Brunsbütteler löschen Nordseefähre

Die 'Hafnia Seaways' nach dem Brand in Cuxhaven. Sie ist eine 'Roll on, Roll off'-Fähre, transportiert vorwiegend Lastwagen. Für  Passagiere es gibt es zwölf  Kabinenplätze. Foto: dapd
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Die "Hafnia Seaways" nach dem Brand in Cuxhaven. Sie ist eine "Roll on, Roll off"-Fähre, transportiert vorwiegend Lastwagen. Für Passagiere es gibt es zwölf Kabinenplätze. Foto: dapd

Von einem Hubschrauber seilten sich die Experten für Schiffsbrandbekämpfung auf die "Hafnia Seaways" ab / Ursache des Feuers noch unklar

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21. Oktober 2011, 08:02 Uhr

Brunsbüttel | Mit einem spektakulären Einsatz haben Feuerwehrleute aus Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) den Brand auf der britischen Nordseefähre "Hafnia Seaways" gelöscht. Sechs Männer seilten sich von einem Marinehubschrauber auf das 187 Meter lange Schiff ab. Brandamtsrat Stephan Zollmer (49): "Wir hatten um 18.55 Uhr die Meldung bekommen, dass nördlich von Spiekeroog ein Schiff brennt, haben sofort unser Team zusammengestellt." In Brunsbüttel und zehn weiteren Orten in Schleswig-Holstein gibt es Feuerwehrleute, die speziell für die Brandbekämpfung auf Schiffen ausgebildet sind.

Das Problem: Es stand kein Hubschrauber bereit, um sie zum Havaristen zu fliegen. Zollmer: "Der SAR-Seaking der Marine war in Rostock im Einsatz." Zehn Feuerwehrmänner machten sich deshalb mit dem Feuerlöschschiff "Parat" auf den Weg - dann fand das Marinefliegergeschwader 5 in Kiel Holtenau eine Lösung. "Es wurde ein Reservehubschrauber fit gemacht, eine Crew von Zuhause geholt", so Zollmer. "Der Seaking landete um 20.25 Uhr vor der Feuerwache Brunsbüttel."

Um 20.35 Uhr waren die Feuerwehrmänner mit 250 Kilogramm Ausrüstung auf dem Weg zur "Hafnia Seaways", die zwischen dem englischen Immingham und Cuxhaven pendelt. Nur 25 Minuten später kreiste der Hubschrauber über der Fähre. "Bei Windstärke sieben winschten wir ab, der schwedische Kapitän wies uns in die Lage ein", berichtet Zollmer. Das Feuer war in der Sauna des Wellness-Bereichs ausgebrochen, nur zwei Decks unter der Brücke. "Die Brücke war so stark verraucht, dass sich Instrumente kaum noch ablesen ließen." Die gute Nachricht: Der 20-köpfigen Besatzung war es bereits gelungen, die Flammen unter Kontrolle zu bringen, die sieben Passagiere waren Achtern im Maschinenkontrollraum in Sicherheit gebracht worden. Die Brunsbütteler suchten mit einer Wärmebildkamera nach Brandnestern. "Davon gab es jede Menge", sagt Zollmer. Das erst 2008 gebaute Schiff hat zwar gute feuerhemmende Verkleidungen, doch die Flammen fraßen sich durch die Kabelschächte." Im Wellness-Bereich war alles zusammengeschmolzen. "Dort müssen mindestens achthundert Grad geherrscht haben", meint Zollmer und lobt die Crew der "Hafnia Seaways": "Wäre sie nicht so gut trainiert gewesen, dann hätten wir schnell eine zweite ,Lisco Gloria gehabt."

Die "Lisco Gloria" war im Oktober 2010 auf der Ostsee vor Fehmarn von einem Lastwagen in Brand gesetzt worden, 236 Menschen mussten gerettet werden. Auch die "Hafnia Seaways", die für den Seetransport von Autos, Lastwagen und Eisenbahnzügen konstruiert ist, war voll mit Fahrzeugen beladen.

Um 22.25 Uhr war das Feuer aus. Das Havariekommando in Cuxhaven, das den Einsatz koordinierte, hatte den Marinehubschrauber zwischenzeitlich nach Kiel beordert, dort stiegen Notärzte ein. Vier Passagiere und zwei Besatzungsmitglieder hatten Rauchvergiftungen erlitten. Die Brunsbütteler gingen um 0.15 Uhr von Bord - nach dem Anlegen in Cuxhaven. Ermittler sollen nun die Brandursache klären. Die dänische Reederei DFDS, Betreiber der Fähre, hofft, dass sich der Schaden in zwei Wochen beheben lässt.

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