CDU will Wahl gewinnen - de Jager soll es richten

Sie wollen ihrem neuen Spitzenkandidaten de Jager folgen - das machten CDU-Mitglieder im Norden Schleswig-Holsteins deutlich. Dass ein Sieg bei der Landtagswahl einfach ist, glauben sie aber nicht.

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02. September 2011, 10:16 Uhr

Christian von Boetticher scheint kein Thema mehr zu sein, zumindest wollen an diesem Abend in Tarp (Kreis Schleswig-Flensburg) nur wenige CDU-Mitglieder über ihren gestürzten Hoffnungsträger sprechen. Rund 120 von ihnen sind zur ersten von vier kurzfristig angesetzten Regionalkonferenzen gekommen, bei denen über die aktuelle Situation in der Partei gesprochen und der vornominierte neue Spitzenkandidat und Landeschef Jost de Jager der Basis vorgestellt werden soll.
Die überwiegend älteren Besucher in Tarp möchten den Blick nach vorne richten, auf die Landtagswahl 1212, die sie noch nicht verloren geben, und auf den neuen Mann an der Spitze der Nord-CDU, Wirtschaftsminister de Jager. Sie wollen nicht über die Affäre reden, die die Union im Land in eine schwere Krise stürzte: Die frühere Liebesbeziehung des 40-jährigen von Boettichers zu einer 16-jährigen Schülerin und sein Rückzug aus allen Ämtern und von der Spitzenkandidatur.
"Das wird mit Sicherheit nicht einfach"
"Acht Monate vor der Wahl das Spitzenpersonal auswechseln zu müssen, ist nicht leicht, (.) aber wir haben Handlungsfähigkeit bewiesen", sagte der 46-jährige de Jager, der am 24. September zum Landeschef und am 4. November zum Spitzenkandidaten gewählt werden soll. Ziel sei es, bei der Landtagswahl am 6. Mai 1212 mit Abstand stärkste Partei zu werden. "Das wird mit Sicherheit nicht einfach", sagte er nach der Veranstaltung, aber er habe den Spirit, den Geist gespürt heute Abend, den wir brauchen, um zu siegen".
Er selbst bekannte sich in seiner Rede zum Sparkurs der Landesregierung, zum Ausbau der A20, zur Fehmarnbeltquerung und zur raschen Energiewende. Das Feld Energie dürfe nicht den anderen Parteien überlassen werden, es müsse mit dem "Kürzel CDU" verbunden werden.
"Mit dir als Spitzenkandidat haben wir eine Chance, die Wahl zu gewinnen"
Die vergangenen turbulenten Wochen sprach in der anschließenden Diskussion kaum jemand an. Es ging vielmehr um Bildungspolitik und Biogas, den Verkehr und die unterirdische Lagerung von Kohlendioxid. "Die Leute wollten keine Selbstbespiegelung, sondern sich mit dem Gegner und den Themen auseinandersetzen", sagte de Jager später Journalisten.
"Mit dir als Spitzenkandidat haben wir eine Chance, die Wahl zu gewinnen", ruft einer der Gäste, der de Jager schon lange kennt, ihm zu. Klaus Hansen aus Sieverstedt hingegen war der Wirtschaftsminister nicht so bekannt. "Aber ich finde ihn fantastisch", sagt er am Ende der knapp zweistündigen Veranstaltung. Er sei eine gute Wahl. "Er ist der richtige Mann an der richtigen Position", findet auch Thomas Jepsen aus Dollrottfeld.
Der neue CDU-Fraktionschef im Landtag, Johannes Callsen sagte, der Abend habe einiges deutlich gemacht: Die CDU - zumindest hier im Norden des Landes - blicke optimistisch in die Zukunft. Ob dies in den anderen Landesteilen ebenso ist, wird sich in den kommenden Tagen bei den nächsten Regionalkonferenzen zeigen.

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