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Kieler Woche 2015 : Busfahren bei der KiWo: Welcher Typ sind Sie?

vom
Aus der Onlineredaktion

Nicht jeder Fahrgast ist gleich und schon gar nicht während der Kieler Woche. shz.de analysiert die unterschiedlichen Fahrgasttypen.

shz.de von
erstellt am 24.Jun.2015 | 18:25 Uhr

Kiel | Sie ist lang. Sehr lang sogar. Die Kieler Woche zieht sich ordentlich in die Länge – im geographischen Sinne. Wer nicht gerade Marathonläufer ist, wird es kaum schaffen, alle Ziele per pedes zu erreichen. Da Parkmöglichkeiten auch nur begrenzt vorhanden sind, sind die Stadtbusse während der KiWo mindestens genauso gefragt wie Konzerttickets von Helene Fischer. Während einer solchen Fahrt lässt sich allerhand über die Fahrgäste ableiten, denn nicht jeder ist gleich, wie unser Reporter in einem Selbstversuch festgestellt hat. Eine Typologie.

Der Handysüchtige

 

Klassische Markenzeichen: gesenkter Kopf, starrer Blick, schweigsam wie ein Taubstummer. Das ist kein Ausdruck von Schamgefühl oder mangelndem Selbstbewusstsein. Stattdessen hält der Handysüchtige sein Smartphone knapp unter Brusthöhe vor sich und ist permanent am Tippen oder Zocken. Spätestens wenn der Handysüchtige einen Sitzplatz gefunden hat, geht es los. Gern aber auch schon beim Warten an der Haltestelle. Alle zwei Minuten hebt er für den Bruchteil einer Sekunde den Kopf, damit der Nacken nicht steif wird und um sich zu vergewissern, wo der Bus sich gerade befindet. Noch an der Hörn? Oder schon am Bootshafen? Auffällig: Der Handysüchtige ist multitaskingfähig (gilt ausnahmsweise auch für Männer): Gleichzeitiges Daddeln am Handy und Musikhören über Kopfhörer bewältigt er souverän. Typisches Kleidungsstück: Jogginghose. Die großen Hosentaschen bieten genügend Verstauraum für Handy mitsamt Hülle, iPod und Kopfhörer.

Der Extrovertierte

Der Extrovertierte unterhält mit Vorliebe seine Mitmenschen.
Der Extrovertierte unterhält mit Vorliebe seine Mitmenschen. Foto: imago/Gerhard Leber
 

Eine Mischung aus Zappelphilipp und Dampfplauderer. Der Extrovertierte ist schnell gelangweilt von der Busfahrt, unterhält ungefragt und teils wild gestikulierend seine Nebenleute – die er in der Regel schon vor Antritt der Fahrt kannte, etwa vom Konzertbesuch. Die Themen gehen dem Extrovertierten nie aus, im Zweifel kramt er sein Smartphone hervor und stößt so auf neuen Gesprächsstoff.

Der Meditative

Lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen: der Meditiative.
Lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen: der Meditiative. Foto: imago/Indiapicture
 

Die Ruhe in Person. Eingefrorener Blick, antriebsärmer als ein Faultier, äußerlich tiefenentspannt wie nach drei Joints. Der Meditative ist völlig in sich gekehrt, wie in Trance nach dem KiWo-Besuch und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen – auch nicht von den Extrovertierten, selbst wenn sie direkt neben ihm sitzen.  

Die Plaudertasche

Während der gesamten Busfahrt ist die Plaudertasche am Telefonieren.
Während der gesamten Busfahrt ist die Plaudertasche am Telefonieren. Foto: imago/Indiapicture
 

Wie der Extrovertierte hat auch er ein enormes Mitteilungsbedürfnis nach dem KiWo-Besuch. Blöd nur, dass sein „Opfer“ nicht im Bus sitzt und daher die gesamte Fahrt über telefonisch bedient wird. Immerhin: Die Plaudertasche weiß um die Penetranz seines Handelns. Daher bemüht er sich in der Regel, möglichst leise zu sprechen, um nicht alle übrigen Fahrgäste auch an dem Gespräch teilhaben zu lassen. Das ist auch besser so, sonst könnte es zu Konflikten mit den Extrovertierten kommen.  

Der Genießer

Der Genießer blickt gern aus dem Fenster und beobachtet dort das KiWo-Geschehen.
Der Genießer blickt gern aus dem Fenster und beobachtet dort das KiWo-Geschehen. Foto: imago/Rudolf Gigler
 

Für ihn ist jede Busfahrt ein Erlebnis. Der Genießer gibt keinen Mucks von sich und blickt die gesamte Fahrt über aus dem Fenster und beobachtet fasziniert die Stände entlang der Kiellinie. Quasi Sightseeing per Stadtbus. Günstiger ist das auch kaum möglich. Daher liegt der Verdacht nahe, dass der Genießer auch ein Sparfuchs ist. Vorteil des Genießers: Kein Fahrgast fühlt sich von ihm beobachtet oder belästigt.

Der Stammtischbruder

Der Stammtischbruder tauscht sich mit seiner Begleitung über Gott und die Welt aus.
Der Stammtischbruder tauscht sich mit seiner Begleitung über Gott und die Welt aus. Foto: imago/Müller-Stauffenberg
 

Er wird von mindestens einer ihm bekannten Person begleitet – und tauscht sich mit ihr über Hobbys, den Job, die Familie und den KiWo-Besuch aus. Der Stammtischbruder ist meistens so sehr in sein Gespräch vertieft, dass er alles um sich herum vergisst. Gefahr: Er muss aufpassen, nicht über das Ziel hinauszuschießen und seine Zielhaltestelle zu verpassen.   

Der Feierwütige

Der Feierwütige ist ein Herdentier und kommt nie allein.
Der Feierwütige ist ein Herdentier und kommt nie allein. Foto: imago/ZUMA Press
 

Besonders in den Abendstunden ist er während der Kieler Woche anzutreffen. Der Feierwütige schlürft trotz eindeutiger Verbotsschilder im Bus während der Fahrt gern an seinem Cocktail oder nippt an der Bierdose. Er tauscht lallend und lautstark seine Erlebnisse des Tages mit der ihn begleitenden Gruppe aus, sofern er sich noch daran erinnern kann. Problem: Der Feierwütige ist ein Herdentier, weshalb es im Bus schnell zu Platzproblemen kommen kann. Dann wird auf den Sitzen gern gestapelt, denn Berührungsängste hat er nicht.

Der Macho

Den Macho erkennt man in der Regel schon an seinem äußeren Erscheinungsbild.
Den Macho erkennt man in der Regel schon an seinem äußeren Erscheinungsbild. Foto: imago/Westend61
 

Lässiger Breitbein-Gang, grimmiger Gesichtsausdruck, gern auch Piercing und wilde Frisur. Der Macho sitzt aus Prinzip immer in der letzten Reihe im Bus und stellt die Füße auf dem gegenüberliegenden Sitz oder einem anderen erhöhten Gegenstand ab und beschwert sich über die Feierwütigen. Die Hose bedeckt große Teile des Oberschenkels, nicht aber das Gesäß. Einen Gürtel kann sich der Macho nicht leisten, da er sein Geld bevorzugt für Haarpflege-Produkte ausgibt oder in Körperverzierungen investiert.

Der Nerd

Der Nerd hat wenig mit Menschen, dafür viel mit Computern zu tun.
Der Nerd hat wenig mit Menschen, dafür viel mit Computern zu tun. Foto: imago/imagebroker/theissen
 

Optisch fällt er durch lange, vergleichsweise ungepflegte Haare auf dem Kopf und im Gesicht auf. Mit weit aufgerissenen Augen à la Gollum („Herr der Ringe“) stiert er ziellos durch die Gegend und beobachtet die KiWo-Besucher im Bus und entlang der Kiellinie. Er steht im Verdacht, während der Busfahrt das erste Mal am Tag mit Sonnenlicht und zivilisierter Umgebung in Berührung zu kommen.

Der Pumper

Der Macho trägt seinen gestählten Körper gern zur Schau.
Der Macho trägt seinen gestählten Körper gern zur Schau. Foto: imago/Westend61
 

Wahlweise auch „Der Poser“. Sein Auftrag: Den KiWo-Besuchern seinen gestählten Körper präsentieren. Selbst wenn alle anderen Fahrgäste mit Pullover und/oder Jacke im Bus sitzen, sitzt der Pumper im (hautengen) T-Shirt dort und prüft die Elastizität seiner Bekleidung. Spätestens anhand seiner Trichterfigur entlarvt er sich selbst: Oberarme wie Tim Wiese, Kreuz wie ein Schwimmer und Beine wie Salzstangen. Lieblingsaccessoire: eine Sporttasche, um sein Gesamterscheinungsbild abzurunden.  

Mehr zur Kieler Woche auf www.shz.de/kielerwoche.

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