Immer mehr Anträge in Neumünster : Bürger bewaffnen sich

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Seit Jahresbeginn gab es schon 65 Anträge auf einen Kleinen Waffenschein. DerAbsatz an Schreckschusswaffen steigt.

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30. Januar 2018, 08:01 Uhr

Neumünster | Die Zahl der Interessenten für den sogenannten Kleinen Waffenschein ist seit Jahresbeginn sprunghaft angestiegen. „Bisher wurden 65 Anträge gestellt und genehmigt“, teilt Stadtsprecher Stephan Beitz mit. Im gesamten Jahr 2017 waren es nur 102  Anträge. 2016 holten sich 150 Personen die Berechtigung zum Führen von Schreckschusspistolen in der Öffentlichkeit im Rathaus ab, 2015 waren es hingegen nur 17.

Das macht sich auch bei Büchsenmachermeister Reimer Johannsen bemerkbar. „Wir verzeichnen einen spürbaren Anstieg beim Verkauf dieser Waffen“, sagt der Seniorchef des seit 49 Jahren bestehenden Geschäftes am Haart. Der Absatz von sogenanntem Pfefferspray habe sich hingegen wieder „auf ein normales Niveau“ eingependelt. „Die Gesellschaft reagiert empfindlich auf Sicherheitsdebatten“, sagt Johannsen. Anfang des Jahres hatte Torsten Geerdts (CDU), Staatssekretär im Kieler Innenministerium, vor dem Hintergrund einer landesweit deutlich steigenden Zahl an Anträgen auf den Kleinen Waffenschein höhere Hürden verlangt.

„Dabei kann sich jeder ab 18 Jahren auch ohne das Dokument legal diese Waffen und Munition kaufen“, betont Stefan Eggers, Verkäufer im Waffengeschäft Johannsen. Gerade jüngere Personen und Migranten interessierten sich für den Waffenbesitz, Männer mehr als Frauen. „Wir registrieren hier jeden Verkauf, können also alles nachverfolgen“, sagt Eggers. Gleichzeitig macht er deutlich, dass gerade im Dunkeln diese Waffen von echten nicht zu unterscheiden seien.

Genau darin sieht Polizeisprecher Rainer Wetzel das Problem. „Im Ernstfall ist es für die Kollegen schwer einzuschätzen, ob die Waffe echt ist oder nicht.“ Die Polizei wünsche sich so wenig Waffen wie möglich im Umlauf. Die Zahl der Besitzer echter Waffen ist auch tatsächlich 2017 gesunken: von 499 auf 446.

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