Testspiel : Bis zum Abbruch wacker gewehrt

Heiligenstedtens Marvin Vett (links) stört den Lübecker Moritz Marheineke bei der Ballannahme.
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Heiligenstedtens Marvin Vett (links) stört den Lübecker Moritz Marheineke bei der Ballannahme.

Nach 63 Minuten war Schluss: Die Testpartie des TSV Heiligenstedten gegen Regionalligist VfB Lübeck musste wegen Gewitters abgebrochen werden. Bis dahin hatte der TSV ein 3:5 gehalten.

shz.de von
05. Juli 2015, 15:31 Uhr

Dunkle Wolken zogen über das Sportgelände am Juliankadamm in Heiligenstedten am Sonnabend auf. Bereits mit Spielbeginn um 19 Uhr richteten die Verantwortlichen des TSV bange Blicke gen Himmel und stellten sich die Frage: „Hoffentlich geht das gut, hoffentlich bekommen wir das Freundschaftsspiel gegen den VfB Lübeck über die Bühne.“ Es klappte nicht ganz. Nach 63 Spielminuten brach Schiedsrichter Arne Jochimsen aus Glückstadt das Geschehen beim Stande von 3:5 (2:5) im Einvernehmen mit beiden Teams ab. „Mir ist das einfach zu gefährlich, ich kann das nicht mehr verantworten“, so der Unparteiische. Blitze zuckten am Himmel über den Platz. Minuten später wurde es dunkel und sinnflutartiger Starkregen verwandelte den Rasen in eine Seenlandschaft. Man hätte dann ohnehin nicht mehr weiterspielen können.

In der guten Stunde bis dahin wehrte sich der Kreisligist gegen die lauffreudigen Lübecker, so gut es ging. Der Gastgeber lieferte eine respektable Leistung ab. Zwar sahen Brian Podehl (gegen Stefan Richter) und Lars Steckel (gegen Christopher Kramer) im ersten Durchgang in den Zweikämpfen nur die Hacken ihrer quirligen Gegenspieler und das Geschehen spielte sich insgesamt fast ausschließlich in der Heiligenstedtener Hälfte ab, aber dem Team von Trainer Andreas Bischoff gelangen trotzdem sogar drei Gegentore.

Harte Trainingseinheiten und die außergewöhnlichen Temperaturen machten selbst die Akteure des Viertligisten unkonzentriert und platt. Die Reservespieler absolvierten vor dem Anpfiff am Juliankadamm noch eine Laufrunde im Ort. Der VfB-er Julian Dudda (zuletzt Werder Bremen II, davor Eintracht Frankfurt), den die Lübecker am Vortage in Tellingstedt (1:2) und in Heiligenstedten testeten, sah man in der Innenverteidigung eigentlich nur stehend oder gehend. Der 22-Jährige ist immerhin ein ehemaliger Bundesliga-Profi.

Ganz anders seine Kollegen in der Offensive. Nach der 1:2-Pleite am Freitagabend beim Nord-West-Verbandsliga-Aufsteiger MTV Tellingstedt verfehlten trotz zweier Trainingseinheiten zwischen beiden Testspielen deutliche Worte von VfB-Trainer Denny Skwierczynki ihre Wirkung nicht.

Von Beginn an hatte das Offensivspiel der Lübecker enorm Zug zum Tor. Voß und Nogovic auf der „Doppel-Sechs“, Dagli über die rechte Seite, Meyer zentral, Richter über Links sowie der Ex-Neumünsteraner Kramer im Zentrum vermittelten den Eindruck, dass sie den Test beim TSV ernst nahmen. Sie gaben zunächst richtig Gas. Nach 104 Sekunden verwertete Dennis Voß (2.) einen Pfostenabpraller von Christopher Kramer, der links durchgestartet war, zum 0:1. Aleksander Nogovic (8.) und Christopher Kramer (16., 24.) erhöhten schnell auf 0:4. Heiligenstedten drohte zu diesem Zeitpunkt ein Debakel. TSV-Trainer Andreas Bischoff reagierte und brachte mit Malte Ehlers mehr Stabilität in die Defensivabteilung des Gastgebers.

Zuvor fiel Heiligenstedtens erstes Gegentor – ein Zufallsprodukt. Beteiligt Marvin Vett, aber auch der bis dahin beschäftigungslose VfB-Keeper Jonas Toboll und ein Platzfehler. Die Kugel hoppelte über Tobolls Fuß ins Tor – den muss er einfach stoppen können!

Während Stefan Richter (37.) einen von Björn Hecht an Kramer verwirkten Foulelfmeter zum 1:5 verwandelte, gelang dann Marvin Vett (39.) auf Zuspiel von Fabian Klabunde gegen die nachlässig wirkende Lübecker Defensivabteilung das 2:5 noch vor der Pause. Kurz nach dem Wechsel gelang sogar das 3:5 durch Morten Brendemühl (47.) nach einem herrlichen Konter des TSV über Jan-Niklas Koch mit sattem Torabschluss ins linke untere Eck.

Spätestens jetzt hatte VfB-Teamchef Skwierczynski Grund sich zu ärgern. „Das müssen die doch hinten sehen.“ In den 18 Minuten der zweiten Halbzeit bis zum Abbruch verzeichnete der VfB nach zahlreichen Wechseln (jetzt unter anderem ohne Meyer, Richter und Kramer) keine klaren Chancen mehr.

TSV Heiligenstedten: Schwellies – Podehl (46. Ely), Hecht (46. Ekici), Steckel (34. Ehlers), Westphalen (46. Wendtland), Salomon (46. Kuhnke), Bolln (46. Brockmann), Klabunde (46. Kohtzer), Raddatz (46. Koch), Savran (46. Brendemühl), Vett (46. Wessel).

VfB Lübeck: Toboll – Sievers (46. Knechtel), Marheineke, Dudda, Sirmais (46. Bohnsack) – Voß, Nogovic (46. Bremser) – Dagli, Meyer (46. Maletzki), Richter (46. Lange) – Kramer (46. Barendt).

Schiedsrichter: Arne Jochimsen (Glückstadt)

Zuschauer: 150

Tore: 0:1 Voß (2.), 0:2 Nogovic (8.), 0:3 Kramer (16.), 0:4 Kramer (24.), 1:4 Vett (25.), 1:5 Richter (37./Foulelfmeter), 2:5 Vett (39.), 3:5 Brendemühl (47.).

Trainerstimmen
Andreas Bischoff (TSV Heiligenstedten): „Tolles Ergebnis, meine Jungs haben sich hervorragend präsentiert. Wir haben uns dem Gegner gestellt, sind konzentriert zu Werke gegangen. Mit dem 3:5 können wir zufrieden sein. Ich habe meine Erkenntnisse erlangt und nun geht es Schritt für Schritt weiter nach vorne.“

Denny Skwierczynski (VfB Lübeck): „Wir sind voll in der Vorbereitung und haben dabei keine Rücksicht auf die beiden Testspiele genommen. Bei der hohen Belastung zusammen mit der manchmal nicht richtigen Einstellung kann es schon passieren, dass ein Spiel wie in Tellingstedt verloren geht. Ich habe deutlich angesprochen, was am Freitag nicht gut war und was man noch besser machen kann. Hier in Heiligenstedten war das in der ersten Halbzeit schon anders. Wir haben viele Torchancen herausgespielt und verdient in der Höhe geführt. So will ich das sehen.“

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