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Nordkirche : Bischof Ulrich warnt: „Recht auf Asyl darf nicht angetastet werden“

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Aus der Onlineredaktion

Starke Worte: Bischof Ulrich appelliert an die Gemeinden, Flüchtlinge aufzufangen. Nützlichkeitserwägungen dürften keine Rolle spielen.

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2015 | 15:29 Uhr

Travemünde | Der Zustrom von Flüchtlingen wird die Gemeinden der Nordkirche nach Einschätzung der Kirchenleitung nachhaltig verändern. „Die Ortsgemeinden sind das gegebene Netz, die Menschen aufzufangen und zu integrieren“, sagte Landesbischof Gerhard Ulrich auf der Tagung der Synode am Samstag. Mit dem Asylrecht allein könne der Situation nicht begegnet werden. „Das Recht auf Asyl darf nicht angetastet werden, aber wir brauchen ein Zuwanderungsgesetz“, sagte Ulrich. Am Nachmittag wollte die Synode eine Erklärung zur Flüchtlingskrise verabschieden.

In der Erklärung, die Ulrich bereits am Donnerstag zum Auftakt der Synode eingebracht hatte, wendet sich die Kirchenleitung gegen die Festlegung sicherer Herkunftsländer. „Unterschiede zu machen zwischen Flüchtlingen nach Herkunftsländern oder Nützlichkeitserwägungen widerspricht dem christlichen Menschenbild“, sagte der Landesbischof. Auch die Religion der Menschen dürfe keine Rolle spielen.

Die Lage der Flüchtlinge ist auch Thema des Eckpunktepapiers zur Zukunft der Ortsgemeinden, dem die 156 Kirchenparlamentarier nun zugestimmt haben. Darin geht es auch um Formen des Gottesdienstes, den Unterhalt von nicht mehr benötigten Gebäuden, den Umgang mit dem Pastorenmangel und die Herausforderung für Gemeinden, in denen viele Menschen ohne religiöse Zugehörigkeit leben. „Mit diesen theologischen Thesen gibt sich die Synode selbst eine Leitlinie für künftige Gesetze, sie sind keine Handlungsanweisungen an die Gemeinden und Kirchenkreise“, sagte Synodenpräses Andreas Tietze. 

Bereits am Donnerstag hatte die Synode in erster Lesung ein Klimaschutzgesetz für die Nordkirche beschlossen. „Damit ist die Nordkirche Vorreiterin innerhalb der Evangelischen Kirche Deutschland“, sagte Tietze. In dem Gesetz verpflichten sich Landeskirche und Kirchenkreise, mindestens 0,8 Prozent der jährlichen Kirchensteuerzuweisungen für Klimaschutzmaßnahmen wie Energiemanagement und Bildungsarbeit aufzuwenden. 

Der Nordkirche gehören nach aktuellen Angaben 2,1 Millionen evangelische Christen in 1028 Gemeinden in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern an.

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