Wolfgang Buschmann wird Landrat : Außenseiter auf der Überholspur

Der unterlegene CDU-Kandidat Jan Holger Stock gratuliert sofort dem neuen Landrat Wolfgang Buschmann (links). Foto: Dewanger
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Der unterlegene CDU-Kandidat Jan Holger Stock gratuliert sofort dem neuen Landrat Wolfgang Buschmann (links). Foto: Dewanger

Der neue Landrat des Kreises Schleswig-Flensburg heißt Wolfgang Buschmann. Der Kreistag wählte den 51-Jährigen auf Anhieb mit 29 von 56 Stimmen. Eine Stimme kam von der CDU.

shz.de von
23. Dezember 2011, 08:57 Uhr

Schleswig-Flensburg | Neuer Landrat im Kreis Schleswig-Flensburg wird Wolfgang Buschmann. Der 51-Jährige wurde am Mittwoch vom Kreistag gleich im ersten Wahlgang gewählt. Um punkt 13.45 stand fest, dass 29 der 56 Abgeordneten in geheimer Wahl für den Verwaltungsjuristen und langjährigen Bürgermeister aus Harrislee votiert hatten. Zugleich musste die CDU nicht nur anerkennen, dass ihr Kandidat, Jan Holger Stock, das Nachsehen hatte, sondern die zuvor beschworene Geschlossenheit der Fraktion offenbar nicht hielt. Stock kam auf 26 Stimmen. Eine Stimme erhielt überraschend die Kandidatin Sandra Wesolek, die als einzige der Wahl ferngeblieben war.
Das von Kreispräsident Eckhard Schröder geleitete Wahl-Prozedere dauerte knapp 45 Minuten. Er erläuterte die Regularien, dann wurden die 56 Abgeordneten dem Namen nach in die Wahlkabine und an die Urne gebeten. Dem wohnten die Kandidaten und zahlreiche Mitarbeiter der Verwaltung bei, zudem viele Besucher, unter ihnen Ehrenkreispräsident Johannes Petersen und Nospa-Vorstand Reinhard Henseler. Nicht nur ihnen war die Überraschung deutlich ins Gesicht geschrieben, als das Rennen um die Nachfolge Bogislav-Tessen von Gerlachs bereits nach dem ersten Wahlgang entschieden war. Auch Buschmann selbst zeigte sich überrascht. "Das hätte ich so nicht erwartet, allenfalls erhofft", sagte der Verwaltungsfachmann, der als parteiloser Kandidat ins Rennen gegangen war und eigentlich sogar von drei Wahlgängen ausgegangen war.
CDU-Kandidat ließ sich die Enttäuschung nicht lang anmerken
Die grobe Zielrichtung, die sich Buschmann setzt, unterscheidet sich zunächst nicht von dem Weg, den sein Vorgänger in den vergangenen Jahren bereits verfolgte und der in der Kreistagssitzung gestern bestätigt wurde. Im Vordergrund müsse die Haushaltskonsolidierung stehen, erklärte Buschmann. Nur auf Basis einer soliden Finanzlage könne der Kreis angesichts der ohnehin eingeschränkten Handlungsspielräume gestalterisch tätig werden. Dazu beitragen müsse zwingend auch eine Stärkung der Gemeinden. Denn nur auf diesem Weg sei es möglich, die Einnahmen zu erhöhen, damit der Kreis seine Ausgleichsfunktion effektiv wahrnehmen kann. Bis zur Übernahme der Verantwortung im Kreishaus an der Flensburger Straße im Mai will Buschmann seinen Jahresurlaub (plus Resturlaub aus diesem Jahr) zur Einarbeitung nutzen.
Jan Holger Stock war die Enttäuschung im ersten Moment zwar anzusehen, doch nach kurzer Zeit zeigte er sich bereits wieder kämpferisch. Wichtig sei, dass eine Entscheidung mit stabiler Mehrheit getroffen wurde, betonte er. Das sei vorrangig und dem müssten persönliche Wünsche hintanstehen. Er selbst werde durch die Entscheidung des Kreistages keineswegs aus der Bahn geworfen. "Damit, den Hut in den Ring zu werfen, war die Entscheidung für den dritten Lebensabschnitt verbunden, noch einmal richtig Gas zu geben. Diese Entscheidung begleitet mich jetzt in mein Hauptamt", betonte der Geschäftsführer der Unfallkasse Nord.
Abweichler aud der CDU: "Das tut schon weh!"
CDU-Fraktionschef Ulrich Brüggemeier, der sich zuvor zuversichtlich gezeigt hatte, dass Stock die Wahl gewinnen würde, betonte, die CDU werde mit Buschmann zusammenarbeiten, "als wäre er unser Kandidat gewesen". Buschmann und Stock hätten recht ähnliche Profile und seien für das Landratsamt gleichermaßen geeignet, erklärte er. "Dem Kreis wird es mit Buschmann nicht schlecht ergehen." Verärgert zeigte sich der CDU-Mann darüber, dass zumindest ein Fraktionskollege offenkundig von der verabredeten Linie, den Parteikollegen Jan Holger Stock zu wählen, abgewichen ist und dies weder angekündigt noch nachträglich geäußert hatte. Brüggemeier: "Das tut schon weh!"
SPD-Fraktionschef Ingo Degner lehnte sich nach der Wahl genüsslich zurück. Er hatte im November zunächst den Glücksburger Stadtrat John Witt zu einer Kandidatur angeregt, dann hatte er sich aber mit der Fraktion für Buschmann ausgesprochen und bei den anderen Fraktionen für ihn geworben. "Ich war mir vorher sicher, dass wir 28 Stimmen zusammenbekommen würden", sagte er. "Dass es im ersten Wahlgang 29 wurden, also eine von der CDU kam, hat mich aber doch überrascht."

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