontrollen sind dabei noch das kleinste Übel. Der Schaden, den sie dem reibungslos laufenden und deshalb so erfolgreichen Grenzverkehr einhandeln, wiegt schon deutlich schwerer. Das Gefühl, gerade im grenznahen Norden, von einer immer größeren und verständnisvolleren Nähe zwischen Deutschen und Dänen, wird mit den Schlagbäumen spürbare Blessuren erleiden.
Für Europa muss die Entscheidung in Dänemark ein rabenschwarzer Tag sein. Da tröstet es wenig, wenn man weiß, dass es die rechtspopulistische Dänische Volkspartei war, die mit einem erpresserischen Handel den Kontrollbeschluss erstritten hat. Denn es sind auch die EU-Politiker, die in den letzten Tagen und Wochen nicht müde wurden, das Schengen-Abkommen und damit die europäische Idee des Zusammenhalts zu relativieren. Mit Blick auf afrikanische Flüchtlinge wurde gern von zeitlich begrenzten Kontrollen als Lösungsmodell für unliebsame Zuwanderung gesprochen. Diese Sicht machen sich nun die Dänen zu eigen. Egal wie berechtigt oder nicht dies sein mag. Absurde Ängste haben keine Logik - aber verheerende Folgen.
(sti, shz)

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