Bei Wind und Wetter draußen

Hält sich durch das Zwiebelprinzip warm: Postbote Hans-Jörg Christiansen.
1 von 4
Hält sich durch das Zwiebelprinzip warm: Postbote Hans-Jörg Christiansen.

Viele Berufsgruppen trotzen den harten Wetterbedingungen - und geben Tipps, wie sie durch den Winter kommen

Avatar_shz von
10. Dezember 2011, 09:33 Uhr

Sylt | Friedmar Richter blieb nur noch die Flucht. Alle zehn Minuten. Zu stark waren die Hagelschauer. Der 56 Jahre alte Zeitungszusteller musste sich und die Zeitungen in Hauseingängen in Sicherheit bringen. Der Wind fegte über die Insel, an Fahrradfahren war nicht zu denken. Er musste schieben. Tief in der Nacht, von 1.30 bis 4.30 Uhr, zieht Richter im Norden Westerlands los, um die Morgenlektüre auszutragen. Bei Wind und Wetter. Er ist einer von vielen Menschen auf der Insel, die ihrer Arbeit im Freien nachgehen. Wind und Sturm aber auch die Kälte erschweren den Job. Winterliche Vorsichtmaßnahmen sind gefragt.

"Immer in Bewegung bleiben", sagt Orhan Arslan. Teils kann sich der Obstverkäufer in die Räumlichkeiten hinter seinem Stand in der Fußgängerzone in Westerland zurückziehen. Die Mütze ist tief ins Gesicht gezogen, vom grauen melierten Haar ist nichts mehr zu sehen. Die dunklen Augen blinzeln unter dem Kopfschutz hervor. Dick eingepackt steht Orhan Arslan in der Westerländer Fußgängerzone hinter dem Tresen mit seiner Ware. Eine Kundin steckt ihm gerade ein Stück Schokolade zu als er sagt: "Das muss auch mal sein. Kalorien helfen auch als Abwehr." Dafür sei auch getrocknetes Obst geeignet. Ansonsten empfiehlt er ausreichend Vitamine zu essen. Vor allem Clementinen und Äpfel seien bei den Kunden gefragt. Genau so gut seien auch Zitrusfrüchte, Kiwis oder Ananas.

In die gleiche Kerbe schlägt der Fremdenführer Hermann Bauer. Sich vernünftig ernähren, viel bewegen und die Natur genießen, das sei sein Patentrezept. Auch im Dezember kommen beispielsweise zu den Ortsführungen in Keitum 15 bis 20 Personen. Dabei ist vor allem der Kopfschutz zu beachten. "Viele wissen nicht, dass 30 Prozent der Wärme über den Kopf abgegeben wird", erläutert Bauer. Aber auch ansonsten heißt es warm anziehen.

Um fit für den Frost zu sein, bevorzugt der Postbeamte Hans-Jörg Christiansen das Zwiebelprinzip. T-Shirt, Pullover, Fleecejacke, darüber noch eine Jacke als Wind und Regenschutz. Auch eine Regenhose ist immer auf der vier- bis fünfstündigen Tour dabei. Aber das Wichtigste: "Warme und trockene Füße", erklärt der 46 Jahre alte Postzusteller. "Das ist die halbe Miete. Deswegen sind Gore-Tex-Schuhe Pflicht."

Richtig Spaß macht die Arbeit bei diesen Witterungsbedingungen nicht, sagt Polier Georg Hansen von der Firma Höft. Er ist unter anderem für die Gosch-Baustelle in Wenningstedt verantwortlich. Dort wurden die Mitarbeiter diese Woche mit neuen Regenkombis ausgestattet. Der Gerüstbauer Steffen Hoffmann hat seine eigene Taktik. Er setzt auf drei Unterhosen.

Wer sich nach Feierabend mit einem Punsch oder einem Grog an einer Punschbude erwärmen will, sollte aufpassen. Der gegenteilige Effekt tritt ein. "Alkohol sorgt dafür, dass sich die Gefäße weiten. Dadurch kühlt man schneller aus", erklärt Dr. Thomas Blanck, Facharzt für Innere Medizin, Lungen- und Bronchialheilkunde.

Wenn Friedmar Richter früh morgens von seiner Austragetour zurückkommt, verzichtet er auf ein warmes alkoholisches Getränk. Stattdessen wartet auf ihn das warme Bett.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen


Nachrichtenticker