Eklat um Kritik an SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti : Clements Abrechnung

Wolfgang Clement wollte seiner Partei mit seinen Äußerungen zur Atompolitik mitten in der heißen Phase des hessischen Wahlkampf offensichtlich schaden, glaubt Markus Grabitz.

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21. Januar 2008, 08:12 Uhr

Kein Wunder, dass SPD-Fraktionschef Peter Struck nach Parteiausschluss ruft: Sieben Tage vor dem Wahlgang in Hessen greift der Genosse Wolfgang Clement massiv die Spitzenkandidatin seiner eigenen Partei in Hessen an. Mehr noch: In einem Wahlkampf, in dem der CDU-Ministerpräsident überraschend mit dem Thema der Inneren Sicherheit in die Defensive geraten ist, macht der ehemalige Parteivize plötzlich mit der Energiepolitik eine neue Front auf. Und wie er das macht! Clement gibt nicht etwa vorsichtig seine Zweifel zu bedenken. Im Klartext warnt er Hessen und das ganze Land: Mit Ypsilanti geht die Wirtschaft den Bach herunter. Das ist schon ein schweres Geschütz.

Dass es Wolfgang Clement dabei allein um die Sache geht, ist schwer zu glauben. Schließlich bezieht nicht Ypsilanti in der Energiepolitik eine gegenteilige Meinung zur SPD-Linie. Es ist Wolfgang Clement, der sich hier vom Atomausstieg, immerhin ein zentrales Element der SPD-Programmatik, verabschiedet. Dass er anderer Meinung in der Atomfrage ist, ist sein gutes Recht. Nur: Clement hätte viel Zeit gehabt, sie zu artikulieren. Oder er hätte mit der Abrechnung in der Atomfrage bis nach der Hessen-Wahl warten müssen.

Nein, Clement macht das Gegenteil. Für seine Attacke wählt er den sensibelsten Zeitpunkt in einem als offen geltenden Wahlkampf - gerade noch rechtzeitig für den "last minute swing". Dies legt nahe, dass ihn andere Motive getrieben haben als die reine Sache. Offenbar hat er es nie verwunden, dass ihm die SPD die Liebe versagt hat. Es hat ihn zutiefst verletzt, dass Kanzler Gerhard Schröder ihn in der Spätphase von Rot-Grün in zentrale Entscheidungen nicht mehr einbezog. Schlimmer noch war für ihn, dass Schröder gemeinsame Sache machte mit Franz Müntefering, den Clement noch nie mochte.

Ganz offensichtlich wollte Clement seiner Partei also schaden. Durch gekränkten Männerstolz hat Roland Koch so unverhofft doch noch einen prominenten Mitstreiter im Wahlkampf bekommen.

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