Eckernförde : Carlshöhe: Freie Sicht aufs Noor

Baumfriedhof: Auf der Carlshöhe wurden zwischen ehemaligen Kasernengebäuden und Noor viele Bäume gefällt. Foto: peters
Baumfriedhof: Auf der Carlshöhe wurden zwischen ehemaligen Kasernengebäuden und Noor viele Bäume gefällt. Foto: peters

Dutzende Bäume auf Carlshöhe gefällt - offenbar ohne Genehmigung / Bauherr spricht von einem "möglichen Missverständnis"

shz.de von
22. Dezember 2011, 07:10 Uhr

Eckernförde | Das Thema ist heikel: Seitdem an der B 76 für die Erweiterung der Straße viele Bäume gefällt wurden, reagieren die Eckernförder sensibel auf das Verschwinden von Grün. Dann kam die Bahn, die an ihrer Strecke zwischen Hotel Seegarten und Altenhof auch Bäume auf städtischem Land abholzte. Weiter ging es mit zwei Bäumen vor dem Neubau an der Strandpromenade und dem Kahlschlag auf einem Privatgrundstück im Bornbrook.

Und jetzt das: Auf Carlshöhe hat die Motorsäge gekreist. Dutzende Buchen, Eichen, Linden und Kastanien wurden flachgelegt, besonders in Hanglage hinter den Gebäudekomplexen in Richtung Noor. Allein die Bäume, die unter die Baumschutzsatzung fallen, schätzt Michael Packschies, Abteilungsleiter für Naturschutz und Landschaftsplanung der Stadt Eckernförde, nach einer ersten Ortsbegehung auf 30 bis 40. Darunter auch einige mit einem Stammdurchmesser von über einem Meter. "So etwas habe ich während meiner gesamten Zeit hier in Eckernförde noch nicht erlebt", sagt er. Denn: Für die meisten Bäume lag seinen Angaben zufolge keine Fällgenehmigung vor. "Es gibt eine Genehmigung für Bäume unterhalb des ehemaligen Funkmastes der Bundeswehr, aber nicht für die anderen."

Carlshöhe-Investor Wolfram Greifenberg hält sich bedeckt und spricht von einem möglichen Missverständnis. Nähere Angaben wollte er gestern noch nicht machen.

Die gefällten Baumstämme sind derweil unter dem Hang zusammengeschoben worden - Reifenspuren im Matsch zeugen von dem großen Gerät, das hier zum Einsatz kam. Die Arbeiten sind auf Anordnung gestoppt worden.

Laut Übersichtsplan auf der Homepage der Carlshöhe sind dort, wo viele Bäume gefällt wurden, keine Gebäude geplant. Sie liegen nach dieser Darstellung im Sichtfeld der geplanten Parkwohnungen zum Noor.

Das Ordnungsamt darf zum laufenden Verfahren keine Angaben machen, aber auch dort ist man nach eigenen Angaben "sprachlos". Kein Wunder, scheint dieser Fall doch nicht der einzige Verstoß gegen die Baumschutzsatzung auf Carlshöhe zu sein. Zumindest wurde die ehemalige Kaserne auch im Bau- und Umweltausschuss vor zwei Wochen schon einmal in diesem Zusammenhang genannt.

Nach uns vorliegenden Informationen soll zumindest geprüft werden, ob in diesem Fall allein ein Verstoß gegen die Baumschutzsatzung (Bußgeld von bis zu 50 000 Euro) vorliegt, oder ob auch noch Belange des Artenschutzes berührt werden. Darum würden sich dann übergeordnete Behörden kümmern. Hintergrund: Auf Carlshöhe sind neben seltenen Vögeln wie dem Mauersegler auch acht unterschiedliche Fledermausarten heimisch, für die fünf sogenannte Fledermaus-Hotels in Bäume gehängt wurden. "Große Bäume sind die Hauptgrundlage für die Ernährung der meisten heimischen Fledermäuse", sagt Karl-Heinz Andersen, der sich für den Artenschutz auf der Carlshöhe einsetzt. Ob und inwiefern der Bestand der Fledermäuse jedoch durch das Verschwinden der Bäume beeinträchtigt sein könnte, konnte er nicht sagen.

Die Baumfällung wird auch auf kommunaler Ebene noch ein Nachspiel haben, wie Linke-Ratsherr Rainer Beuthel ankündigt: "Wir werden das Thema auf die Tagesordnung der Ratsversammlung heben."

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