Comeback der Kappelner Ministadt

Man muss schon genau hinsehen: Nicht die reale Stadt, sondern nur das Modell der   'Skyline Kappeln' wurde hier fotografiert.  20 Langzeitarbeitslose hatten  in  drei Jahren unter  Leitung des damaligen  Ausbildungsleiters der Kreishandwerkerschaft, Hans-Hermann Stütz, das Abbild der Schleistadt  angefertigt - damals noch mit Drehbrücke. Foto: Stütz
Man muss schon genau hinsehen: Nicht die reale Stadt, sondern nur das Modell der "Skyline Kappeln" wurde hier fotografiert. 20 Langzeitarbeitslose hatten in drei Jahren unter Leitung des damaligen Ausbildungsleiters der Kreishandwerkerschaft, Hans-Hermann Stütz, das Abbild der Schleistadt angefertigt - damals noch mit Drehbrücke. Foto: Stütz

850 000 Euro teures Modell von 1996 kehrt von der "Tolk-Schau" zurück und findet in der Stadtpassage eine neue Heimat

shz.de von
14. Dezember 2011, 07:07 Uhr

Kappeln | Mehr als achteinhalb Jahre hatte Kappeln so etwas wie eine Mini-Außenstelle in Tolk. So lange nämlich war das Ende der neunziger Jahre entstandene Modell "Skyline Kappeln" im Freizeitpark "Tolk-Schau" untergebracht. Dort, rund 25 Kilometer von seiner Heimat entfernt, versuchte das Abbild Besucher für sein großformatiges Pendant zu begeistern. Vor der Zwischenstation in Tolk war das Modell bereits für wenige Jahre in Ellenberg zu Hause, jetzt hat es den Weg nach Kappeln zurückgefunden. In dieser Woche soll es in den Räumen von Möbel Sander in der Stadtpassage aufgebaut werden.

Rückblick: Die Arbeiten am Modell "Skyline Kappeln" begannen 1995. Im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme konnten 20 Langzeitarbeitslose in den Lernwerkstätten der Kreishandwerkerschaft in Schleswig zeigen, wo ihre Talente liegen. Maler, Elektriker, Tischler arbeiteten mit Unterbrechungen drei Jahre lang an dem Projekt, errichteten Häuser aus Sperrholz, Bäume aus Blumenwickeldraht, die Drehbrücke aus Messingprofilen. Herausgekommen ist ein 1:1-Abbild der Kappelner Hafenszenerie aus dem Jahre 1996. Vor ziemlich genau 13 Jahren überließ die Kreishandwerkerschaft das Modell im Maßstab 1:50 der Stadt. In der Überlassungsurkunde an den damaligen Bürgermeister Udo Rust war allerdings die klare Auflage definiert, die "Skyline" in der Stadt oder im näheren Umkreis öffentlich zugänglich zu präsentieren. Und weiter: "Eine Veräußerung oder eine dauerhafte Verlagerung außerhalb des näheren Bereichs von Kappeln ist ausgeschlossen." Auch deshalb fiel die Wahl bei der Frage nach der Unterbringung des 8,50 Meter mal 6,50 Meter großen und insgesamt 850 000 Euro teuren Modells zunächst auf die Marinewaffenschule in Ellenberg - jedoch eine von vornherein kurzfristig ausgelegte Planung, immerhin war das Ende der Waffenschule in ihrer ursprünglichen Funktion Ende 1998 bereits besiegelt. Da kam das Angebot der "Tolk-Schau", das Model ab April 2003 angemessen zu präsentieren, gerade recht. Geschätzte 200 000 Besucher sind seitdem jährlich an der Mini-Stadt vorbeimarschiert, haben Bekanntes oder Vergessenes, auf jeden Fall aber ein detailgetreues Kappeln mit leuchtenden Straßenlaternen und einer funktionsfähigen Drehbrücke entdeckt. Jetzt allerdings muss Kappeln weichen, Schleswig braucht Platz, ebenfalls eine Mini-Stadt, die die Domstadt im 16. Jahrhundert zeigen wird.

Treibende Kraft des "Skyline"-Projektes damals wie heute: Hans-Hermann Stütz, Ausbildungsleiter der Kreishandwerkerschaft und gebürtiger Kappelner. Und auch wenn Stütz längst nicht mehr berufstätig ist, hat ihn sein inzwischen 16 Jahre altes Modell nie richtig losgelassen. "Es ist so etwas wie ein zeitgeschichtliches Dokument, das wir geschaffen haben", sagt Stütz. "Und mein Herz hängt auf jeden Fall daran." Und auch wenn er überzeugt ist, dass seine "Skyline" in der "Tolk-Schau" bestens zur Geltung kam, ist er über die aktuelle Entwicklung nicht nur traurig. "Ich finde, das Modell passt einfach gut nach Kappeln." Kein Wunder also, dass er, so erzählt er, in der vergangenen Woche bereits 70 Häuser in Tolk abgebaut und nach Kappeln geholt hat, in dieser Woche soll der Aufbau in den Möbel-Sander-Räumen in der Stadtpassage beginnen.

Auf leuchtende Straßenlampen und eine Drehbrücke in Aktion müssen die Besucher allerdings verzichten - dieser Aufwand ist schlicht nicht zu stemmen. Aber, so verspricht Hans-Hermann Stütz: "Ich werde schon dafür sorgen, dass das Ganze mit Liebe hergerichtet wird."

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