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Hamburger Hafen : „Barzan“ − An Bord eines Giganten der Meere

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Die „Barzan“ zählt zu den größten Schiffen der Welt − ein Besuch im Hamburger Hafen.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 17:27 Uhr

Hamburg | Es regnet und stürmt. Der Wetterdienst hat eine Unwetterwarnung für Hamburg und Schleswig-Holstein herausgegeben. In Hamburg ist ein Mensch bei dem Sturm ums Leben gekommen. Mindestens zehn weitere Menschen wurden verletzt. Derweil liegt am Burchardkai im Hamburger Hafen unerschütterlich wie ein Koloss die „Barzan“, mit 400 Metern Länge und 59 Meter Breite eines der größten Containerschiffe der Welt. Ein Besuch an Bord.

Um 23 Uhr soll  sie auslaufen. Doch daraus wird an diesem Abend nichts. Mit sieben Windstärken peitscht der Wind um die „Barzan“, ab sechs  Beauforts  aber wird es zu gefährlich für ein Schiff dieses Ausmaßes − zumindest in Landnähe. „Auf offener See“, sagt Kapitän Dariusz Kmetyk, „macht es kaum einen Unterschied, ob Sie ein kleines oder ein großes Schiff wie dieses fahren.“

Anders in der Elbmündung oder im Suezkanal: „Wenn es eng wird, will jedes Manöver gut geplant sein.“ Wind, Strömung und Schiffsverkehr müssen rechtzeitig einkalkuliert werden. Allein der Bremsweg des Giganten ist beeindruckend: Von 18 auf null Knoten braucht das Schiff 3,5 Kilometer.

<p>Auf der Brücke: Kapitän Dariusz Kmetyk.</p>

Auf der Brücke: Kapitän Dariusz Kmetyk.

Foto: Glosemeyer
 

Seit Hapag Lloyd mit der arabischen Reederei UASC fusioniert ist, gehören fünf Kolosse in der Größenordnung der „Barzan“ zur alteingesessenen Hamburger Reederei.  Die Container stapeln sich auf 22 Lagen in die Höhe, insgesamt hat das Schiff ein Ladevermögen von 19.900 TEU (Containereinheiten).

Hoch oben auf der Brücke ahnt der Besucher, woher der schwimmende Lastesel seine Namen hat. „Barzan“ bezeichnet im Arabischen einen hoch gelegenen Ort, zwei historische Wachtürme in Katar werden so genannt. Sehr hoch steht man auch auf der Brücke, etwa 60 Meter über dem Wasser, wie der Kapitän berichtet. Der Blick nach unten auf den Burchardkai und die geladenen Container macht die gigantischen Ausmaße des Schiffes greifbar. Der Wind ist hier oben so stark, dass man kaum sprechen kann.

26 Seeleute  gehören zur Crew der Barzan, vom Smutje über den Chef-Ingenieur bis zum Kapitän. Drei Monate lang werden sie − wenn der Wind sich gelegt hat  − unterwegs sein: Über Southampton, Rotterdam, Le Havre geht es durch den Suezkanal nach Asien. 15 Häfen − darunter Singapur, Hongkong, Shanghai − steuert das Containerschiff an, bringt Ware in Containern, nimmt andere mit zurück nach Europa und Hamburg.

Wie funktioniert eine Mannschaft aus elf Nationen auf See? Kapitän Kmetyk lacht und meint es ernst: „Kein Alkohol, kein Schweinefleisch, keine Frauen.“ Dafür gibt es einen Gebetsraum, und die Richtung nach Mekka zeigt ein digitaler Kompass an der Wand. Neben Polen und Philippinern arbeiten vor allem Ägypter, Jordanier, Iraker, Syrer, Inder und Pakistani an Bord.

<p>Container stapeln sich in Hamburg am Burchardkai auf dem Deck der „Barzan“. Der Frachter kann bis zu 19.000 Container laden und gehört damit zu den größten Schiffen der Welt.</p>

Container stapeln sich in Hamburg am Burchardkai auf dem Deck der „Barzan“. Der Frachter kann bis zu 19.000 Container laden und gehört damit zu den größten Schiffen der Welt.

Foto: Axel Heimken/dpa
 

Von der Brücke rattert der Fahrstuhl  über 13 Decks in die Tiefe, in den Maschinenraum des Riesen. Hier begrüßt uns Radoslaw Bogucki, als Chief Engineer unter anderem Herr über die Hauptmaschine, die so viel PS hat wie etwa 150  Porsche 911. Und obwohl der Containerfrachter mit Schweröl statt des umweltschonenden Flüssiggases LNG betrieben wird, bezeichnet Steffen Grothmann von Hapag Lloyd die „Barzan“ als eines der „grünsten Containerschiffe der Welt“.

Tatsächlich ist der Koloss, der vor zwei Jahren gebaut wurde, „LNG ready“. Das bedeutet: Nach einer aufwendigen und teuren Umrüstung und dem Einbau von Tanks könnte der Frachter mit LNG fahren.

„Es wird eine Bewegung hin zum LNG geben“, vermutet Hapag-Lloyd-Vorstand Thorsten Haeser. „Aber derzeit  gibt es kaum Möglichkeiten zum Tanken“, so Haeser.  LNG-Terminals, wie einer in Brunsbüttel gebaut werden soll, seien zu wenig verbreitet.  „Grüner“ als viele andere Schiffe ist der Frachter unter der Flagge Maltas dennoch − etwa bei der Wärmegewinnung.

So wird die Hitze der Abgase  in Energie zurückverwandelt, die etwa das Schweröl erwärmt und so das in kaltem Zustand zähflüssige Schweröl in kaltem Zustand verflüssigt. Der Kohlendioxid-Ausstoß als auch der Treibstoffverbrauch liegen nach Angaben der Reederei pro Containereinheit 60 Prozent unter dem von deutlich kleineren Frachtern. Und es hat eine Ballastwasser-Aufbereitung, die erst Pflicht werden soll.

Gestern Nachmittag lag der Koloss  noch immer am Burchardkai. Die Wettervorhersage bleibt stürmisch. Laut „vesselfinder.com“ soll die „Barzan“ um 7 Uhr am Sonnabend in Rotterdam ankommen. Ob das allerdings zu schaffen ist, weiß nur das Sturmtief „Xavier“.

(Foto im Thinglink: Hapag Lloyd/UASC)

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