Behälter mit 350 000 Litern Gülle geplatzt

Mitarbeiter des Betriebes begannen gestern mit den Auräumarbeiten. Im  Hintergrund:  ein weiterer Güllebehälter, der unversehrt geblieben ist.  Foto: U.Köhler
Mitarbeiter des Betriebes begannen gestern mit den Auräumarbeiten. Im Hintergrund: ein weiterer Güllebehälter, der unversehrt geblieben ist. Foto: U.Köhler

Offenbar hatte sich in dem Holztank Überdruck gebildet / Glück im Unglück: Erdwall schützte die Lippingau vor der übelriechenden Flüssigkeit

Avatar_shz von
20. September 2011, 08:19 Uhr

Steinbergkirche | Mit einem weithin zu hörenden Knall platzte gestern Morgen gegen 8 Uhr auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Ortsteil Westerholm ein großer Güllebehälter. Rund 350 Kubikmeter (350 000 Liter) übel riechende Gülle ergossen sich in einem Schwall auf den angrenzenden Hofplatz sowie einen Acker. Offenbar durch den entstandenen Druck wurde ein großes Loch in eine angrenzende Stallwand gerissen. Die Gülle sammelte sich kurz vor einem Vorfluter an einem Wall. Von dort konnte die Flüssigkeit mit Güllepumpen abgesaugt und von benachbarten Landwirten abtransportiert werden. Zu einer Schädigung der Umwelt kam es nach Informationen der Kreiswasserbehörde nicht.

Dank des Walls gelangte keine Gülle über die Vorflut in die Lippingau und damit in die nahe Ostsee. Ansonsten hätte es gehöriger Anstrengungen bedurft, die Gülle aufzunehmen, sagt Behördenleiter Hartmut Andersen. Auch der Wasser- und Bodenverband Lippingau gab noch vor Ort Entwarnung.

Warum der Güllebehälter platzte, darüber gibt es nach den Worten von Betriebs-Mitarbeitern und von Seiten der Feuerwehr derzeit nur Spekulationen. Klar sei, dass der untere Spannring um den Tank gerissen ist - möglicherweise aufgrund eines Materialfehlers oder von Überalterung, sagt Andersen. Offenbar hatte sich in dem vollen Behälter zuviel Druck aufgebaut.

Um die Gülle abpumpen zu können, musste zunächst mit einem Bagger eine Vertiefung in der Senke gegraben werden. Für die Feuerwehr Steinbergkirche, die von der Regionalleitstelle alarmiert worden war, war der Einsatz schnell zu Ende. Mehrere Landwirte übernahmen das Abpumpen und Verteilen der Gülle. Die Aufräumarbeiten nahmen anschließend viel Zeit in Anspruch. Wie hoch der Schaden ist, war an Ort und Stelle nicht zu erfahren. An dem Güllebehälter jedenfalls entstand Totalschaden.

Binnen einer Woche war es bereits der zweite Unfall mit einem Güllebehälter: Bis zu 400 000 Liter Gülle waren erst am vergangenen Dienstag in Zarnekau in Ostholstein ausgelaufen. Dort handelte es sich um ein Gefäß aus Beton. Die Abdichtung des Rührwerks am Güllebehälter war abgesprungen, während ein Trecker mit seiner Zapfwelle das Rührwerk antrieb.

"Natürlich sind solche Vorfälle mit sehr viel Ärger und Aufwand verbunden", konzidiert der Sprecher des Bauernverbands, Klaus Dahmke. Er hält die Dopplung aber für "Zufall". Probleme mit einer Überalterung der Behältnisse sind ihm nicht bekannt. Er betont, dass alle Güllebehälter zur reinen Aufbewahrung von den Wasserbehörden der Kreise statisch geprüft werden. Dient die Gülle-Sammlung einer Biogasanlage, ist die Gewerbeaufsicht des Landes zuständig. Insgesamt gibt es nach Dahmkes Schätzung in Schleswig-Holstein insgesamt knapp 10 000 Güllebehälter - de facto bei jedem Landwirt, der Rinder oder Schweine hält. "Holzbehälter wie in Steinbergkirche sind echt selten", sagt Dahmke. Die meisten bestünden aus Stahlbeton.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen