Rasanter Zuwachs : Burnout: Immer mehr leiden

2004 lag die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage von 1000 AOK-Versicherten wegen des Burnout-Syndroms bei 8,1 Tagen, sechs Jahre später - 2010 - sind es bereits 72,3 Tage. Foto: Fotolia
2004 lag die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage von 1000 AOK-Versicherten wegen des Burnout-Syndroms bei 8,1 Tagen, sechs Jahre später - 2010 - sind es bereits 72,3 Tage. Foto: Fotolia

In Schleswig-Holstein werden immer mehr Arbeitnehmer wegen einer psychischen Erkrankung krankgeschrieben. Die Zahl dieser Ausfalltage legte zwischen 2009 und 2010 um zwölf Prozent zu.

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11. Mai 2011, 07:24 Uhr

Kiel | Die Ausfälle dauerten mit durchschnittlich 25 Tagen doppelt so lange wie der Durchschnitt der allgemeinen Krankheitsdauer mit 12,6 Tagen je Fall, so AOK-Chef Martin Litsch. Auffällig ist vor allem, dass das sogenannte Burnout-Syndrom (ausgebrannt, erschöpft) von den Ärzten zunehmend dokumentiert wird. Um nahezu das Neunfache sind die Krankheitstage zwischen 2004 und 2010 in dieser Diagnosegruppe angestiegen. "Zeitdruck und Stress nehmen offenbar weiter zu", beklagte Litsch. Für viele Menschen bestehe zunehmend die Gefahr, "von zwei Seiten gleichzeitig auszubrennen, vom Beruf her und durch familiäre Belastungen".
Die Ursache für das Burnout-Syndrom kann eine hohe Arbeitsbelastung, schlechte Arbeitsbedingungen, Zeitdruck, wachsende Verantwortung oder ein schlechtes Betriebsklima sein. Typische Folgeerkrankungen sind Depressionen, Angst störungen, Suchterkrankungen und körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder Kreislaufstörungen.
Rasanter Zuwachs beim Burnout-Syndrom
Noch 2004 lag die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage von 1000 AOK-Versicherten wegen des Burnout-Syndroms bei 8,1 Tagen, sechs Jahre später - 2010 - sind es bereits 72,3 Tage. Wird dies nun auf alle mehr als 34 Millionen Berufstätigen in der gesetzlichen Krankenversicherung hochgerechnet, so gab es im Jahr 2010 etwa 100.000 Menschen, die mehr als 1,8 Millionen Tage aufgrund von Burnout krankgeschrieben waren, so das Wissenschaftliche Institut der AOK. Die Zahl der Fehltage war besonders bei Menschen aus helfenden oder erzieherischen Berufen sehr hoch. So waren oftmals Heimleiter, Sozialpädagogen oder Beschäftigte der Krankenpflege betroffen. Auch zeigte sich, dass viele Frauen im mittleren Alter erkrankt sind.
Aber nicht nur Angestellte aus dem gesundheitlichen oder erzieherischen Bereich waren betroffen, sondern auch Telefonisten, in den meisten Fällen Mitarbeiter aus Call-Centern. Sie stehen unter einem hohen Leistungsdruck und leiden daher oftmals an Stress und Erschöpfung.
Anforderungen am Arbeitsplatz steigen kontinuierlich
Die Forscher vermuten, dass hinter dem Anstieg die häufigere Diagnosestellung durch Ärzten stecke. Heutzutage sind Mediziner durch Fort bildungen besser ausgebildet und erkennen psychische Störungen oder Beeinträchtigungen schneller als noch vor zehn Jahren. Zudem ist die Diagnose Burnout heute weniger stigmatisierend als noch vor einigen Jahren, so die Wissenschaftler. Allerdings sind auch die Anforderungen am Arbeitsplatz kontinuierlich gestiegen. Dadurch entstehe mehr Stress und Arbeitsdruck.
Insgesamt stieg der Krankenstand bei den 259.000 erwerbstätigen AOK-Mitgliedern im vergangenen Jahr (2010) von 5,1 auf 5,2 Prozent leicht an, zog die Krankenkasse in Kiel Bilanz.
(kim, shz)

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